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Das Kastell am Rande des Limes

Das Römer-Kastell Abusina in Eining gehört seit 2005 zum Weltkulturerbe. Vor fast 2000 Jahren lebten hier römische Soldaten auf fruchtbarem Boden.
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

  • Weitblick: Konservator Sebastian Sommer schaut von der Aussichtsplattform auf Abusina, rechts im Bild sieht man die Umrisse das römischen Bades.Fotos: Stöcker-Gietl, BLfD (1)
  • Stahltore mit Infotafeln informieren die Besucher.
  • Ein Modell zeigt die Ausmaße des Kastells in Eining.
  • Aufnahme aus dem 19. Jahrhundert von den ersten Ausgrabungen

Eining. Das Weltkulturerbe liegt unter einem Hopfenfeld. Man kann es nicht sehen, auch nicht erahnen. Doch einst spielte sich hier das pralle römische Leben ab. In Eining bei Bad Gögging (Lkr. Kelheim) wurde vor fast 2000 Jahren das Kastell Abusina gebaut. Es markierte das Ende des Rätischen Limes und den Beginn des nassen Limes entlang der Donau. Bis zu 600 Soldaten einer teilberittenen Kohorte waren hier stationiert, rund um das Kastell gab es einen Vicus, also eine Art Dorf mit Wirten, Händlern, Gauklern. Heute sieht man noch die Steinmauern des Kastells, auf dem Vicus wird Hopfen angebaut, was für Landeskonservator Prof. Dr. C. Sebastian Sommer vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege „kein wünschenswerter, aber ein zu duldender Umgang mit dem Weltkulturerbe“ ist.

Der Pfarrer als Archäologe

Der Eininger Pfarrer war es, der das römische Reich zurück nach Eining holte. 1879 wurde auf die Initiative von Wolfgang Schreiner hin mit den Grabungen am Kastell begonnen, so Sommer. Dabei war das Wissen um den Sitz einer halben Römer-Kohorte in Eining lange Zeit fast in Vergessenheit geraten. Der berühmte Gelehrte Johannes Aventinus (1477 - 1534) hatte seine Forschungen über Abusina niedergeschrieben, um sie für die Nachwelt zu bewahren. Erst im 19.Jahrhundert richete sich das Interesse des Bildungsbürgertums auf die antiken Zeugnisse in Deutschland.

Der Pfarrer zahlte die Ausgrabungen zunächst aus seiner Privatschatulle. Schließlich kam mit dem Landesarchäologen Paul Reinecke Bewegung in das Vorhaben. Zwischen 1911 und 1920 wurde Abusina freigelegt. Zahlreiche Funde sind dokumentiert, die heute im Archäologischen Museum in Kelheim, im Stadt- und Kreismuseum Landshut, in der Archäologischen Staatssammlung München und im Stadtmuseum Abensberg verwahrt werden. Die Umrisse der beiden in Eining errichteten Kastelle wurden aufgemauert, um sie für Besucher erlebbar zu machen.

Landeskonservator Sommer steigt auf den neuen Aussichtsturm, um die Ausmaße von Abusina zu erläutern. Etwa 1,8 Hektar groß war das erste Kastell, das um das Jahr 80 nach Christus entstand. Die Umwehrung in Holz-Erde-Bauweise diente zur Sicherung der Donaulinie. Zu dieser Zeit begann auch die erste Bauphase des Limes in Bayern. Unter Kaiser Trajan wurde die Grenze Richtung Norden verlegt. So entstand vom Rhein bis zur Donau eine durchgehende Reihe von hölzernen Türmen mit einer vorgelagerten Holzpalisade. In Bayern zieht sich der Limes auf mittelfränkischem Gebiet von Mönchsroth über Gunzenhausen, Theilenhofen, Weißenburg nach Denkendorf bis Hienheim. Abusina wird noch mit zum Limes gerechnet, obwohl der eigentliche Schutzwall „streng genommen am anderen Donauufer endet“, erläutert Sommer. Der Limes sei „nicht primär gegen jemanden gerichtet“ gewesen, sondern diente „als Schutz für die Bürger Roms“, sagt der Denkmalpfleger. Dies sei auch mit dem Verlauf des Limes zu erklären, der entlang fruchtbare Gebiete verlaufe. „Die Römer sicherten sich Böden, die gut zu bewirtschaften waren.“

Während der Markomannenkriege wurde Abusina um 170 n. Chr. das erste Mal zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte als Steinkastell. Etwa 147 Meter lang und 125 Meter breit war die Anlage. Die Hauptachse wurde – untypisch – von Norden nach Osten gedreht. Vermutlich wegen der Donau und der hinter dem Kastell liegenden Abens, sagt Sommer. Die Wehrmauer des Kastells besaß eine Stärke von 1,4 Metern und war vermutlich fünf Meter hoch.

Untergang im fünften Jahrhundert

Nach ruhigen Jahren fielen die Alemannen ein und zerstörten das Kastell zwischen 233 und 260. Abusina wurde ein weiteres Mal aufgebaut, diesmal aber als kleine „burgus“. Die bisherige Umwehrung wurde instand gehalten, dort zog der Vicus ein. Im Kastell selbst waren nur noch weniger als 100 Soldaten stationiert. Der Untergang von Abusina erfolge Mitte des fünften Jahrhunderts, vermutlich durch einen Germanenvorstoß. Der Limes wurde schon Mitte des dritten Jahrhunderts aufgegeben. Das heutige Dorf Eining gründete sich später etwa einen halben Kilometer nördlich des Kastells.

Nach den Ausgrabungen Anfang des 20. Jahrhunderts war Abusina lange Zeit ein Ort, der nur Geschichtsinteressierte anlockte. Erst mit der Ernennung des Limes zum Weltkulturerbe, wurde auch in Eining der touristische Aspekt stärker hervorgehoben. 2011 wurde eine Aussichtsplattform in der parkähnlichen Anlage errichtet. Stahltore, zum Teil mit Geräuschkulissen, stellen die Hauptachse des Kastells nach, Infotafeln informieren über Bedeutung und Leben in Absusina, eine Brücke führt Richtung Abens und gibt einen Blick auf den Limes frei.

Demnächst stehen große Sanierungsarbeiten an, sagt Sommer. Etwa 2000 Meter Mauer müssen überarbeitet werden. Ein teures Projekt. Auch deshalb würden solche Römerfunde heute nur noch ungern freigelegt, sagt der Konservator. „Jede Grabung bedeutet Zerstörung. Was im Boden bleibt, bleibt für die Nachwelt erhalten.“

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