MyMz

Der Aufseher mit dem Humanistennamen

Herr Schafferus war der Herr über das Dienstpersonal in Klöstern, Kirchen und Herrenhäusern

Beim Familiennamen „Schafferus“ handelt es sich um einen sogenannten Humanistennamen, der durch das Anfügen der lateinischen Endung „-us“ an die mittelhochdeutsche Amtsbezeichnung bzw. den daraus hervorgegangenen mittelhochdeutschen Beinamen „schaffære“ mit der Bedeutung „Anordner, Aufseher, Verwalter“ in der Humanistenzeit (vor allem 15./16. Jahrhundert) entstanden ist.

Es ist folglich davon auszugehen, dass der erste Träger des Bei- bzw. Familiennamens „Schafferus“ oder zumindest einer seiner Vorfahren das Amt eines Schaffers, d. h. eines Aufsehers, Verwalters bekleidet hat. Ihm war das Dienstpersonal in Klöstern, Kirchen und Herrenhäusern unterstellt. Durch die Hochschätzung der klassischen Sprachen im Humanismus kam von Italien her im 15. Jahrhundert in gebildeten Kreisen die Mode auf, seinen Namen zu gräzisieren oder zu latinisieren.

Dies geschah vor allem durch die Übersetzung der deutschen Namensform (vergleiche beispielsweise auch „Fischer“ zu „Piscator(ius)“, „Schneider“ zu „Sartor(ius)“ oder „Bauer“ zu „Agricola“) oder – wie im Falle von „Schafferus“ – durch lautliche Umformung und Anfügen lateinischer Endungen (vergleiche zum Beispiel auch die Familiennamen „Krämer“ zu „Cremerius“, „Kruse“ zu „Crusius“ etc.). Viele dieser Humanistennamen konnten sich zwar im Alltag nicht durchsetzen, doch blieb eine ganze Reihe davon bis heute erhalten.Von Namenforscher Stefan Hackel

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht