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Wo der Kuckuck noch stündlich ruft

Im Uhrenmuseum am Steinbruchsee in Furth im Wald ist die Zeit stehen geblieben. Für Besucher zieht Alfons Deglmann seine Stücke aber gerne auf.
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

  • Alfons Deglmann justiert die wuchtige Kuckucksuhr mit Jagdmotiven, die er an der Außenfassade seines Uhrenmuseums angebracht hat. Fotos: Gabi Schönberger
  • Diese Uhr aus dem Schloss Arnschwang wurde Deglmann vererbt.
  • Die Sockeluhr Mistreuse stand einst in einem Schaufenster.
  • Das einstige Turmuhrwerk der Schule in Sengenbühl

Furth im Wald. Kuckuck, Kuckuck: Alfons Deglmann steigt auf die Leiter und justiert die wuchtige Holzuhr, die er an der Hausfassade montiert hat. Das Stück stammt unverkennbar aus dem Schwarzwald und ist dem Jägerglück gewidmet. Tote Hasen und ein kapitaler Hirsch sind ins Holz geschnitzt, Eichenlaub umrankt das Uhrgehäuse. Deglmann will nicht darüber urteilen, ob das Stück schön ist. Ihm geht es in seinem Uhrenmuseum am Steinbruchsee in Furth im Wald (Lkr. Cham) darum, die Geschichte der Zeitmessung von ihren Anfängen an zu erzählen. Und dazu gehören eben auch die Kuckuck-Rufe, die früher in vielen Wohnstuben zur vollen Stunde zu hören waren.

Von der Sonnenuhr zur Atomuhr

Die Geschichte der Zeitmessgeräte lässt sich bis zu den Sumerern und Ägyptern zurückverfolgen, die um 3000 v. Chr. Sonnenuhren auf Basis einfacher Schattenstäbe (sogenannter Jakobsstab) kannten. Deglmann hat einige Nachbildungen davon in seinen Schaukästen liegen, ebenso wie Luntenuhren und Kerzenuhren, mit denen die Menschen in früheren Zeiten versuchten, ihre Tage zeitlich zu strukturieren. Mechanische Uhren mit einer Spindelhemmung entstanden in Europa um 1300 und wurden das Standard-Zeitmessgerät, bis im 16. Jahrhundert federgetriebene und Taschenuhren folgten, sowie um 1650 die Pendeluhr. Im 20. Jahrhundert wurden dann Quarzuhren und Atomuhren eingeführt.

Tick, tick, tick. Alfons Deglmann zeigt auf die Reihen von Regulatoren, die in den Vitrinen hängen. Dunkel und schwer, mit wuchtigen Aufsätzen, manche auch nachträglich mit einem weißen Anstrich versehen, spiegeln sie den Geschmack der Menschen im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert wieder. Die erste Pendeluhr gibt es in einem Nachbau zu sehen. „Eine bahnbrechende Erfindung“ hatte der Begründer der Sammlung, der Uhrenwirt Babl aus Rhanwalting, dazu notiert. Die meisten der schweren Regulatoren stammen aus dem Bayerischen Wald, und jede Uhr ist mit einem anderen Werk ausgestattet, erklärt Deglmann, der das Uhrenmuseum vor einigen Jahren erworben hat.

Rund 700 Exponate zählt die Sammlung. Darunter auch die wuchtigen Turmuhrwerke, die von verschiedenen Kirchen der Region stammen. Das älteste Exemplar, mit Kronrad und Spindel als Ankerwerk, ist auf das Jahr 1651 datiert und stammt aus der Filialkirche Maria Himmelfahrt in Pirk bei Weiden. Einen besonderen Bezug hat Deglmann, der am Steinbruchsee neben dem Uhrenmuseum ein Hotel samt Wildgehege und Fischzucht betreibt, zu einem Turmuhrwerk, das aus der Volksschule in Sengenbühl stammt. „Das musste ich selbst noch aufziehen als Schüler“, erzählt er.

Nur noch Raritäten sind gesucht

Still, still, still, weil’s Kindlein schlafen will: Der Museumsbesitzer zieht das Uhrwerk eines geschnitzten Altars auf. Die Melodie erklingt. Früher, sagt Deglmann, hatte man auf abgelegenen Bauernhöfen kleine Holzaltäre mit Uhrwerk. Davor wurden dann die sonntäglichen Gottesdienste im Familienkreis gefeiert. Auch andere Kuriositäten finden sich in der Sammlung: Brieftaubenuhren etwa oder Teeuhren, die dem Besitzer mit einer Klingel signalisierten, dass der Tee lange genug gezogen hatte. Ein Vorläufer der heutigen Küchenuhren.

Dass auch Uhren Modeerscheinungen unterliegen, zeigt sich beim Gang durch die Sammlung an vielen Stellen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Pendeluhren in den Wohnzimmern schnörkellos und schlicht. In den 50er Jahren schmückten Buffet-uhren die Vitrinen. In den 80er Jahren wurde es dann peppig bunt. Riesige Swatch-Uhren, den Armbanduhren nachempfunden, hingen an den Wänden der Jugendzimmer. Deglmann hat sie in einem kleinen Durchgang versteckt. Nein, heute würde man sich so ein Ungetüm wohl nicht mehr an die Wand hängen!

Ding, dong, deng: Die hölzerne Standuhren schlägt drei. Wunderschön vielstimmig ist ihr Klang. Dafür sorgen die Tonstäbe, die zur vollen Stunde angeschlagen werden. Ein besonderes Stück, das wohl auch heute seine Liebhaber finden würde. Grundsätzlich aber, so sagt Alfons Deglmann, haben alte Uhren deutlich an Wert verloren. „In Zeiten von Ebay werden Regulatoren oder Taschenuhren nur noch verramscht.“ Der Wert vieler Uhren sei erheblich gesunken. „Nur noch die echten Raritäten erzielen ihren Preis.“

Den zahlen die Uhrensammler für besondere Stücke gerne. Vor allem dann, wenn das Innenleben ausgefallen ist. „Einen echten Uhrensammler interessiert das äußere Drumherum an der Uhr nicht. Für ihn ist die Technik das Spannende.“ So wie etwa bei den Kalender-Regulatoren, die nur selten auf dem Markt angeboten werden. Oder die Sockeluhr Mistreuse, die ihren klangvollen Namen in einem Schaufenster bekommen hat. Dort stand die langbeinige Schönheit aus Holz und hielt in ihrer Hand die Pendeluhr. Die Leute fanden das „misteries“ und hingen sich deshalb lieber den Kuckuck ins Wohnzimmer.

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