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Verkehr

Nie mehr oben ohne!

Polizei, Verkehrswacht und die Unfallchirurgie des Uniklinikums Regensburg werben für Fahrradhelme. Denn bei Unfällen sind Radler besonders gefährdet.
Von Christine Straßer, MZ

Die Polizeibeamten verteilten an der Uni Flyer und suchten das Gespräch mit den Studierenden. Foto: Schönberger

Regensburg. Der Appell von Prof. Michael Nerlich, Leiter der Unfallchirurgie der Uniklinik Regensburg, ist deutlich: „Fahrradfahrer sollten einen Helm tragen. Stürze auch schon bei 20 km/h können sehr schwer sein. Wir haben hier auch schon Genickbrüche gesehen.“ Häufig werden diese Unfälle vom Fahrradfahrer gar nicht verschuldet. Nur in 30 Prozent der Fälle trägt der Fahrradfahrer die Hauptschuld, wie Hauptkommissar Hermann Hirsch sagt. Die Gefahr: Im Unterschied zum Autofahrer haben Radfahrer keinen schützenden Blechmantel, kein Antiblockiersystem, keinen Gurt und auch keinen Airbag. Ihr einziger Schutz ist ein Helm, wenn sie denn einen tragen.

Unfallzahlen sprechen klare Sprache

An der Unfallstelle müssen die Polizeibeamten laut Hirsch aber eines feststellen: Nur jeder fünfte Radfahrer, der in einen Unfall verwickelt wurde, hatte einen Helm auf. Um das Bewusstsein für das Tragen eines Helmes zu schärfen, haben Polizei, Verkehrswacht und die Unfallchirurgie an der Uniklinik die Aktion „Kopfzerbrechen“ ins Leben gerufen.

Am Mittwoch wurde die Aktion unter dem Motto „Zerbrich Dir den Kopf lieber für Dein Studium!“ an der Universität Regensburg gestartet. Flyer, Plakate und ein Film sollen zum Semesterstart die rund 30.000 Studenten der Stadt auf die Verletzungsgefahren aufmerksam machen.

Die Idee, speziell die Studierenden anzusprechen, hatte Polizeidirektor Wolfgang Mache. Sein Gedanke: Unter den Studierenden sind zahlreiche Fahrradfahrer. Während gerade Kinder brav Fahrradhelme aufsetzen, tragen Jugendliche mit zunehmendem Alter immer weniger gerne einen Helm. Das hat Mache in der eigenen Familie erlebt. Aber er dachte sich: „Studierende sind doch vernünftige Leute, mit denen kann man doch reden.“ Und wenn sie überzeugt sind, tragen sie die Botschaft – anders gesagt: den Helm – in die Region hinaus.

Hoher Anteil an Schwerverletzten

In der Oberpfalz zählte die Polizei im Jahr 2012 904 Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Fahrradfahrern. In der Stadt Regensburg waren es laut Sicherheitsbericht 271. Dabei wurden 85 Menschen schwer verletzt, 34 davon waren Radfahrer.

Wenn ein Fahrradfahrer mit einem Auto zusammenstößt, prallt er meist zweimal auf. Zuerst prallt er direkt gegen das Auto. Wenn er dabei nicht auf die Scheibe aufschlägt, kollidiert er mit der Dachkante oder einer der härtesten Stellen des Autos: der A-Säule. Danach wird er vom Auto weg und durch die Luft geschleudert. Schließlich prallt er auf dem Boden auf. Beim ersten Aufprall sind vielleicht noch Abwehrreflexe möglich. Danach sind Fahrradfahrer meist vollkommen handlungsunfähig und zu keinerlei Schutzreaktionen mehr in der Lage.

Beide Male ist der Körper gewaltigen Kräften ausgesetzt. Knochenbrüche oder ausgeschlagene Zähne sind dabei nicht das Schlimmste. „Das kriegen wir alles wieder hin“, versichert Prof. Nerlich. Weitgehend machtlos sind die Mediziner jedoch bei Hirnverletzungen. Unser zentrales Organ ist besonders gut durchblutet. Ist es verletzt und blutet, erhöht sich der Druck darin, was fatale Folgen haben kann. Bleibende Hirnschäden sind möglich, wenn der Gehirndruck zu stark ansteigt.

Dass Fahrradhelme erheblichen Schutz vor Verletzungen bieten, haben kanadische Wissenschaftler um Navindra Persaud in einer Fall-Kontroll-Studie für die Canadian Medical Association festgestellt. Es zeigte sich, dass allein durch das Tragen eines Fahrradhelmes die Rate der tödlichen Kopfverletzungen um 48 Prozent verringert.

Der Vorstand der Verkehrswacht Regensburg, Thomas Faltermeier, entkräftet ästhetische Bedenken. Helme gäbe es mittlerweile in vielen Formen, Ausführungen und Farben. „Da ist für jeden Geschmack etwas dabei.“

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