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Niederbayern
Donnerstag, 16. August 2018 30° 1

Bauwerk

Rathaus-Wiederaufbau dauert Jahre

Seit einem verheerenden Brand ist die Straubinger Amtsstube eine Baustelle. Die Arbeiten sind kompliziert und kostspielig.
Von Melanie Bäumel-Schachtner

  • Lichterloh brannte das Rathaus am 25. November 2016. Foto: Armin Weigel/dpa
  • Nur die Grundmauern sind vom historischen Rathaussaal übrig geblieben. Derzeit wird innen ein Stützgerüst aufgebaut. Foto: Bäumel-Schachtner

Straubing.Es war am 25. November 2016, als ein großes Stück Straubinger Geschichte in Flammen aufging: Das historische Rathaus brannte lichterloh. Die Brandursache konnte nie gefunden werden, der Schaden wird mit einem niedrigeren zweistelligen Millionenbetrag beziffert – der Verlust eines Teils der historischen Identität wiegt für die Straubinger weit schwerer. Doch Oberbürgermeister Markus Pannermayr (CSU) und seine Mannschaft stecken den Kopf nicht in den Sand, sondern widmen sich mit viel Energie dem Wiederaufbau.

Die Planungen dafür laufen auf Hochtouren und sollen am 8. Mai dem Straubinger Stadtrat in einer Sondersitzung vorgelegt werden. Dann soll die Marschroute festgelegt werden, wie der schätzungsweise bis 2022 dauernde Wiederaufbau aussehen soll. Das Ziel: Soviel historische Substanz zu erhalten wie möglich, aber dennoch die Chance zu nutzen, zeitgemäße Akzente zu setzen.

Riesiges Gerüst aufgebaut

Im früher von Sonnenlicht durchfluteten historischen Rathaussaal haben die ersten Strahlen des Frühlings keine Chance. Es herrscht kühles Halbdunkel, Gerüste verdecken die Fenster. Die blanken Ziegelmauern strahlen Kälte aus. Von der früheren guten Stube im Straubinger Rathaus, in der Konzerte und Festabende stattfanden, sind buchstäblich nur die Grundmauern übrig geblieben. Nun soll alles wieder so werden, wie es war – mit Änderungen, die dem Zeitgeist entsprechen. Täglich wird eifrig gewerkelt: Ein Gerüst wird aufgebaut, das die marode Außenmauer von innen verstärken soll. Mit großen, roten Stützen soll erreicht werden, dass das riesige Gerüst, das die Fassade des Rathauses derzeit von außen stützt, zumindest verschlankt werden kann.

Führung durch das Rathaus

  • Sonderführung:

    Besichtigt werden kann die Baustelle Straubinger Rathaus am 4. Mai im Rahmen des Jubiläums „800 Jahre Straubinger Neustadt“. In Sonderführungen können sich Interessierteinformieren, wie das Rathaus gegenwärtig aussieht.

  • Einblicke:

    Denkmalpfleger Erwin Hahn und Stadtarchivarin Dr. Dorit-Maria Krenn geben einen Einblick in die Baustelle.

  • Anmeldung:

    Anmeldungen für die Führungen, die um 15, 16, 17 und 18 Uhr angeboten werden, sind im Amt für Tourismus unter Telefon (09421) 944 60199 notwendig. An jeder Führung können maximal 25 Personen teilnehmen. Karten, die nur im Vorverkauf erhältlich sind, kosten drei Euro. Festes Schuhwerk wird empfohlen. Aus Sicherheitsgründen ist eine Teilnahme erst ab 14 Jahren möglich.

„Ob das Gerüst außen ganz verschwinden kann, muss sich im Laufe der Arbeiten herausstellen. Im Mai werden wir wissen, ob es ganz wegkann oder ob es nur verringert wird“, erklärt Rathaussprecher Johannes Burgmayer. In jedem Falle werde der Kran verschwinden, der gerade in der angrenzenden Simon-Höller-Straße steht. Die ersten Erfolge der Arbeiten stellen sich langsam ein: Die Dachsanierungsarbeiten sind so gut wie abgeschlossen.

Versicherung zahlt nur den Ist-Zustand

Seit November 2017 im Amt ist ein Planungsteam, das erarbeitet, wie der Wiederaufbau des Rathauses aussehen könnte. „Die Analysen, die dieses Team gemacht hat, sind abgeschlossen, nun geht es daran, dass die Planer dem Stadtrat vorstellen, wie die Vorüberlegungen zum Wiederaufbau aussehen“, sagt Johannes Burgmayer. Am 8. Mai werde es eine Sondersitzung geben – mit jeder Menge Diskussionsmöglichkeit. „Denn wir wollen schon auch den politischen Rückhalt“, erklärt der Stadtsprecher. Welche Summen der Wiederaufbau kosten werde, das könne man zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.

Lesen Sie außerdem: Ein Münchner plant das neue Straubinger Rathaus

Dies hänge auch davon ab, wie der Neubau aussehen werde. Burgmayer erklärt, dass der Raumzuschnitt vom Rathaussaal und dem angrenzenden Blauen Salon, einem exklusiven kleinen Veranstaltungszimmer, in etwa so bleiben solle. Bei den Veranstaltungsräumen und der Eingangslösung sei noch vieles offen. Fest stehe aber, dass die Summe, die die Versicherung bezahlt, bei weitem nicht ausreichen werde, um den Neubau zu erstellen. Denn die Versicherung bezahle den Ist-Zustand des Rathauses zu dem Zeitpunkt, an dem es abgebrannt ist. Ein Neubau, vor allem, wenn er moderne Lösungen beinhaltet, kostet mehr.

Söder sagte Unterstützung zu

Froh sind die Straubinger deshalb, dass der frühere Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) nach dem Brand umgehend zugesagt hat, dass der Freistaat der Stadt finanziell unter die Arme greifen werde. Der neue Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat dieses Versprechen erneuert und sich ebenfalls bereits ein Bild vom Ausmaß der Brandkatastrophe gemacht. Doch die restliche Summe muss die Stadt Straubing aufbringen, und das werden Millionen sein – nicht leicht für einen Haushalt, der ohnehin immer wieder dazu zwingt, Projekte auf die Schattenliste zu setzen.

Deshalb ist die Freude groß, dass es zahlreiche Benefizaktionen für den Wiederaufbau des Rathauses gibt und auch viele Vereine und Vereinigungen spenden. „Jeder Euro ist hilfreich“, erklärt Johannes Burgmayer. Die Anteilnahme aus der Bevölkerung ist immer noch groß – und auch der Wunsch, dass das Rathaus mit dem 650 Jahre alten Rathaussaal wiederaufgebaut wird. Dies könnte, wenn alles nach Plan läuft, 2022 der Fall sein.

Hier finden Sie nochmals den Bericht über den Brand des Straubinger Rathauses.

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