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Kirche

Missbrauchsverdacht im Bistum Regensburg

Ein entlassener ehemaliger Pfarrer sitzt wegen Verdachts des Kindesmissbrauchs im Landkreis Deggendorf in Untersuchungshaft.

Ein 52-jähriger ehemaliger Pfarrer soll im Bistum Regensburg ein Kind missbraucht haben. Foto: Patrick Pleul/dpa
Ein 52-jähriger ehemaliger Pfarrer soll im Bistum Regensburg ein Kind missbraucht haben. Foto: Patrick Pleul/dpa

Regensburg.Ein inzwischen aus dem Klerikerstand entlassener ehemaliger Pfarrer sitzt wegen des Verdachts des Kindesmissbrauchs im Landkreis Deggendorf in Untersuchungshaft. Das teilte die Staatsanwaltschaft Deggendorf am Mittwoch mit. Am 23. September 2016 hatte die Mutter des schulpflichtigen Kindes dessen sexuellen Missbrauch durch den 52-jährigen Verdächtigen angezeigt. Drei Tage später wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft Deggendorf durch das Amtsgerichts Deggendorf Haftbefehl gegen ihn erlassen. Der Mann befindet sich seither in Untersuchungshaft.

Nach Angaben des Opfers soll es im Frühjahr 2016 zu sexuellen Handlungen vor und an dem Kind gekommen sein. 2008 war der ehemalige Priester aus dem Raum Mainz aus dem Klerikerstand entlassen worden. Mehrere Bistümer hatten ab 2008 vor dem fälschlicherweise als Pfarrer auftretenden Mann gewarnt, darunter auch die Diözese Regensburg. Im März 2014 und erneut im Oktober 2015 warnte die Diözese Regensburg nach eigenen Angaben alle Pfarrämter vor dem Mann, der sich offenbar im süddeutschen Raum und an der österreichisch-ungarischen Grenze als Priester ausgab. Dieser hatte sich laut Staatsanwaltschaft Deggendorf mit einem gefälschten Priesterausweis und unter Ausnutzung seiner Stellung als angeblicher Pfarrer das Vertrauen eines Gemeindepfarrers und mehrerer strenggläubiger Familien im Regensburger Bistum erschlichen. Dabei stellte sich der nun Inhaftierte als Opfer eines Justizirrtums und einer Falschbeschuldigung dar.

Als falscher „Pfarrer“ Vertrauen erschlichen

Der falsche „Seelsorger“ trat laut Staatsanwaltschaft Deggendorf unter anderem 2013 im Raum Erding und Taufkirchen/Vils in Erscheinung, dann von Mai bis November 2015 in einer Pfarrei im Landkreis Deggendorf und auch bei einer Familie im Landkreis Deggendorf. Der Verdächtige soll zudem unter einem Vorwand betrügerisch Spenden eingesammelt haben, so die Staatsanwaltschaft Deggendorf weiter.

Das Bistum Regensburg äußerte sich am Mittwoch „schockiert über die Taten“. „Unser Mitgefühl gilt dem Kind und dessen Familie“, heißt es in einer Mitteilung zu dem Fall. „Nach unseren jetzigen Kenntnissen hat sich der Beschuldigte während seines mehrmonatigen Aufenthalts in einer Pfarrei unseres Bistums Anfang 2015 das Vertrauen zu einer dortigen Familie erschlichen. Offensichtlich hat der Beschuldigte den Pfarrer der betroffenen Pfarrei über seine Identität und seine kirchliche und strafrechtliche Vorgeschichte getäuscht und auf diese Weise seelsorgliche Aushilfstätigkeiten vorgenommen“, so das Bistum weiter. Nachdem der falsche „Pfarrer“ das Bistum Regensburg Ende 2015 in Richtung Passau verlassen habe, habe er ohne Wissen des Pfarrers weiter mit einzelnen Gläubigen der betroffenen Pfarrei in engem Kontakt gestanden. Das Bischöfliche Ordinariat in Regensburg habe erstmals am 28. September 2016 durch einen Anruf der Polizei vom mehrmonatigen Aufenthalt des Beschuldigten in der Diözese und von den gegen ihn erhobenen Vorwürfen erfahren.

Die Ermittlungen von Staatsanwaltschaft Deggendorf und Kriminalpolizei Deggendorf dauern an. (du)

Unterdessen kommt die Aufklärung der Missbrauchsfälle bei den Regensburger Domspatzen voran. Lesen Sie hier, welchen gemeinsamen Weg das Bistum Regensburg und die Opfer des Missbrauchsskandals eingeschlagen haben.

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