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Lauter oids Glump im Nostalgiehaus

Michael Irlbeck hat sich in Viechtach ein reizvolles Privatmuseum aufgebaut – mit zahlreichen Raritäten und Alltagsdingen aus Omas Zeiten.
Von Thomas Dietz, MZ

  • Blick in die gute Stube vom Nostalgiehaus: Michael Irlbeck sammelt nichts Bestimmtes, er sammelt „nur gute Stücke“. Fotos: Gabi Schönberger
  • Stabiler Stand mit „Pedefix“
  • Wunderschön, ist aber ein Nachbau
  • Schöne Maid aus den 20er Jahren

Viechtach. Also hier ist man richtig, man merkt es sofort. Der knorrige Baumstamm und die Harley Davidson Heritage Softail Baujahr ’97 vor der Tür sind unübersehbar, und, wenn Michael Irlbeck (59) seine Kult-Lady startet, auch nicht zu überhören. In diesem Nostalgiehaus in Viechtach steckt eine ganz eigene Welt. Die Besucher (es sind einige tausend im Jahr) pflegen staunend und sogar stundenlang die Sammelobjekte zu studieren.

Wer einen Sinn für die Kostbarkeiten aus dem Alltagsleben unserer Großeltern und der Epoche davor besitzt, ist unter den vielen Stücken gut aufgehoben. Man verliert sich gedankenvoll zwischen Jugendstilgläsern, Porzellanfigürchen, Gründerzeitmöbeln, Emaillewerbung, einer Druckerei, einem imposanten Garten mit eigenwilligem Schnitzwerk, Puppenstuben, einer Eisenbahn aus den 30er Jahren, „Omas Küche anno dazumal“ – und, besonders reizvoll: historischem Spielzeug, z. B. Blechautos.

„Das hatten wir auch“

Dazu kommt, dass Michael Irlbeck als talentierter Entertainer bei seinen Führungen immer eine One-Man-Show von hohem Unterhaltungswert abgibt: er sei halt ein „verrückter Hund“, sagt er, „Drucker, Sammler, Harleyfahrer, Holzschnitzer, Handwerker und Einzelkämpfer.“

„Alte Häuser, junges Weib/ sind der beste Zeitvertreib“ hängt vorn im Flur an der Wand – und das ist so eine Art Credo. Schon als Michael Irlbeck, ein kräftiges Mannsbild!, im Ort noch als Drucker arbeitete, baute er das halb verfallene einstige Hochhuberhaus mit seinen bis zu 1,45 Meter dicken Mauern in der Freizeit wieder auf und eröffnete 1973 darin einen kleinen Antiquitätenladen und 2001 das „Nostalgiehaus“. Schon immer hatte er ein Faible für alte Sachen, die er, auch als Bub, immer gut behandelt hat: „Wir besaßen nicht viel Geld und gingen sorgsam mit dem Spielzeug um.“

Auch vom Zirkus war Michael Irlbeck früh fasziniert: „Wenn ein kleiner Zirkus in die Gegend kam, sind wir immer obi ganga“, sagt er. Zuhause hat er mit Papier, Rouladennadeln und Bleistiften ein Zirkuszelt nachgebaut – und später – für viel Geld – seine Modellautoserie „Chipperfield’s Circus Menagerie“ von Corgy Toys mit allen seltenen Accessoires vervollständigt.

„Das hatten wir auch“, pflegen viele Besucher zu sagen, wenn sie das Nostalgiehaus betreten. „Mei, i hob’s jetzet“, erwidert der Hausherr dann gerne. „Und können Sie davon leben?“, ist die gern gestellte Nachfrage.

Ein Ehepaar bemerkte: „Ach, wir hatten auch noch so ein Blech-Motorrad mit Beiwagen und MG.“ „Jessas!“, rief Irlbeck, „was haben Sie damit gemacht?“ „Dem Enkel gegeben.“ „Und??“ „Der hat’s kaputtgemacht, wir haben’s dann weggeschmissen.“ „Ich fang das Zittern an. Dafür hätten Sie mehr als 5000 Euro erzielt.“

Eine Dame sagte, als ihr Mann gerade im anderen Raum war: „Wir hatten auch so einen schwarzen Teddy vom Großvater, der hatte so ein komisches Ding im Ohr. Den haben wir weggeworfen. Obwohl er noch gut war. Aber wir haben ja keine Kinder.“

Immer eine lustige Story auf Lager

Zur Erinnerung an diesen Schock hat der Nostalgie-Hausherr die Seite aus einem Auktionskatalog herausgerissen und als Warnung an die Wand gepint. Mindestgebot für einen schwarzen Steiff-Teddy von 1926: 7500 Euro. „Also, das verstehe ich einfach nicht“, meint Michael Irlbeck, „da machen die hier Urlaub, eine Woche Vollpension für 199 Euro, und Zuhause vernichten sie alles. Statt vorher mal zu fragen, ob das womöglich was wert ist.“

Zum Beispiel die Siku-Autos (mit Scheinwerfern als Kristallaugen), Lego-Autos von 1960 (an den Silberrädern zu erkennen) oder Märklin-Wagen (die gab’s auch mal). Michael Irlbeck hat sein Paradies mitten im Ortskern, er pflegt sein „oids Glump“ mit Liebe, Fleiß und viel Arbeit. „Ich trinke Kathreiner, DU auch?“, steht an der Wand. Oder: „Prügelbräu Augsburg“.

Auch einen „Schratzlkeller“ in sechs Meter Tiefe gibt es in diesem Privatmuseum – zum Hineinschauen und Gruseln. Rundfunk und Fernsehen kommen regelmäßig vorbei, denn Herr Irlbeck kauft immer neue Schätze – und er hat auch immer eine lustige Story auf Lager.

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