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Oper

Belcanto vom Allerfeinsten in Landshut

Das Wagnis des Landestheaters Niederbayern wird belohnt: Begeisterter Applaus für die Aufführung von Bellinis „La Straniera“.
Von Michaela Schabel, MZ

Eindringliches Schattentheater: Kyung Chun Kim (l.) als Valdeburgo und Tatiana Larina als Alaide in Bellinis „La straniera“
Eindringliches Schattentheater: Kyung Chun Kim (l.) als Valdeburgo und Tatiana Larina als Alaide in Bellinis „La straniera“ Foto: Litvai

Landshut.Von wegen nicht aufführbar. Während große Häuser wie München, Zürich und Wien sich auf konzertante bzw. szenische Inszenierungen mit Edita Guberova beschränken, wagt das Landestheater Niederbayern die Inszenierung der zu Unrecht ins Abseits gestellten Oper „La Straniera“.

Natürlich spiegeln sich in Bellinis Spätwerk seine anderen Opern, natürlich ist diese romantische Oper fern unserer Tage. Würde Alaide, die verstoßene Königin im Wald, gleich ihr Geheimnis lüften, ergäbe sich das ganze Eifersuchtsszenario gar nicht. Doch gerade durch die rätselhafte Fremde setzt Bellini einen interessanten Anfang. Das anspruchsvolle Libretto zeigt eine für die damalige Zeit erstaunliche geistige Freiheit. Alaide verdammt Gott durch die misslichen Schicksalskonstellationen. Arturo wird als egoistischer Narziss entlarvt, der seine Braut Isoletta unglücklich macht, La Straniera durch seine Liebe die Ruhe raubt und seinen besten Freund Valdeburgo aus Eifersucht fast mordet. Valdeburgo, Bruder der Fremden, entlarvt sich durch seine Dominanz als sehr autoritär.

Schatteneffekte nutzen sich ab

Die Traumatisierung der Personen, ihr emotionales Oszillieren zwischen Höhenflügen und Abgründen als Schattentheater (Controluce Teatro d’Ombre) in surreal abstrakten Bühnenlandschaften zu visualisieren, gelingt nicht zuletzt wegen des Bühnenbildes Antonio Martires. In einem Spalier von Gold- und Grüntönen werden Außen- und Innenwelten, Natur und Palast, Realität und Traum verwoben. Leere Bilderrahmen fliegen ein, noch ist die Geschichte ganz offen. Der See irrlichtert grün in der Reflexion des Waldes, im Gefunkel wächst Alaides Schattenbild, getanzt von Anja-Carina Maisenbacher, in gigantische Dimensionen. Das ist der atmosphärischer Hintergrund, vor dem die eher statische Personenregie von Alberto Jonas expressiv zur Wirkung kommt. Allerdings verbrauchen sich die Schatteneffekte in den Wiederholungen und lenken zuweilen zu sehr von der Musik ab. Weniger wäre mehr gewesen.

Larinas Sopran funkelt wie ein Kristall

Es ist Belcanto pur, der Bellinis Opern so genussvoll macht. Ohne Spitzenbesetzung der Titelrolle geht das nicht. Deshalb wurde die georgische Nachwuchssängerin Tatiana Larina verpflichtet. Mühelos, mit expressiver Bühnenpräsens, interpretiert sie die Figur der Alaide im rot schimmernden Kleid als selbstbewusste Frau, die allein ihrer inneren Stimme folgt. Sie koloriert mit der Leichtigkeit des Schmetterlings, der gleichzeitig im Video die Flügel schlägt – ekstatisch in den Höhen, mit abgründigen Schattierungen in der Tiefe. Wie ein Kristall funkelt ihr Sopran über den Wogen der Tuttis und trifft im feinsten Pianissimo mitten in die Seele.

Trotz der exponierten Partie Alaidas kommen die anderen Rollen sängerisch gut zur Wirkung. In den Duetten und Terzetten erdet Kyung Chun Kims Bariton als Valdeburgo. Der MexikanerVictor Campos Leal besticht durch seinen lyrischen Tenor. Mit samtenen Timbre macht Jisang Ryu die Minirolle des Priore zum großen Auftritt der institutionalisierten Moral. Oscar Imhoff wertet die Nebenrolle des Osburgo durch seine sympathische Ausstrahlung auf. Sabine Noack gibt der liebenden Braut Isoletta sängerisch die Wucht einer pragmatischen Frau, die ihren Arturo freigibt, weil sie seine Liebe nicht mehr fühlt.

Unter der musikalisch temperamentvollen Leitung von Basil H.E. Coleman wird dieser Opernabend nach einer kurzen Anwärmphase zu einem musikalischen Gesamterlebnis, in dem auch der Chor (Christine Strubel) und einige Instrumentalisten immer wieder aufhorchen lassen.

Die Termine der weiteren Aufführungen finden Sie hier.

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