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Niederbayern
Sonntag, 23. September 2018 24° 7

Protest

Aktivisten besetzten Wiesenhof-Baustelle

Ein Bündnis wollte den Wiederaufbau einer Hühnerschlachtfabrik verhindern und besetze 13 Stunden lang einen Baukran.
Von Dagmar Unrecht und Andrea Rieder, MZ

Mehrere Tierschützer protestieren auf der Baustelle der Wiesenhof-Anlage in Bogen. Foto: „Mastanlagen Widerstand
Mehrere Tierschützer protestieren auf der Baustelle der Wiesenhof-Anlage in Bogen. Foto: „Mastanlagen Widerstand

Bogen.Tierschützer haben am frühen Montagmorgen die Großbaustelle der im vergangenen Jahr abgebrannten Hühnchenschlachtfabrik im niederbayerischen Bogen besetzt. Mehrere Aktivisten des Bündnisses „Mastanlagen Widerstand“ kletterten auf zwei etwa 30 Meter hohe Kräne und blockierten einen Bürocontainer. Die Tierschützer protestieren damit gegen die geplante Wiederinbetriebnahme der Hähnchen-Schlachtanlage, die unter dem Namen „Donautal Geflügelspezialitäten GmbH“ in Betrieb ist und zum PHW-Konzern („Wiesenhof“) gehört. Außerdem zeigten die Demonstranten Transparente mit der Aufschrift „Schlachthöfe schließen! Kapitalismus überwinden!“, verteilten Flugblätter und versuchten mit Trillerpfeifen, Telefonate zu verhindern. Auch am Bauzaun wurden Plakate angebracht.

Anzeigen wegen Hausfriedensbruch und Nötigung

Am Nachmittag nahm die Polizei sechs Aktivisten, die einen Container blockierten, fest. Sie erwartet nun eine Anzeige wegen Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch. Drei von ihnen waren aneinandergekettet und mussten von den Beamten erst „befreit“ werden. Die Gespräche mit den Aktivisten auf den Kränen waren zunächst gescheitert. Beamten waren mit einer Drehleiter der Feuerwehr nach oben gefahren, um zu verhandeln. Am Abend vermeldete die Polizei jedoch, dass die Personen im Alter von 17 bis 26 Jahren nach Einbruch der Dunkelheit freiwillig von den Kränen heruntergeklettert waren. Sie werden wegen Hausfriedensbruch und Nötigung angezeigt.

Ziel war es, mit der Aktion „ein Zeichen gegen das tägliche Leiden der Tiere für die Fleischindustrie“ zu setzen, wie es in einem Facebook-Post der Tierschützer heißt. Die Bauarbeiten an der „gigantischen Schlachtfabrik“ sollen durch den Protest aufgehalten werden, so die Tierschützer in einer Mitteilung. Sie protestieren demnach nicht nur gegen das Schlachten, sondern auch gegen die Bedingungen der Fabrikarbeiter. Die Aktion der Demonstranten richtet sich nach eigenen Angaben nicht nur gegen die PHW-Gruppe, sondern gegen alle „Tierausbeutungsbetriebe“.

- Situation noch entspannt -Weitere schöne Bilder von der Besetzung. Bis jetzt ist die Situation vor Ort - sowohl auf den Kränen als auch im Baubüro und der Versammlung - noch entspannt.

Posted by Mastanlagen Widerstand on Monday, February 22, 2016

Nach Angaben der Polizei in Niederbayern war die Lage vor Ort den ganzen Tag über „ruhig und friedlich“. Rund zwei Dutzend Einsatzkräfte waren nach Polizeiangaben vor Ort. Der Wachdienst des Betriebes hatte am Montagmorgen über Notruf die Polizei alarmiert.

Der Großbrand in der Hähnchen-Schlachtanlage in Bogen hatte vor einem Jahr einen Schaden von mehr als zehn Millionen Euro verursacht. Eine 2400 Quadratmeter große Werkhalle war in Flammen aufgegangen. Die Mitarbeiter konnten sich damals rechtzeitig in Sicherheit bringen.

Zurzeit sind die Wiederaufbauarbeiten in vollem Gange. Nach Angaben einer Firmensprecherin schreiten die Innenbauarbeiten gut voran. Im März sollen die Bauabnahmen für Brandschutz, Arbeitssicherheit und Elektroinstallation stattfinden. „Vor diesem Hintergrund gehen wir heute davon aus, dass voraussichtlich bis zum dritten Quartal dieses Jahres wieder Geflügel in Bogen geschlachtet und die Weiterverarbeitung aufgenommen werden kann“, sagte die Sprecherin am Montag der MZ. Wie in der alten Anlage auch, könnten in Bogen weiterhin rund 200  000 Tiere pro Tag geschlachtet werden, fügte sie hinzu. Es werde keine Schlachtmengenerhöhung geben. Der Standort wird nach Auskunft der Firmensprecherin rund 700 Arbeitsplätze bieten. Die Protestaktion der Tierschützer wollte das Unternehmen auf Nachfrage nicht kommentieren.

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