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Der „Staudigl“ und sein Igel

Was der Familienname mit dem stacheligen Gartenbewohner zu tun hat

Der Familienname „Staudigl“, der heutzutage am häufigsten in den Landkreisen Neumarkt in der Oberpfalz und Regensburg vorkommt, ist auf das mittelhochdeutsche Wort stûdigel mit der Bedeutung ‚Staudenigel‘ zurückzuführen (Mittelhochdeutsch = historische Sprachperiode des Deutschen von zirka 1050 bis etwa 1350). Somit handelt es sich beim Familiennamen „Staudigl“ um einen Übernamen für einen Menschen, dem man typische Eigenschaften eines Staudenigels zuschrieb.

Dieser Übername war vorwiegend in Süddeutschland verbreitet, wofür die heutige Verbreitung dieses Familiennamens ein Zeugnis liefert. Übernamen sind häufig Spitz- oder Spottnamen, mit denen man seine Mitmenschen nach besonderen, speziell für diese Person typischen Eigenschaften (zum Beispiel körperlichen, charakterlichen oder auch beruflichen Merkmalen) benennt. Solche Namen wurden zunächst als Beinamen verwendet und konnten im Lauf der Zeit zu fest vererbbaren Familiennamen werden.

Beispielsweise könnte derjenige, der zuerst den Übernamen „Staudigl“ erhielt, durch ein igelähnliches Aussehen, etwa einen stacheligen Kurzhaarschnitt, aufgefallen sein oder aber auch durch eine besonders unnahbare („einigelnde“) Verhaltensweise.

Denkbar wäre auch, dass damit eine unbehauste Person bezeichnet wurde, die als obdachloser Nomade wie ein Staudenigel in einem Busch oder Strauch („Staude“) in der freien Natur lebte. Der frühneuhochdeutsche Ausdruck „bruder staudigel“ erscheint im 15. Jahrhundert vereinzelt als scherzhafte Bezeichnung oder Spottname für einen Mönch (Frühneuhochdeutsch = historische Sprachperiode des Deutschen von etwa 1350 bis zirka 1650).

Viele Übernamen spiegeln ästhetische oder moralische Normvorstellungen der Namen gebenden Gemeinschaft wider, indem sie Menschen kennzeichnen, die diesen Normvorstellungen nicht in der gebotenen Weise entsprechen. So reflektieren solche Namen eine Art soziale Kontrolle und enthalten deshalb oft auch negative Bewertungen. Ein früher Beleg des Beinamens „Staudigel“ stammt aus dem Jahr 1243, als bei Bamberg ein „Bürger Stûdigel“ erwähnt wird. In Nürnberg waren „die Staudigel“ ein ehrbares und gerichtsfähiges Geschlecht, das seit Beginn des 13. Jahrhunderts urkundlich bezeugt ist.

Von Namenforscher Stefan Hackl

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