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Ihm zu Ehren satteln sie die Pferde

Dem heiligen Leonhard ist im niederbayerischen Aigen am Inn ein ganzes Museum gewidmet – in der Oberpfalz gibt es bekannte Wallfahrten.
VON MARTIN WEINDL, MZ

Auch in Furth im Wald (Lkr. Cham) gibt es einen Leonhardiritt. Er findet seit mehr als 200 Jahren am Ostermontag statt. Dabei sind rund 250 Reiter sowie ein knappes Dutzend Wagen mit von der Partie. Foto: F. Wutz

REGENSBURG. In diesen Tagen machen sich wieder viele Bayern hoch zu Ross oder nur auf Schusters Rappen auf den Weg, um einen Heiligen aus uralter Zeit zu besuchen. Er war nie in Bayern und hätte unserer barocken Lebensfreude wohl eher kritisch gegenübergestanden, der heilige Leonhard aus Frankreich. Die Legende berichtet über ihn, dass er, um 500 adelig geboren, durch Erzbischof Remigius von Reims getauft und unterrichtet wurde.

Als Erwachsener verweigerte er die Bischofswürde und zog sich in die Waldeinsamkeit bei Limoges zurück. Er predigte und heilte Kranke, regelmäßig besuchte er Gefangene und erreichte für viele die Freilassung. Leonhard gründete in seinem Wald ein Kloster – heute St-Léonard-de-Noblat –, als dessen Abt er am 6. November 559 hochverehrt starb.

Die Kirche über seinem Grab hat einen der mächtigsten Glockentürme in Frankreich, sie war wichtige Pilgerstation auf der Wallfahrt zum spanischen Santiago de Compostela. Heute wird in dem nach ihm benannten Städtchen am Sonntag nach dem 6. November zu seinen Ehren ein großes Ritterfest gefeiert.

Leonhard wird seit 1100 auch in Bayern besonders verehrt. Früher gab es mehr als 150 Wallfahrten, heute sind es noch mehr als 50, die meist als Leonhardi-Ritte mit Tiersegnung stattfinden. Der urkundlich älteste Ritt fand 1442 in Kreuth am Tegernsee statt. Der bekannteste ist wohl der zur Leonhardikapelle auf den Kalvarienberg in Bad Tölz, der seit 1718 begangen wird und jährlich rund 25 000 Besucher anzieht. In der Oberpfalz gibt es seit mehr als 570 Jahren die Wallfahrtskirche St. Leonhard bei Seebarn (Stadt Neunburg vorm Wald), zu der einer der bekanntesten Leonhardi-Ritte der Oberpfalz führt und bei der es als traditionelles Gebäck „Leonhardi-Zeltln“ gibt.

Der heilige Leonhard gilt als Schutzpatron derer, „die in Ketten liegen“, also der Gefangenen, aber auch der Geisteskranken, die früher angekettet wurden. Erst im 16. Jahrhundert wurde er Schutzpatron der Haustiere, weil man sein Heiligenattribut als Viehkette deutete. Viele Leonhardi-Kirchen sind daher mit Ketten umspannt. Im 19. Jahrhundert erreichte die Verehrung in Bayern ihren Höhepunkt: Leonhard wurde zum „bayerischen Herrgott“ oder „Bauernherrgott“. Deshalb gehört er bei uns auch zu den 14 Nothelfern.

Die Leonhardiwallfahrt im niederbayerischen Aigen am Inn ist die älteste in Bayern. Sie geht auf eine im 13. Jahrhundert vom Inn angeschwemmte hölzerne Leonhardifigur zurück. Viele kleine eiserne Opfertiere wurden später als Votivgaben gespendet. Im dortigen Leonhardi-Museum werden auch Leonhardsklötze oder „Würdinger“ gezeigt, die von Burschen am Festtag des Heiligen „geschutzt“ (gehoben) wurden. Ursprünglich handelt es sich bei diesen Figuren um Votivgaben.

Die Würdinger, ein seit 820 bestehendes Adelsgeschlecht, sollen im 16.Jahrhundert die Figuren als Opfer nach Aigen gebracht haben – die größte wiegt fast drei Zentner und soll einen geharnischten Ritter verkörpern. Die Bußübung des Hebe-Ritus vermischt Aberglaube und Kraftprobe. Von Namenforscher Martin Weindl

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