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Teunz ist nach einer kleinen Burg benannt

„Teunz“ heißt ein Pfarrdorf im Landkreis Schwandorf, dessen auf das Jahr 1265 zu datierender Erstbeleg die Herkunftsbezeichnung „Tinzer“ bzw. in einer Kopie von 1624 „Teinzar“ darstellt. Der Siedlungsname selbst ist u. a. 1326 und 1397 als „Teintz“, 1508 als „Teyntz“ und 1723/24 als „Teunz“ historisch bezeugt.

Der ursprüngliche Burgname ist slawischen Ursprungs. Als slawische Ausgangsform kann „Tynica“ rekonstruiert werden. Der erste Namensbestandteil „Tyn-“ kann auf das slawische Wort „tynb“ mit den Bedeutungen „Pfahlzaun, Umzäunung; Burg“ zurückgeführt werden. Mit dem slawischen Bildungselement „-ica“, das dem „-z“ in „Teunz“ zugrunde liegt, werden im Slawischen Verkleinerungsformen gebildet, sodass man die ursprüngliche Gesamtbedeutung des Ortsnamens „Teunz“ mit „kleine Burg“ umschreiben könnte.

Aus der slawischen Ausgangsform müsste bei der Eindeutschung des Ortsnamens in das Mittelhochdeutsche zunächst die Form „Tînize“ mit langem „î“ entstanden sein, aus dem sich dann (aufgrund der sogenannten (früh-)neuhochdeutschen Diphthongierung von „î“ zu „ei“ sowie der mittelhochdeutschen Abschwächung bis hin zur Ausstoßung unbetonter Mittelsilben- und Auslautvokale, wie hier das „-i“ vor dem „-z-“ und das auslautende „-e“) regelgemäß zum (Früh-) Neuhochdeutschen hin „Teinz“ entwickeln musste.

Die heutige amtliche Namensform „Teunz“ mit „-eu-“-Schreibung stellt eine hyperkorrekte Schreibung vor dem Hintergrund der sogenannten mundartlichen Entrundung von „eu“ zu „ai“ dar, das heißt: Ein Schreiber hat die mundartliche Ortsnamensform „Tainz“ zu Papier bringen müssen und dabei quasi überkorrekt und in falschem Glauben vermutet, dass das mundartliche „-ai-“ ein ursprüngliches „-eu-“ sei, weil in diesem Dialektgebiet etwa auch dem allseits bekannten neuhochdeutschen Wort „Heu“ die sogenannte entrundete Mundartform „Hai“ entspricht. Es handelt sich also um einen falschen Analogieschluss eines oder mehrerer Schreiber vor dem Hintergrund scheinbarer dialektaler Parallelfälle.

Forschung: Wolfgang Janka

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