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Justiz

Mollath-Unterstützer klagen an

Das Wiederaufnahmeverfahren im Fall Mollath hat vor dem Regensburger Landgericht begonnen. Mollaths Anhänger demonstrieren vor dem Gerichtsgebäude.
Von Dagmar Unrecht, MZ

Unterstützer von Gustl Mollath haben vor dem Justizgebäude in Regensburg eine Klagemauer aufgebaut.Foto:Lex

Regensburg.Während im Landgericht Regensburg am Montag das Wiederaufnahmeverfahren im Fall Gustl Mollath anläuft, haben seine Unterstützer ihr Urteil längst gefällt. Seit acht Uhr und damit eine Stunde vor Prozessbeginn haben sie vor dem Justizgebäude Stellung bezogen, bereits am Sonntagabend wurde für das für heute angesetzte „Trauerspiel“ aufgebaut. Einer der Initiatoren der „sozialkritischen Kunstaktion“ ist Günter Mühlbauer aus Regensburg. Er findet es „unglaublich, was sich in unserem Land abspielt“. Auch er sieht sich als „Justiz-und Behördenopfer“, in seinem Fall geht es um einen Sorgerechtsstreit um seine beiden Kinder. Mollath sei nur die „Spitze eines Eisbergs“, ist er überzeugt. So lautet auch das Motto der Demonstration. Mühlbauer ist nicht der einzige, der das so sieht: Rund zwei Dutzend Mollath-Unterstützer stehen an diesem Montagmorgen vor dem Regensburger Justizgebäude, um tatsächlich ein „Trauerspiel“ aufzuführen. „Sträflinge“ ziehen einen Streitwagen, angetrieben vom „deutschen Michel“(dargestellt von Günter Mühlbauer), der laut auf eine Trommel schlägt. Hinter dem Wagen wird auf einer Bahre das Grundgesetz symbolisch zu Grabe getragen. Die „Sträflinge“ fordern vergeblich „Freiheit und Gerechtigkeit“.

„Justizopfer“ berichten

Anhänger der Initiative „Für eine unabhängige Justiz in Bayern“, die ein Volksbegehren dazu beantragen will, sind in der Augustenstraße ebenfalls präsent. Sie beklagen eine „zu enge Verknüpfung von Staatsanwaltschaft und Richtern in Bayern“und fordern mehr Transparenz. Auch eine „Klagemauer“ ist geboten: Darauf können Betroffene ihr Schicksal im DIN-A-4-Format zu Papier bringen und öffentlich anschlagen. „Schluss mit richterlich angeordneten Gutachten!!!“, ist dort zum Beispiel zu lesen. Dazu gibt es Spruchbänder, Zettel werden verteilt. „Bürger lasst den Fußball sein, kommt herunter, reiht euch ein“, fordert einer der Protestanten lautstark. Auch Hellmut Nachtigall aus Regensburg hat sich vor dem Justizgebäude postiert. Er trägt ein großes Plakat vor dem Körper und fordert darauf „Rehabilitation für Gustl Mollath“. „Die Justiz sieht bis heute nicht ein, dass sie Fehler gemacht hat“, findet er, „da kann man nicht einfach zu Hause bleiben“. Über die „bayerischen Verhältnisse“ kann er sich richtig in Rage reden. Besonders der seiner Meinung nach „willkürliche Umgang der Justiz“, wie er sich im Fall Mollath zeige, ärgert ihn.

Die Demonstranten, die sich selbst als Justizopfer sehen, haben alle ihre eigene Geschichte zu erzählen. Der Tenor ist ähnlich. In kleinen Redebeiträge, die auf Wunsch der Veranstalter nicht länger als ein bis zwei Minuten sein sollen, dürfen Betroffene auf einer kleinen Bühne berichten, wie Behörden und Justiz ihnen das Leben schwer machen. Von einer Resonanz, wie sie Gustl Mollath zuteilwird, können sie jedoch nur träumen.

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