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Der kostbare Schatz der Römer

Im Gäubodenmuseum Straubing ist ein deutschlandweit einzigartiger Fund zu bestaunen. Der Besucher erlebt hier Geschichte nach dem Zeitstrahlprinzip.
Von Aniko Ligeti, MZ

  • Die Bronze-Gesichtshelme der Römer wurden 1950 bei Grabungen auf einer Baustelle in Alburg gefunden. Sie gehören bis heute zu einem der wichtigsten Römerschätze in Deutschland.Fotos: Gäubodenmuseum
  • Das Leben in einem römischen Kastell wird detailliert erläutert.
  • Bis 7000 Jahre vor Christus reichen die Ausstellungsstücke zurück.
  • Auch sakrale Volkskunst hat ihren Platz im Gäubodenmuseum.

Straubing.Als auf dem Gelände in Straubing-Alburg am Nachmittag des 27. Oktober 1950 mit Bauarbeiten begonnen wurde, war nicht abzusehen, dass man hier auf einen der bedeutendsten römischen Funde in der Bundesrepublik stoßen würde. Beim Aushub kam ein großer, umgestülpt im Boden liegender Kupferkessel zutage. „In unbezwinglicher Neugierde“ – so hieß es später im Fundbericht – schlugen die Bauarbeiter mit der Spitzhacke ein Loch hinein, und als man Bronzegegenstände darin erspähte, holte man eine Blechschere und erweiterte die Öffnung. Die Bronze-Gesichtshelme, Beinschienen, Rossstirnen, wurden zum Teil unter empfindlichen Beschädigungen aus dem Kessel geholt. Heute weiß man, dass die Bauarbeiter den bedeutendsten Fund römischer Paraderüstungsteile im Gebiet des ehemaligen Imperium Romanum gemacht hatten. Im Straubinger Gäubodenmuseum kann der Römerschatz heute bewundert werden. Es ist das Highlight auf den über 1500 Quadratmetern Ausstellungsfläche.

Das Leben der Kelten und Römer

Das Leben in diesem fruchtbaren Gebiet in Niederbayern wird im Gäubodenmuseum detailliert dargestellt. „Sie können auf einem Zeitstrahl von der ersten bäuerlichen Besiedlung um 7000 v. Chr. bis zur heutigen Zeit alles nachvollziehen“, erklären Museumsleiter Dr. Johannes Prammer und Dr. Stefan Maier, stellvertretender Museumsleiter. So beginnt gleich am Anfang des etwa zweistündigen Rundgangs die vorgeschichtliche Abteilung von der Jungsteinzeit bis hin zu den Kelten, mit ihrem Brauchtum und Sitten. Zahlreiche Exponate aus Grabungen kann man dabei hinter gläsernen Schaukästen bewundern. Grabbeigaben, wie etwa Schmuck oder die Urnen selbst, aber auch Werkzeug und Waffen liegen aus. „Und dabei handelt es sich um Originale, die relativ gut erhalten sind“, erklären die Experten. Imposante Funde, die man etwa durch Zufall bei Grabungen oder durch Luftbildaufnahmen entdeckte. Unter den Exponaten sind Beigaben aus dem jungsteinzeitlichen Gräberfeld bei Aiterhofen und die Schmuckbeigaben aus der frühen Bronzezeit, die auch „Straubinger Kultur“ genannt wird. Diese Funde zeigen sich auch wiederum alle relativ gut erhalten: Keramik, Waffen, Schmuck und auch Bekleidung sind ein Teil ihrer Hinterlassenschaft.

Der Sprung zu den Römern verläuft räumlich getrennt. So gewinnt der Besucher ein wenig Abstand und stimmt sich gleichsam auf eine neue Ära ein. „Der römische Schatz“ ist weit über die Region bekannt und „viele Stadtführungen beinhalten auch einen Besuch in diese Abteilung, weil sie von enormer Wichtigkeit ist“, weiß Prammer.

Durch Lehmabbau in der Region wurde die Villa Rustica mit dem Hauptgebäude und zahlreichen Kleinfunden sowie auch dem römischen Schatz gefunden. 2012 wurde die Abteilung großzügig erweitert. Gleich am Anfang der römischen Abteilung kann man einen der bedeutendsten Verwahrfunde römischer Paradestücke des ehemaligen Imperiums sehen. Gesichtshelme, Teile der Rüstungen oder Statuetten ziehen den Betrachter in den Bann. „Sorviodurum“ als wichtiger Militärstandort hatte mit seinem Kastell und der angrenzenden Dorfgemeinde einen in Deutschland einzigartigen Schatz hinterlassen. In den Räumen bekommt man einen Einblick über das rege Dorftreiben um das Kastell herum. Exponate von Geschirrflickern, Werkzeugmachern, Malern oder Glasherstellern zeigen sich außergewöhnlich gut erhalten.

Geld für Museumsvollendung fehlt

Auch die medizinische Versorgung war gewährleistet. Keine Funde gibt es allerdings über Metzger, Bäcker, Garküchen oder Bordelle, die es mit großer Wahrscheinlichkeit gegeben haben durfte. Die Sonderabteilung der „Frühen Baiern“ zeigt Funde aus dem Gräberfeld von Straßkirchen und aus der „Bajuwarenstraße“, einem Friedhof bei Straubing. Die Grabbeigaben sind wirklich bewundernswert, denn sie präsentieren eine Vielzahl an filigranen Schmuck- und Kunsthandwerkstücken wie Fibeln und Gürtelschnallen oder kostbaren Glasgefäßen. „Diese stummen Zeitzeugen vermitteln auch einen Einblick in den Übergang von der Spätantike bis hin zum Mittelalter in Bayern, als sich der Stamm der Bajuwaren bildete“, erläutern Maier und Prammer.

Einen Eindruck vom Reichtum und der Wichtigkeit des einstigen Verwaltungszentrums erfährt der Besucher in der Ausstellung über sakrale Kunst und Volksfrömmigkeit. Die Ausstellung präsentiert eine Zeit von der Romantik bis hin zum späten Rokoko und schließt mit der Abteilung „Straubing – unter Kurfürst und König“. Hier erfährt der Besucher die Entwicklungsgeschichte bis zum Ende des Königreichs 1918. Um den Sprung in die heutige Zeit zu schaffen, beeindruckt ein Modell über das Gäubodenfest, das heuer seinen 200. Geburtstag feierte. „Es wäre wünschenswert, wenn wir die Stadtgeschichte bis zur Gegenwart darstellen könnten“, so die Museumsexperten, dafür fehle aber der nötige Raum und das nötige Geld.

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