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Neue Maschen für Trachtenstrick

Mehr als nur anziehend – Modemacher aus Ostbayern. Mit Socken und Pullovern fing 1922 bei Huber Mode & Tracht aus Vilshofen alles an.
Von Katja Bock, MZ

  • 2013 hat Andrea Dendorfer das Traditionsunternehmen Huber Mode & Tracht übernommen. Heinz Huber steht ihr beratend zur Seite. Foto: Gabi Schönberger
  • Die klassische Trachtenstrickjacke bekommt eine Kapuze. Foto: Gabi Schönberger
  • Kräftige Farben kennzeichnen die aktuelle Kollektion. Foto: Gabi Schönberger
  • Die Garne stammen zu 90 Prozent aus Italien. Foto: Gabi Schönberger

Vilshofen. Seit jeher ist der Trachten-Strick ein fester Bestandteil der klassischen Tracht. Bei den Frauen oft in Schwarz mit Blüten bestickt und bei den Männern in Grau oder Braun mit Hornknöpfen, vervollständigen sie das Bild der traditionellen Trachtenmode. So war es auch, als Heinz Huber 1966 mit nur 24 Jahren in dritter Generation die Nachfolge in dem Textilbetrieb seiner Eltern antrat. Fast 50 Jahre später hat Andrea Dendorfer Anfang 2013 Huber Mode & Strick als geschäftsführende Inhaberin übernommen. Mit der Unterstützung von Heinz Huber verbindet sie das Wissen um die Qualität von damals mit dem modischen Anspruch von heute.

Von der Socke zur Strickjacke

Direkt neben einem großen Discounter befindet sich Huber Mode & Tracht etwas außerhalb vom Stadtkern von Vilshofen an der Donau. Eine Treppe abwärts führt zum Lagerverkauf und den Büroräumen. „Früher gehörte das ganze Gebäude zu uns bis wir vor 19Jahren die Produktion ins Ausland verlegen mussten “, erklärt Huber.

Der Geist vergangener Zeiten ist noch immer spürbar. Auf Kleiderständern werden die alten Kollektionen zum Schnäppchenpreis angeboten. Im hinteren Teil lagern die Wollstoffe, Knöpfe und verschiedene Garne. Bereits 1922 beginnt die Geschichte von Huber Mode & Tracht mit den selbst gestrickten Socken von Maria Huber. „Meine Großmutter ist mit 24 Jahren Witwe geworden, hatte zwei kleine Kinder und musste von irgendetwas leben“, beschreibt Huber die Anfangssituation der Firma. Aus den Socken werden Pullover und bald die bekannten Strickjacken. Stück für Stück baut sich Maria Huber ihr Textilgeschäft auf.

Auf Zeitungsannonce hin beworben

In der dritten Generation übernimmt Heinz Huber 1966 den Betrieb von seinem Vater und baut die Produktion weiter aus. Als Huber 2012 einen Nachfolger sucht, kreuzen sich die Wege von Andrea Dendorfer und Heinz Huber eher durch Zufall. „Zu der Zeit war ich bei Völkl als Produktmanagerin tätig. In der Zeitung ist mir eine gelbe Anzeige mit schwarzer Schrift aufgefallen – Völkl hat ja die gleichen Farben – und da stand drin: „Suchen Geschäftsführerin mit evt. Übernahme“. Daraufhin habe ich mich einfach beworben und jetzt sitz ich da“, erzählt Dendorfer. 2012 tritt die Textilfachwirtin in das Unternehmen ein und übernimmt es 2013 als geschäftsführende Inhaberin. Beratend steht ihr Huber noch zur Seite und kümmert sich vor allem um die Qualitätssicherung.

Produziert wird der Trachtenstrick in Ungarn. Die Garne jedoch stammen zum größten Teil aus Italien. „Wir kaufen 90 Prozent der Garne aus Italien“, erklärt HHuber und zeigt dabei die neuen Stoffmuster. Die neue Kollektion ist schon wieder in Arbeit.

Sportmode trifft Trachtenstrick

„In der neuen Kollektion habe ich den Schwerpunkt auf kräftige Farben gelegt wie Türkis, Pink oder Orange “, beschreibt Dendorfer ihre aktuelle Kollektion. Sportliche Elemente wie Kapuzen treffen auf Traditionelles wie Blumenmotive oder Hornknöpfe. Spürbar bei den Designs ist die berufliche Erfahrung von Dendorfer bei Marken wie Völkl, Sport Mexx oder Tom Tailor. Inspiration für die Designs findet die Niederbayerin in Alltäglichem, aber auch der aktuellen Mode. „Ich schaue mir sehr viel die Modekollektionen an, aber auch auf der Straße halte ich die Augen offen und beobachte, was die Frauen so tragen“, erzählt Dendorfer.

Neben den Strickjacken hat die Niederbayerin das Sortiment auch um Ponchos, Stulpen und Strickmieder erweitert. Dendorfer selbst trägt beim Besuch eines der neuen Mieder in Blau mit rot abgesetzten Rändern kombiniert zur weißen Hose, Trachtenbluse und roten Pumps. „Tracht zieht man heute nicht mehr nur auf dem Volksfest an. Tracht ist mittlerweile alltagstauglich“, erklärt die Designerin. Abgerundet wird die Kollektion durch Accessoires wie kleine Strick-Taschen.

Das aktuelle Modell in Pink besticht durch Holzgriffe und einen aus Glitzersteinen zusammengesetzten Widder. Das traditionelle Alpentier ist das neue Symbol im Logo von Huber Mode & Tracht und findet sich auch überall im Raum von den bestickten Kissen bis zur bedruckten Prosecco-Dose wieder. „Den Widder haben wir als Symbol gewählt, weil er zwar stur ist, aber seinen Weg geht. Er hat Hörner, aber ist dennoch feminin“, erklärt die 42-Jährige die Hintergründe des neuen Logos.

Mit ihrer Heimatverbundenheit und der Freude am Brauchtum führt Dendorfer das Traditionsunternehmen weiter und interpretiert den klassischen Trachtenstrick neu. Dabei wurde ihr die Liebe zur Tracht fast schon in die Wiege gelegt. „Mit drei Jahren habe ich mein erstes Dirndl bekommen. Ich habe mich immer schon sehr verbunden mit Tradition und Tracht gefühlt“, erinnert sich die Designerin Dendorfer.

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