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Politischer Schlagabtausch

Nach drei Maß Bier ein müder Krieger

Das Nordlicht Wolfgang Kubicki lernte zwei Gesichter des Gillamoos kennen. Seinen Auftritt wollten nicht einmal 150 FDP-Anhänger sehen.
Von Wolfgang Ziegler, MZ

Wolfgang Kubicki konnte am Montag nur 150 FDP-Anhänger ins Stadlzelt locken. Foto: Schönberger

Abensberg. Am Sonntagabend, kurz nach seiner Ankunft in Abensberg, hatte Wolfgang Kubicki, der Querkopf der Freidemokraten, erfahren, was es in Bayern heißt, Feste zu feiern. „4000 Menschen in einem Zelt, tolle Stimmung, gemütliche Atmosphäre“, schilderte er unserer Zeitung seine Eindrücke. Am Montagvormittag, beim Politischen Gillamoos-Montag, wurde der FDP-Fraktionsvorsitzende im Kieler Landtag auf den bayerischen Boden der liberalen Tatsachen zurückgeholt. Gerade einmal rund 150 Getreue im Stadlzelt wollten hören, was er zu sagen hatte – während Hubert Aiwanger nebenan den Weißbierstadl vollgemacht und Kanzlerin Angela Merkel geschätzte 4000 Besucher auf die Beine gebracht hatte.

Kubicki ließ sich davon zwar nicht beirren, nach 30 Minuten war die Schose dennoch schon wieder zu Ende. Möglicherweise war er nach seinen drei Maß Bier vom Vorabend – „mit dem bayerischen Leicht-Bier geht das schon“ – noch etwas müde. Wohl deshalb ließ er auch die im MZ-Gespräch angekündigten „deftigen Worte“ nur spärlich fallen und predigte stattdessen altbekannte liberale Thesen, die auch besser mit seinem dunklen Anzug und seinen schwarzen Lloyds harmonierten: Ende der staatlichen Schuldenmacherei, Gültigkeit der Insolvenzordnung auch für Banken, Netzausbau für die Energiewende – und überhaupt mehr Markt und weniger Staat.

Die Liberalen halten Kurs

Für Heiterkeit sorgte Kubicki, als er via Rauchverbot zum Schlag gegen die Grünen ausholte. Die Menschen wüssten schon, in welches Lokal sie gingen, da müsse man sie nicht durch Verbote bevormunden, sagte er. Er selbst möchte in seiner Stammkneipe auch keinen Grünen sehen – und dennoch käme er nie auf die Idee, ein Grünen-Verbot in Gastwirtschaften zu fordern. Überhaupt die Grünen: Deren Urwahl sollte nach Kubickis Willen am besten Renate Künast auf den Sessel der Spitzenkandidatin hieven – „weil der das Lebensglück ja schon ins Gesicht geschrieben steht. Die und Jürgen Trittin gemeinsam auf einem Plakat mit dem Text ,Bitte wählt uns!‘, das hätte was“, sagte er.

Die Liberalen indes hielten Kurs. „Vor zwei Jahren waren wir bei 15 Prozent, jetzt sind wir bei 5 Prozent und wir halten Kurs“, meinte er selbstironisch. Als ernsthaftes Ziel für seine Partei gab er das schleswig-holsteinische Landtagswahl-Ergebnis aus, wo die FDP im Mai dieses Jahres 8,2 Prozent geholt hatte. Allerdings könne dies nur ein Zwischenziel sein, „wir haben mehr verdient“.

Dies wollte der bayerische FDP-Wirtschaftsminister Martin Zeil sogleich unterschreiben, der sich zuvor ebenfalls auf die Grünen eingeschossen hatte. Wer deren Papiere und Anträge lese, werde feststellen, dass nicht Umweltschutz das am meisten verwendete Wort sei, sondern „müssen“. Ob Betriebe oder Menschen, alle müssten nach dem Willen der Grünen produzieren oder leben, überall triefe es vor grüner Umerziehungsideologie. „Die Grünen werden erst dann Ruhe geben, wenn auch auf der Maß Bier und dem Schweinsbraten auf dem Gillamoos eine Ernährungsampel aufgedruckt ist. Das werden wir ihnen versalzen“, sagte Zeil.

Udes prominentes Vorbild

Sein Fett bekam auch SPD-Spitzenkandidat Christian Ude ab, der „zwischen jetzt und seinem Austrag bei griechischem Wein auf Mykonos noch einmal Bayern außerhalb von München kennenlernen will“. Er, Ude, habe nach Zeils Worten aber schließlich auch ein prominentes Vorbild – Kolumbus, den ersten Sozialisten. „Auch Kolumbus fuhr los und wusste nicht, wohin. Als er zurückkam, wusste er nicht, wo er gewesen war. Und das alles mit fremder Leute Geld.“ Das reiche nicht für das Amt des Ministerpräsidenten, sagte Zeil.

Seine Partei und speziell seine persönliche Wirtschaftspolitik lobte der stellvertretende bayerische Ministerpräsident über den grünen Klee: niedrigste Arbeitslosenquote seit Menschengedenken erreicht, mit dem verstaubten Familienbild der CSU aufgeräumt, 77.000 Arbeitsplätze durch den Mittelstandsschirm gerettet – und, und und. Natürlich kam Zeil zu dem Schluss. „Die FDP ist in Bayern unverzichtbar!“

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