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Auf Zeitreise in Niederbayern

Das Museum Quintana beherbergt einen Kulturschatz: Auf 600 Quadratmetern bietet es einen Einblick in 7000 Jahre Siedlungsgeschichte.
Von Aniko Ligeti, MZ

Dr. Eva Bayer-Niemeier, Museumsleitung im Museum Quintana erklärt, dass die Donau vor 7000 Jahren anders verlief und sogar Doppelschlaufen hatte. Foto: Ligeti

Künzing.Im Gebäude des Rathauses in Künzing (Lkr. Deggendorf) erstreckt sich auf drei Etagen eine sensationelle Kulturgeschichte. „Sie sehen hier 7000 Jahre ununterbrochene Siedlung und Funde aus der Gemeinde Künzing“, erklärt Museumsleiterin Dr. Eva Bayer-Niemeier und verweist auf eine riesige Tafel. „Wie Sie sehen können, verlief die Donau damals anders, näher am römischen Kastell mit seinem Hafen.“

Gleich neben der Schautafel beginnt der Bereich der Jungsteinzeit, und ein überdimensional großes Panoramabild zieht den Betrachter in seinen Bann. „Wir vermitteln damit, wie Künzing vor über 5000 Jahren ausgesehen haben könnte“, so Dr. Bayer-Niemeier. Man kann sehr gut die wichtigsten Elemente nämlich Haus- und Ackerbau sowie Viehzucht erkennen. „In der Alt- und Mittelsteinzeit waren die Menschen als Jäger und Sammler unterwegs, jetzt werden sie sesshaft“, weiß die Museumsleiterin. Einwanderer aus dem Orient brachten nicht nur das Know-How sondern auch gleich eine neue Samenkultur wie Erbsen und Linsen mit, wie spätere Funde belegen. „Durch die neuen Pflanzen entwickelten sich auch spezielle Werkzeuge“, sagt Dr. Bayer-Niemeier. Der Beginn der technologischen Entwicklung war geboren. „Feuersteingeräte kannte man schon aus der Alt- und Mittelsteinzeit, neu hinzu kam, dass man Beile aus Felsgestein herstellte, um damit beispielsweise Holz für Baumaterial oder zum Kochen zu schlagen“, erklärt die Museumsleiterin.

Im Einklang mit der Natur

Um sich das Sesshaftwerden besser vorstellen zu können, erwartet den Besucher ein Modell eines damaligen Hauses. In dem fensterlosen, über 30 Meter langen Gebäude war im vorderen Teil der Wohnbereich untergebracht, dahinter folgten Vorratskammer, Stall und Räume, um Werkzeuge herzustellen. Die Menschen lebten mit der Natur im Einklang, arbeiteten so lange es das Sonnenlicht zuließ. Um sich besser auf die Jahreszeiten einstellen zu können, bauten sie eine Kreisgrabenanlage. Von der Mitte aus konnten die Steinzeitmenschen die Gestirne beobachten, um somit Anhaltspunkte auf die Jahreszeiten zu erhalten.

Weiter geht es in die Metallzeit. Die ausgestellten Fundstücke aus Gräbern sind beeindruckend. Es gab damals einen einzigen, aber sehr großen urnenfelderzeitlichen Friedhof. Das Urnengrab eines Häuptlings oder Priesters konnte mit einem umgebenden Grabgarten durchaus eine Fläche von bis zu 200 Quadratmetern Größe erreichen. Interessante Grabbeigaben wie Schmuck, Gefäße und Zaumzeug liegen in den Schaukästen aus. Je nach sozialer Schicht fielen die Urnen und Grabbeigaben dementsprechend klein oder groß aus.

Eine Weltsensation erwartet den Besucher im Erdgeschoss und stimmt zugleich auf die Römerzeit ein: Dort steht das nachgebaute Modell eines hölzernen Amphitheaters, in dem einst 600 Besucher Platz fanden, um Gladiatorenkämpfe oder Reiterspiele anzusehen. So ein Fund wurde weltweit noch nie ausgegraben. Eine weitere Rarität ist im oberen Bereich der Nachbau des römischen Kastells. Bemerkenswerterweise verläuft ein Teil der Straße genauso wie heute. Das Modell zeigt aber eindrucksvoll, wie das römische Lager einst ausgesehen haben muss.

„Viktor“, ein römischer Soldat stellt mit seiner imposanten Statur einen Zeitzeugen dar. In kompletter Montur steht er vor einem Panoramabild, und eingespielte Geräusche wie Wind, Kampfgetöse und Waffenklirren gewähren dem Betrachter einen tiefen Einblick. Funde aus dem Militärlager und dem angrenzenden Dorf mit seinen Wirtshäusern geben einen weiteren Aufschluss über das damalige Leben.

Einschneidende Ereignisse

„Es gab zwei einschneidende Zusammenbrüche: einmal wurde das Kastell um 250 n. Chr. durch die Germanen zerstört und auch der Limes brach komplett zusammen. Zum anderen hatten wir im 5. Jahrhundert n.Chr. die Völkerwanderungszeit, die das Ende des Römischen Reiches besiegelte“, erklärt die Museumsleiterin. Quintanis, aus dessen Namen sich das heutige Künzing entwickelte, bringt dennoch, wenn auch viel später, eine weitere Sensation hervor. Trotz der widrigen Umstände blieben einige Romanen zurück und die Germanen siedelten sich zeitgleich an. „Die frühchristliche Religion gibt es hier seit dem 4. Jahrhundert, aber das Besondere ist, dass die Tradition auch bei der Ansiedlung der Bajuwaren weiterlebte. Im 8. Jahrhundert n. Chr. wird ganz Bayern christianisiert und auch die Bayern selbst übernehmen diesen Glauben“, so Dr. Bayer-Niemeier.

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