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Gesundheit

Bessere Versorgung für junge Patienten

Regensburg hat endlich einen Lehrstuhl für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Die Planungen zogen sich seit 2011 hin.
Von Louisa Knobloch

Prof. Dr. Romuald Brunner (2.v.r.) wurde von Uni-Präsident Prof. Dr. Udo Hebel (re.), Bezirkstagspräsident Franz Löffler (3.v.l.) sowie Dr. Dr. Helmut Hausner (l.) und Prof. Dr. Thomas Baghai von der medbo begrüßt. Foto: Lissy Höller/medbo
Prof. Dr. Romuald Brunner (2.v.r.) wurde von Uni-Präsident Prof. Dr. Udo Hebel (re.), Bezirkstagspräsident Franz Löffler (3.v.l.) sowie Dr. Dr. Helmut Hausner (l.) und Prof. Dr. Thomas Baghai von der medbo begrüßt. Foto: Lissy Höller/medbo

Regensburg.Die Freude und Erleichterung war allen Beteiligten anzusehen, als am Montag am Bezirksklinikum Regensburg Prof. Dr. Romuald Brunner vorgestellt wurde. Der 59-Jährige hat zum 1. Juli den neu geschaffenen Lehrstuhl für Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP) und Psychosomatik an der Universität Regensburg übernommen. Gleichzeitig ist er Ärztlicher Direktor der entsprechenden Klinik am medbo Bezirksklinikum. Bezirkstagspräsident Franz Löffler sprach von einer „guten und segensreichen Entscheidung nicht nur für den Standort Regensburg, sondern für die gesamte Oberpfalz“. Dr. Dr. Helmut Hausner, Vorstand der medbo, bezeichnete die Berufung als „Geburtstagsgeschenk“ zum 25-jährigen Bestehen der KJP-Klinik in diesem Jahr.

Neuer Leiter kommt von der Uni Heidelberg

Zugleich betonte Löffler, dass man auf diesen Tag „schon lange gewartet“ habe. Tatsächlich reicht die Geschichte des neuen Lehrstuhls zurück bis ins Jahr 2011, als der damalige Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Bezirksklinikum, Dr. Martin Linder, in Pension gegangen war. Um das Fach universitär anzubinden, boten die Medizinischen Einrichtungen des Bezirks Oberpfalz (medbo) an, für sechs Jahre eine Stiftungsprofessur zu finanzieren. Danach sollte der Freistaat Bayern übernehmen. Mitte 2014 wurde eine Einigung bei der Finanzierung verkündet – bis zur Besetzung des Lehrstuhls vergingen aber weitere vier Jahre. Eine solche Dauer sei bei Berufungsverfahren in der Medizin nicht außergewöhnlich, sagte Uni-Präsident Prof. Dr. Udo Hebel. „Das Ergebnis zählt.“ Mit Brunner habe man einen „ausgezeichneten Wissenschaftler“ mit der Einrichtung des neuen Lehrstuhls betrauen können.

Der gebürtige Lübecker war zuletzt an der Universität Heidelberg als stellvertretender Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Leiter der Sektion „Störungen der Persönlichkeitsentwicklung“ tätig. Aufbauend auf seinen dortigen Schwerpunkten wird sich Brunner auch in Regensburg mit selbstverletzendem Verhalten bei Jugendlichen und mit der Entwicklung des Gehirns in der Pubertät befassen. Denn in dieser Zeit hätte rund die Hälfte der psychischen Erkrankungen ihren Ursprung.

Der Lehrstuhl schließt eine wichtige Lücke in Bayern

Mit dem Gründungslehrstuhl für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Regensburg schließe Bayern eine wichtige Lücke, betonte Brunner. Neben der Versorgung der jungen Patienten soll der 59-Jährige die Forschung und Lehre in dem noch vergleichsweise jungen Fach voranbringen. „Die KJP ist noch kein Pflichtfach für Medizinstudenten“, sagte Prof. Dr. Thomas Baghai, Direktor Medizinische Leistungen bei der medbo. Durch den Lehrstuhl könne man verstärkt angehende Mediziner für das Fach interessieren und so langfristig die Versorgungssituation für Kinder und Jugendliche verbessern.

Der Bedarf ist groß

  • Finanzierung:

    Die medbo finanziert für die ersten sechs Jahre die W3-Stiftungsprofessur, für drei Jahre zwei zusätzliche Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiter sowie dauerhaft eine Sekretariatsstelle. Insgesamt unterstützt der Bezirk den neuen Lehrstuhl mit 1,26 Millionen Euro, so Bezirkstagspräsident Franz Löffler. Danach übernimmt der Freistaat Bayern die Finanzierung.

  • Bedarf:

    Die Fallzahlen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie steigen. In Regensburg wurden im vergangenen Jahr mehr als 4000 Kinder und Jugendliche ambulant und stationär behandelt – etwa wegen ADHS, Entwicklungsstörungen, Magersucht, selbstverletzendem Verhalten, posttraumatischen Belastungsstörungen oder Depression.

Neben dem Standort Regensburg, den Brunner auch als Chefarzt betreuen wird, betreibt die medbo noch kinder-und jugendpsychiatrische Tageskliniken und Institutsambulanzen in Cham, Amberg und Weiden. Diese werden in der chefärztlichen Verantwortung von Dr. Christian Rexroth liegen, der in den vergangenen sieben Jahren als kommissarischer Ärztlicher Direktor die Regensburger Klinik geleitet hatte. In die Fläche zu gehen, ist Löffler zufolge enorm wichtig – gerade bei psychischen Erkrankungen: „Wir wollen das Stigma dadurch abbauen helfen, dass wir die Medizin zu den Menschen bringen“, so der Bezirkstagspräsident.

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