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Aus Gotteshaus wurde ein Theater

Das Amberger Kloster des heiligen Johannes von Kapistran ist heute ein Ort der Kultur.
Von Martin Weindl, MZ

Amberg.Als ich vor ein paar Wochen vor dem Wiener Stephansdom stand und die barocke Kapistran-Kanzel bewunderte, wusste ich noch nicht, dass dieser international wirkende Franziskanerprediger auch in der Oberpfalz seine Spuren hinterlassen hat.

Der Heiliger wurde 1386 im italienischen Capestrano in den Abruzzen geboren. Er studierte Rechtswissenschaften in Perugia und wurde Richter. In einer kriegerischen Fehde gefangen genommen, erlebte er 1416 eine innere Umkehr. Unter dem Eindruck einer Vision des Franz von Assisi löste er seine Ehe und bat um das franziskanische Ordenskleid, nachdem er sich freigekauft und den Rest des Geldes an die Armen verteilt hatte.

Seit 1425 trat er als Bußprediger auf. Mehrere Päpste wurden dabei auf ihn aufmerksam und betrauten ihn mit kirchenpolitischen Aufgaben. Innerhalb seines Ordens wirkte er als Reformer. Seine folgenreichsten Aufgaben waren zweischneidig: In der Hussitenmission in Böhmen soll er 16 000 Hussiten zur katholischen Kirche zurückgezwungen haben. Gegen Juden ging er in seinen Predigten und handgreiflich vor. Als Kreuzzugspredigers förderte er den Türkenfeldzug von 1456. Die Eroberung Belgrads war weitgehend sein Werk. Daher wurde Johannes von Kapistran nach seinem Tod 1456 auch 1690 als größter Massenprediger des Spätmittelalters heiliggesprochen.

In der Oberpfalz gründete Johannes von Kapistran zwei Franziskanerklöster: 1453 das auf dem Möninger Berg bei Freystadt im Landkreis Neumarkt und 1452 das Franziskanerkloster Amberg. Papst Nikolaus V. hatte ihm zuvor die Erlaubnis erteilt, zwanzig Franziskanerklöster in Deutschland zu errichten. Auf seiner Predigtreise durch Europa kam er über Wien und Eger 1452 auch in die damalige Hauptstadt der Oberpfalz. Erst 1478 konnte die einfache Kirche geweiht werden, aber schon 1555/56 wurden die Mönche im Zuge der Einführung des Protestantismus in Amberg vertrieben. Erst nach der Rekatholisierung im Zuge des Dreißigjährigen Kriegs konnten die Franziskaner 1626 wieder in ihr Kloster einziehen. Wichtig für Amberg war ihre Betreuung der Wallfahrt auf den Mariahilfberg ab 1634. Mit der Säkularisation war das Ende des Konvents besiegelt. Das Gotteshaus wurde umgebaut zum Theater. Am 12. Oktober 1803 fand dann die erste Aufführung statt.

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