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Keplers letzte Reise nach Regensburg

Der berühmte Astronom war auf der Durchreise, doch in Regensburg schlug seine Sterbestunde. Das Kepler-Museum zeigt sein Leben und Schaffen.
Von Laetitia Gasse, MZ

  • Historiker Matthias Freitag führt durch die Museumsräume. Foto: altrofoto.de
  • Eine typische Einrichtung zu Keplers Zeiten, im Original erhalten Foto: altrofoto.de
  • Für den Schulunterricht konzipiert: Tellurium und Lunarium Foto: altrofoto.de
  • Das Keplerdenkmal wurde 1808 von Friedrich Wilhelm Döll gefertigt. Foto: altrofoto.de

Regensburg. Johannes Kepler war für die Astronomie das, was Galileo Galilei für die physikalische Mechanik war. Er gehört neben Newton und Galileo zu den bedeutendsten Naturforschern der Neuzeit. Das Universalgenie aus Württemberg beschäftigte sich mit Astronomie, Mathematik, Astrologie und Optik. Es ist außerhalb von Regensburg aber kaum bekannt, dass Kepler in der Domstadt gestorben ist. Sein Grab kann man nicht mehr besuchen. Es wurde 1633 in einer Schlacht während des 30-jährigen Krieges zerstört.

Dieses Schicksal wäre beinahe auch dem Sterbehaus Keplers widerfahren, erklärt Historiker Matthias Freitag. Sponsoren aus Regensburg und ganz Deutschland sorgten dafür, dass das baufällige Gebäude an der Donau nicht abgerissen, sondern in Jahren zwischen 1959 und 1961 saniert wurde. Zu Ehren Keplers wurde die Straße, in dem sein Sterbehaus steht, in Keplerstraße umbenannt.

Blick in die Himmelslehre

Kepler lebte nur zehn Tage in Regensburg, als er 1630 mit 58 Jahren an einer Lungenentzündung starb. Über 300 Jahre später wurde 1961 das Kepler-Gedächtnishaus eröffnet. Das Museum hat sich zur Aufgabe gemacht, Kepler nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Auf zwei Stockwerken beheimatet der aus dem 16. Jahrhundert stammende Giebelbau allerlei Exponate rund um den Naturwissenschaftler.

Matthias Freitag führt durch die zwei zu besichtigenden Ebenen, die verschiedene Bereiche des Astronomen beleuchten: Die untere Ebene beschäftigt sich mit Kepler als Privatperson und seinem Bezug zu Regensburg, die obere mit Keplers Astronomie. Im Museum wird viel Wert darauf gelegt, dem Besucher einen authentischen Eindruck über die Zeit Keplers zu vermitteln. Seit seiner Eröffnung wurde das Museum nur einmal in den 80er Jahren umgestaltet. Alle Exponate, die der Besucher bewundern kann, stammen aus der Zeit Keplers oder sind Nachbauten seiner zahlreichen Konstruktionen.

Zu Beginn der Museumstour müssen Besucher eine Treppe aus dunklem Holz und geschnitztem Geländer in das erste Stockwerk hinaufsteigen. Dort stehen in Vitrinen ausgestellte Bücher mit Widmungen und Korrespondenzen zwischen Kepler und anderen Naturwissenschaftlern. Im Nebenzimmer, dem mutmaßlichen Sterbezimmer Keplers, sind Aufzeichnungen rund um Keplers Tod zusammengetragen. Erklimmt man die nächste Treppe ins zweite Obergeschoss, wird der Blick auf den Kopf der Kepler-Statue von 1808 gelenkt. Weil es zu Beschädigungen der Statue auf seinem alten Platz im Rundtempel in der Fürst-Anselm-Allee gekommen war, hatte man die Büste ins Kepler-Gedächtnishaus gebracht. Das Denkmal wurde ursprünglich in der Nähe des Keplergrabes auf dem ehemaligen Petersfriedhof beim Peterskirchlein neben dem Hauptbahnhof errichtet. Neben der Büste finden sich im Museum auch Kupferstiche und Schwarz-weiß-Fotografien von wichtigen Kepler Schauplätzen, wie seinem Geburtshaus und dem Keplerdenkmal in Weil der Stadt.

Durch eine mit Metallornamenten verzierte Tür gelangt man in den angrenzenden Raum der oberen Ausstellungsebene, die dem Astronomen Kepler und anderen bedeutenden Naturwissenschaftlern gewidmet ist. Der Fokus der Exponate liegt sowohl auf der theoretischen Entwicklung der Astronomie als auch auf der praktischen Seite, die durch verschiedenste Messinstrumente und Modelle repräsentiert wird.

Nasa arbeitet mit Keplers Gesetzen

Matthias Freitag erklärt, dass Kepler in einer Zeit lebte, in der sich die Astronomie fundamental veränderte. Dazu trugen vor allem Kopernikus, Galileo und Kepler selbst bei. Kopernikus hielt ein heliozentrisches Weltbild, also die Vorstellung, dass die Sonne Mittelpunkt des Universums ist, für wahrscheinlicher als das im Mittelalter propagierte geozentrische Weltbild, welches die Erde als Mittelpunkt des Weltalls sah.

Gestützt auf Kopernikus’ Überlegungen formulierte Kepler die „Drei Keplerschen Gesetze“, die besagen, dass sich Planeten auf elliptischen Bahnen um die Sonne bewegen und sich Planeten in Sonnennähe schneller bewegen als fern der Sonne. Keplers wichtigstes Gesetz formuliert die tatsächliche Bewegung der Planeten um die Sonne. Matthias Freitag hebt die Relevanz dieser Gesetze hervor. Die Nasa arbeite auch heute noch damit, etwa wenn eine Sonde ins Weltall geschossen wird. Zur praktischen Veranschaulichung der Erkenntnisse findet sich eine digitale Tafel, auf der die Besucher alle drei Gesetze Keplers abrufen können. Freitag bemerkt, dass es im Regensburg des 19. Jahrhunderts erstmals eine Erinnerungskultur zu Kepler gegeben habe. Dies mache sich auch in Kuriositäten wie der von einem Bewunderer gefertigten Kepler-Uhr bemerkbar. Ein weiteres Ausstellungsstück, das nicht direkt von Kepler stammt, ist das Tellurium und Lunarium, welches vor 400 Jahren Schülern die Bewegungen von Erde und Mond im Zusammenhang mit der Sonne veranschaulichen sollte.

MZ-Spezial: Alle Teile unserer Museumsserie

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