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„Seiner“ kam oft zu spät oder war von Beruf Fischer

Der im Schwäbischen häufiger anzutreffende Name ist auf einen Spott- oder Berufsnamen zurückzuführen

Regensburg. Für den Familiennamen „Seiner“, der in Bayern heutzutage in den Landkreisen Neu-Ulm und Lindau am Bodensee am häufigsten anzutreffen ist, gibt es zwei verschiedene Deutungsmöglichkeiten:

1. Es kann sich um einen oberdeutschen Übernamen zu mittelhochdeutsch „seinen“ mit den Bedeutungen „zögern, (ver)säumen, verspäten aufschieben“ handeln, mit dem ursprünglich eine Person bezeichnet wurde, die beispielsweise wenig termin- und pflichtbewusst war. Übernamen sind häufig Spitz- oder Spottnamen. Solche Namen wurden zunächst als Beinamen verwendet und konnten im Lauf der Zeit zu fest vererbbaren Familiennamen werden.

Viele Übernamen spiegeln ästhetische oder moralische Normvorstellungen der Namen gebenden Gemeinschaft wider, indem sie Menschen kennzeichnen, die diesen Normvorstellungen nicht in der gebotenen Weise entsprechen. So reflektieren solche Namen eine Art soziale Kontrolle und enthalten deshalb oft auch negative Bewertungen.

2. Der Familienname „Seiner“ kann aber auch auf einen Berufsnamen zu dem mittelniederdeutschen Wort „seiner“ mit der Bedeutung „der mit dem großen Schleppnetz (mittelniederdeutsch „segene“, „seine“) umgeht“, ursprünglich beispielsweise für einen Fischer oder einen Hersteller und/oder Händler von Schleppnetzen, zurückgeführt werden. Seit dem Mittelhochdeutschen ist das Bildungselement „-er“ (hervorgegangen aus mittelhochdeutsch „-ære“) besonderes Kennzeichen der sogenannten Nomina agentis, das heißt von Substantiven, die eine bestimmte Tätigkeit bezeichnen.Von Namenforscher Stefan Hackl

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