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Ein beheizbares Zimmer als Namensgeber

Der Ortsname von „Kemnath“ im Landkreis Tirschenreuth geht auf die „kemenâte“ zurück

Der Siedlungsname „Kemnath“ (Landkreis Tirschenreuth) ist unter anderem um 1285 als „Kemenaten“, 1329 als „Chemnaten“, 1354 (Kopie von 1420) als „Kemnat“ und 1472 als „Kemnath“ historisch bezeugt. Dem Ortsnamen „Kemnath“ liegt das mittelhochdeutsche Wort „kemenâte“ mit den Bedeutungen ‚ein mit einer Feuerstätte (Kamin) versehenes Gemach (besonders Schlafgemach), beheizbares Zimmer; für sich stehendes Gebäude, Wohnhaus’ zugrunde. Der Ort ist also nach einem Gebäude mit einem oder mehreren heizbaren Räumen benannt worden. Aufgrund der für das Mittelhochdeutsche charakteristischen Abschwächung der unbetonten Nebensilbenvokale wurde bereits in mittelhochdeutscher Zeit (ca. 1050 bis. ca. 1350) der Mittelsilbenvokal „-e-“ ausgestoßen, sodass aus „Kemenaten“ schließlich „Kemnat“ und später „Kemnath“ mit der frühneuhochdeutschen Schreibvariante „-th“ für „-t“ entstehen konnte.

Die ältesten Belegformen weisen eine mittelhochdeutsche Dativsingular- oder Dativpluralendung „-en“ auf, die einen Örtlichkeitsbezug im Sinne von ‚bei …’ ausdrückt, später aber wieder weggelassen wird, sodass man die ursprüngliche Bedeutung des Ortsnamens „Kemnath“ mit ‚(Siedlung) bei einem oder mehreren Gebäuden mit einem oder mehreren beheizbaren Zimmern’ umschreiben kann.Von Namenforscher Stefan Hackl

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