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Hochwasser: Aufräumen und Bangen

Durch die Flut in Niederbayern sind mindestens sechs Menschen gestorben. Weitere werden noch vermisst. Und neuer Regen kommt.

Ein Hochwasser hat im niederbayerischen Landkreis Rottal-Inn mindestens fünf Tote gefordert. Foto: Wolfram Zummach/dpa
Ein Hochwasser hat im niederbayerischen Landkreis Rottal-Inn mindestens fünf Tote gefordert. Foto: Wolfram Zummach/dpa

Triftern.Zwei Tage nach der verheerenden Flutkatastrophe in Niederbayern werden am Freitag die Aufräumarbeiten in der betroffenen Region unter Hochdruck fortgesetzt. Zugleich läuft die Suche nach Vermissten weiter: Nachdem am Donnerstagabend der sechste Tote des Hochwassers in Simbach am Inn geborgen worden war, wurde am Freitagmorgen nach Polizeiangaben noch ein älteres Ehepaar vermisst.

Mit der Hilfe von Feuerwehr und dem Technischen Hilfswerk räumen Einwohner der überfluteten Orte im Landkreis Rottal-Inn ihre Straßen und Häuser frei, die ein stinkender Schlamm überzieht. Darunter kommt das Ausmaß des Schadens zum Vorschein: Allein im Landkreis Rottal-Inn wird er auf einen dreistelligen Millionenbetrag beziffert. In vielen Schulen im Landkreis fällt auch am Freitag der Unterricht aus.

Der heftige Regen, der am Mittwoch unvermittelt über die Gegend hereingebrochen war, hat zwar aufgehört. Doch für die Aufräumarbeiten ist das nicht unbedingt günstig. „Das Problem ist, dass der Schlamm rasch abgeräumt werden muss. Wenn er einmal getrocknet ist, wird er steinhart“, erklärt ein Sprecher des Technischen Hilfswerks.

Wasserversorgung hat Vorrang

In den am schwersten betroffenen Städten Simbach am Inn, Triftern und Tann war stellenweise die Wasserversorgung ausgefallen. Eine gesicherte Wasserversorgung für die gesamte Bevölkerung hat aus Sicht des Simbacher Bürgermeisters Klaus Schmid (CSU) derzeit Vorrang bei den Aufräumarbeiten in der Hochwasserregion. „Noch ist die Wasserversorgung nicht komplett wiederhergestellt“, sagte Schmid am Freitagmorgen. Viele Einwohner müssten sich an Sammelstellen abgezapftes Wasser aus Containern geben lassen. Auch verfügten noch nicht alle Haushalte wieder über Strom.

Um Plünderungen zu verhindern, patrouillierte die Polizei in der Nacht im Streifenwagen durch Simbach. Am Vortag waren bereits zwei Menschen festgenommen worden, die die unübersichtliche Lage ausnutzen wollten, um ein Autoradio zu stehlen.

„Diese Hochwasserkatastrophe hat unendliches Leid über die Familien der Angehörigen gebracht, dazu kommen noch die großen Schäden an Hab und Gut vieler Menschen, die vor den Trümmern ihrer Existenz stehen“, sagte der Landrat von Rottal-Inn, Michael Fahmüller (CSU). Die vom Hochwasser betroffene Fläche habe die doppelte Größe des Chiemsees.

Erinnerungen an 2013 werden wach

Die Bilder in den Hochwassergebieten in Niederbayern haben bei Staatssekretär Bernd Sibler (CSU) ein schlimmes Deja-Vu ausgelöst. „Es hat mich an die Katastrophe von vor drei Jahren in Fischerdorf bei Deggendorf erinnert. Der große Unterschied ist jetzt jedoch die menschliche Tragödie“, sagte Sibler in Pfarrkirchen.

Politiker versprachen unterdessen rasche Hilfe für die Betroffenen. „Klar ist: Der Freistaat Bayern wird die Geschädigten, die zum Teil ihr ganzes Zuhause verloren haben, nicht alleine lassen, sondern – wo immer nötig – schnell und unbürokratisch helfen“, betonte Ministerpräsident Horst Seehofer in München. „Ähnlich wie beim Hochwasser 2013 werden wir 1500 Euro zur Verfügung stellen“, kündigte Finanzminister Markus Söder (CSU) nach einem Überflug über das Katastrophengebiet an.

Teilweise weder Strom noch Wasser

Rettungskräfte, Betroffene und viele freiwillige Helfer versuchen nach der Katastrophe, Häuser und Straßen von Schlamm und Treibgut zu befreien. „Wir gehen mit Gummistiefeln zum Arbeiten“, beschrieb eine Sprecherin des Bürgermeisters Klaus Schmid die Lage. In Simbach war das Technische Hilfswerk damit beschäftigt, Personen zu retten, die in ihren Häusern von den Wassermassen eingeschlossen waren. In den Marktgemeinden Tann und Triftern pumpten Helfer Häuser und Straßen leer. Der Stab an Hilfskräften wurde aufgestockt.

