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Rostfarbig statt Regen

Stadt Roding wurde nicht nach dem Fluss benannt.

Der Name „Roding“ der zweitgrößten Stadt im Landkreis Cham ist bereits 844 in einer in Roding ausgestellten Urkunde König Ludwigs des Deutschen als „Rotachin“ erstmals historisch erwähnt. Weitere historische Belegformen des Ortsnamens lauten u. a. 896 „Rotagin“, 1003 „Rótega“, 1114–1121 (Kopie von ca. 1140) „Rotegen“, 1196–1204 „Rotigen“, 1274 „Roting“ und 1484 „Roding“. Die historische Belegreihe weist auf eine elliptische Ausgangsform althochdeutschbairisch „(za demo) rotagin (+ Substantiv )“ hin, für die die Bedeutung ‚bei dem rostfarbenen Gelände, Feld, Boden o. ä.’ erschlossen werden kann.

Es handelt sich demzufolge um einen sogenannten unechten „-ing“-Namen, bei dem ursprünglich gar kein „-ing“ zugrunde liegt, sondern vielmehr eine Dativ-Singular-Form auf „-in“ („rotagin“) des erschlossenen Adjektivs althochdeutsch „rotag“ (vergleiche mittelhochdeutsch „rotec“ ‚rostig’), das sich von dem Substantiv althochdeutsch „rot“ mit der Bedeutung ‚Rost’ ableitet. Zu ergänzen ist bei dieser adjektivischen Grundform des Ortsnamens ein ausgefallenes Sub-stantiv, das sich aller Wahrscheinlichkeit auf eine natürliche Gegebenheit vor Ort (etwa auf ein bestimmtes Gelände, Feld oder auf die Bodenbeschaffenheit) bezogen haben dürfte, die durch die Eigenschaft ‚rostfarben’ näher charakterisiert wurde.

Dass die anzusetzende Adjektivform im Dativ-Singular erscheint, lässt einen ursprünglichen Örtlichkeitsbezug mit der Bedeutung ‚bei …’ erschließen, was letztlich zu einer ursprünglichen Bedeutung des Ortsnamens „Roding“ als ‚bei dem rostfarbenen Gelände, Feld, Boden o. ä.’ führt. Durch den mundartlichen Zusammenfall der Endungen „-egen /-igen“ und „-ing“ in dialektal „-en“ wurde seit dem 13. Jahrhundert bei Niederschriften über den Ort die etymologisch betrachtet falsche Verschriftung mit „-ing“ verwendet.

Mit dem Flussnamen „Regen“ kann der Ortsname „Roding“ definitiv nicht in Verbindung gebracht werden, auch wenn dies in der neueren ortsgeschichtlichen Literatur behauptet wird. Der Gewässername „Regen“ ist ganz anderer sprachlicher Herkunft und weist auch völlig andere historische Belegformen auf (zum Beispiel 882 „Regana“, 1003 „Régino“ usw.). Der Flussname „Regen“ ist zudem weitaus älter als der Ortsname „Roding“. Von Namensforscher Stefan Hacklvon Namensforscher Stefan Hackl

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