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Museumsserie

Schaurig ist es im Hexenmuseum

In Ringelai erhält man tiefe Einblicke ins finstere Mittelalter. Folterwerkzeuge und Scheiterhaufen lassen tief in menschlichen Abgründe blicken.
Von Aniko Ligeti, MZ

  • Ein Galgen, wie er auch bei den mittelalterlichen Hexenprozessen im Bayerischen Wald benutzt wurde. Für die Ausstellung wurde er originalgetreu nachgebaut. Fotos: Ligeti
  • Verhüllt kamen die Hexen auf den Scheiterhaufen
  • Eine Brustzange, mit der die Frauen gefoltert wurden.
  • Josef Gross hat viele Dokumente zum Thema zusammengetragen.

Ringelai.Hand auf’s Herz: Was vermuten Sie hinter dem Begriff: Erlebnishotel? Sport und Wellness-Möglichkeiten? Wohlfühlambiente und tolle Angebote, um zu relaxen? Das bietet das Hotel Josef Gross in Ringelai auch. Neben Kegelbahn, Swimmingpool und Theaterstadl sowie einer Beauty- und Wellness-Lounge beherbergt das Familien- und Wanderhotel in dritter Generation aber einen weiteren, und zwar kulturellen, Schatz: Das Hexenmuseum.

Weit gefehlt, jetzt an Bibi Blocksberg oder die Hexen von Eastwick zu denken. Hier im Nationalpark des Bayerischen Waldes nahe der Tschechischen Grenze geht es ernst zu. Ein Kapitel der dunklen Geschichte unsere Heimat wird schonungslos aufgeschlagen. Die Wandmalereien weisen den Weg.

Die Geschichte von Afra und Maria

Begibt man sich in den ersten Stock des Hotels, in dem sich das Museum befindet, läuft man bereits an den ersten Bildern vorbei, die auf das Jahr 1703 einstimmen. Man sieht Verfolgungsszenen und Motive, beispielsweise wie gerade ein Scheiterhaufen lichterloh brennt und eine schreiende Frau, gefesselt auf einer Leiter, ins Feuer gekippt wird. „Das war damals Realität“, erklärt Josef Gross, Hotelier und Museumsgründer. Gross ist sehr heimatverbunden, er hat akribisch recherchiert und mit viel Engagement die Szenerien nachgestellt. Dabei darf ein echter Scheiterhaufen oder der Wipp-Galgen nicht fehlen. Folterinstrumente ließen die Beschuldigten alles gestehen.

Noch beklemmender ums Herz, wird einem, wenn man den Blick auf die Folterinstrumente wie „Brustzange“ und „spanischer Stiefel“ wirft. Eine Eisenschnalle, die um Wade und Schienbein des Angeklagten befestigt und immer enger und enger zugedreht wurde. „Manchmal haben nur die Androhungen dieser Folterinstrumente gereicht und die Opfer haben alles gestanden“, weiß Gross. So auch im Fall von Afra Dick und Maria Kölbl. Beide Frauen wurden beschuldigt, mit dem Teufel im Pakt zu stehen und wurden als letzte Hexen in der Gemeinde hingerichtet. „Es reichte, wenn eine Frau im Halbdunkeln Blumen am Grab ihres Kindes pflanzte. Da konnte sie schon der Hexerei beschuldigt werden. Aber auch wenn sie ein Wissen über Heilkräuter hatte, galt sie als Hexe“, erklärt Gross weiter. Dinge, die aus heutiger Sicht völlig unverständlich sind. Und genau auf so etwas möchte Gross hinweisen.

Zitate aus dem Verhörprotokoll

Historisch, beziehungsweise zeitlich gesehen, ist die Hexenverfolgung nur einen Wimpernschlag her. Daher greift Gross die Erlebnisse auf, die im eigenen Dorf passierten, auch um auf die menschlichen Tragödien hinzuweisen. Es sei eben eine örtliche Geschichte, die aufgearbeitet werden müsse. Und so beschreibt Gross in einem Video, das im Museum in einer Endlosschleife läuft, die Historie der Hexenverfolgung im Bayerischen Wald und auch die Geschichte der beiden Frauen Afra und Maria, die 1703 in Anger zu Fürsteneck, nahe der Ortschaft Ringelai, verbrannt wurden.

Mithilfe von Schautafeln, die an den Wänden hängen, kann man in alter Schrift die Verhörmethoden und Originalprotokolle lesen. Zusätzlich hängen diese in zeitgemäßer Übersetzung da, um den Inhalt besser verstehen zu können. Darin gesteht Afra, wohl unter Todesangst, wie sie mit dem Teufel auf einer Mistgabel durch die Ställe flog, Milch stahl und auch Feuer legte. Weitere Texttafeln erklären die Heilkräuter sowie Salben und andere beschreiben den „Hexenhammer“. Quasi ein Verfahrensbuch, wie ein Hexenprozess geführt werden sollte. Er diente zugleich als Grundlage für alle weiteren Hexenprozesse.

Dieses frauenfeindliche Werk wurde 1487 von den Dominikanermönchen Jacob Sprenger und Heinrich Krämer verfasst und galt als Handbuch der Hexenjäger. Unter den Texttafeln liegen auf großen Holzscheiten die verschiedenen Folterinstrumente zur Veranschaulichung.

Ausstellung mit Nachhaltigkeit

Das Kopfkino beginnt schnell zu arbeiten. Blickt man noch auf den Galgen und auf den Scheiterhaufen – die beide Stücke wurden originalgetreu für die Ausstellung nachgebaut – bekommt man schon eine vage Ahnung, wie düster diese Epoche für die Menschen im Mittelalter gewesen sein muss. „Man muss die Zeit in der Zeit sehen, damit man das überhaupt alles nachvollziehen kann. Damit man verstehen kann, welche geringfügigen Gründe zu Justizirrtümern und zum Tode führen konnten“, sagt Ausstellungsmacher Gross.

Die Ausstellung, die im Übrigen für jedermann zugänglich und kostenlos ist, soll zu einer Diskussion über Frauendiskriminierung in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart anregen. Seit 1500 n. Chr. sind schätzungsweise neun Millionen Menschen durch die Hexenverfolgung ums Leben gekommen. 1775 fand in Deutschland die letzte Hinrichtung statt. „Wir dürfen nicht vergessen, es handelt sich dabei immer um menschliche Schicksale“, so Gross.

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