Niederbayern kämpft gegen das Hochwasser:

Hochwasser: Katastrophenalarm in Niederbayern

Großeinsatz im Landkreis Cham

Auch im Landkreis Cham kam es am Mittwoch wegen Unwettern zum Großeinsatz. Schwere Gewitter wüteten in der Region, Bäume standen in Brand, mehrere Straßen waren gesperrt. In der Stadt Bad Kötzting stand das Wasser auf einigen Plätzen innerhalb weniger Minuten mehr als knöchelhoch.

Rund 100 Rettungskräfte von DLRG, Wasserwacht, Feuerwehr und Rotem Kreuz sowie Einsatzkräfte der Polizei waren nach dem Ende der Hochwassereinsätze Mittwochnacht um 21 Uhr noch einmal gefordert. Dieses Mal war durch eine 63-jährige Frau aus Miltach gemeldet worden, dass eine Person in den immer noch stark angeschwollenen Klinglbach gefallen und eventuell ertrunken sein könnte. Mit einem Großaufgebot von sechs Fußtrupps und mehreren Booten suchten die Rettungskräfte umgehend das Flussufer auf drei Kilometern Länge bis Urleiten ab – allerdings ohne Erfolg. Gegen 22.30 Uhr wurde der Einsatz ergebnislos abgebrochen. Ob tatsächlich jemand in die Fluten geraten ist, bleibt abzuwarten. Vermisst gemeldet war bis zum Einsatzende jedenfalls niemand.

Schockierende Bilder aus Niederbayern:

Nach der Flut - Suche nach Vermissten und Aufräume

Seehofer kündigt schnelle Hilfe an

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer zeigte sich tief betroffen. Foto: dpa
Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer zeigte sich tief betroffen. Foto: dpa

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat den Opfern des verheerenden Hochwassers in Niederbayern sein Mitgefühl ausgedrückt. „Das Ausmaß und die Folgen der schrecklichen Flut in Niederbayern machen mich tief betroffen“, sagte Seehofer am Donnerstag laut Mitteilung der Staatskanzlei in München. Seine Gedanken und Anteilnahme gelten den Todesopfern und ihren Angehörigen.

Zugleich kündigte Seehofer, wie bereits auch Innenminister Joachim Herrmann und Finanzminister Markus Söder (beide CSU), schnelle und unbürokratische Hilfe an. „Klar ist: Der Freistaat Bayern wird die Geschädigten, die zum Teil ihr ganzes Zuhause verloren haben, nicht alleine lassen, sondern - wo immer nötig – schnell und unbürokratisch helfen“, sagte der CSU-Chef. Dank sprach er den zahlreichen Helfern vor Ort aus, „die sich seit Stunden unermüdlich und selbstlos für die Rettung von Menschen und die Beseitigung der Schäden einsetzen“.

„Das Ausmaß und die Folgen der schrecklichen Flut in Niederbayern machen mich tief betroffen.“

Horst Seehofer

Das verheerende Hochwasser in Niederbayern war laut Innenminister Joachim Herrmann (CSU) nicht vorherzusehen. „Innerhalb von wenigen Minuten ist in einigen Gebieten der Wasserstand um mehrere Meter angestiegen“, sagte Herrmann am Donnerstag beim Besuch des Hochwassergebiets in Eggenfelden. Die Menschen und Einsatzkräfte seien davon völlig überrascht worden.

Der Innenminister sagte, dass noch immer mehrere Menschen vermisst werden. „Es werden Taucher eingesetzt, um nach den Vermissten zu suchen“. Hunderte Häuser seien betroffen, zahlreiche Gebäude seien total zerstört worden. Bislang haben die Einsatzkräfte vier Tote geborgen. Zusammen mit Finanzminister Markus Söder, Umweltminister Ulrike Scharf und Landwirtschaftsminister Helmut Brunner hatte sich Herrmann bei einem Hubschrauberüberflug am Vormittag ein Bild von der Lage im Landkreis Rottal-Inn gemacht.

„Die schlimmen Schäden habe ich kaum für möglich gehalten.“

Joachim Herrmann

Die Wassermassen haben auch zahlreiche Straßen im Landkreis Rottal-Inn zerstört. „Darunter war auch die B20. Und eine Brücke ist um mehrere Meter abgesackt“, sagte Herrmann. Es werde noch Wochen oder Monate dauern, alle Schäden zu beseitigen.

„Die schlimmen Schäden habe ich kaum für möglich gehalten“, sagte Herrmann. Nun gehe es auch darum, wie Warnsystem noch verbessert werden könnten. Hermann war vor allem von den punktuellen Schäden überrascht. „An dem einen Ort ist alles zerstört und wenige hundert Meter weiter ist alles völlig unberührt.“

Die Wetterprognose für die nächsten Tage finden Sie hier.

Lesen Sie hier: Das Jahrhundert-Hochwasser 2013

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Vier Tote nach Hochwasser in Niederbayern

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