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Bären an allen Ecken und Hauswänden

Der heilige Korbinian und Meister Petz prägen das Stadtbild von Freising und das Papstwappen.
VON MARTIN WEINDL, MZ

Freising. Waren Sie schon in Freising? So viele Bären haben Sie bestimmt noch nicht gesehen! Nicht nur im Stadt- und Bischofswappen, auf Schildern, Hauszeichen und Denkmälern – nein, lebensgroß und dreidimensional stehen die Bären an allen Ecken, vor Geschäften und Behörden. Der Bär vor der Arztpraxis hat einen Kittel und ein Stethoskop aufgemalt bekommen. Der vor dem Baumarkt präsentiert sich im Blaumann. Und der vor der Feuerwehrzentrale muss gar einen Spritzenwagen hinter sich herziehen.

Seit 2005 sind noch mehr Bären hinzugekommen, denn auch Freising ist seit der Wahl Benedikts XVI. Papststadt und verweist mit Stolz auf das Papstwappen, das zwei Symbole der alten Bischofsstadt in sich birgt: den Freisinger Mohren für das ehemalige Bistum Joseph Ratzingers und den Bären für den Bistumsheiligen Korbinian. Papst Benedikt selbst hat bei seinem Bayernbesuch 2006 die Wahl des Bären erklärt: „Ich wurde Nachfolger des heiligen Korbinian. An seiner Legende hat mich seit meiner Kindheit die Geschichte fasziniert, wonach ein Bär das Reittier des Heiligen zerfleischt habe, als dieser auf der Reise nach Rom war. Als Strafe – so erzählt die Legende – lud ihm Korbinian das Bündel auf den Rücken, das bis dahin das Pferd getragen hatte. So musste der Bär es über die Alpen bis nach Rom schleppen. … Der Bär des heiligen Korbinian wurde in Rom wieder freigelassen. In meinem Fall hat der Herr anders entschieden.“

Korbinian wurde um 675 bei Arpajon südlich von Paris geboren. Schon in seiner Jugend tief religiös, zog er sich später als Asket ins nahe Saint Germain de Châtres zurück. Dort wurde er aber nicht lange in Ruhe gelassen. Einfache Menschen und hohe Herren erbaten immer wieder seinen Rat. Nach langjährigem Klausnerleben zog Korbinian um 710 nach Rom und wurde dort zum Priester und Missionsbischof geweiht. Er übernahm das Amt nur schweren Herzens und kehrte kurz darauf in seine gallische Heimat zurück. Um 714 führte er seine zweite Pilgerreise nach Rom durch Bayern, wo ihn der Herzog im Freisinger Landesteil gerne als Bischof behalten hätte. Nach seiner Rückkehr aus Rom ließ sich Korbinian um 720 in Freising nieder. Er begann eine wirkungsvolle Missionsarbeit und gründete eine Kirche, die er dem heiligen Stephan weihte – der Beginn der berühmten Abtei und heutigen grünen Universität Weihenstephan. Der Ruf Korbinians und das Verhältnis zu Bayerns Herzog Grimoald waren gut, bis er diesem seine unrechtmäßige Ehe mit seiner Schwägerin Pilitrud vorwarf. Vor den Racheplänen der Herzogin floh er ins Kloster Kuens bei Meran (Südtirol). Nach dem Tod Grimoalds holte ihn dessen Nachfolger Hugbert nach Freising zurück. Kurze Zeit später, vermutlich um 728, starb Korbinian.

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