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Kirche

Bistum Regensburg legt Finanzen offen

Nach den Protzvorwürfen will die Kirche transparenter werden. Jetzt legt die Diözese erste Zahlen vor.
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

Generalvikar Fuchs (M.) hat am Dienstag einen ersten Teil der Finanzen des Bistums Regensburg offengelegt. Foto: Lex
Generalvikar Fuchs (M.) hat am Dienstag einen ersten Teil der Finanzen des Bistums Regensburg offengelegt. Foto: Lex

Regensburg.Im Jahr 2003 berichtete das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ von einer geldverschwenderischen Umbaumaßnahme im Regensburger Dom. Der neue Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller ließ den Bischofsstuhl mittig versetzen und das Chorgestühl nach hinten verlegen. Rund 130 000 Euro kostete die Maßnahme. Dafür hagelte es heftige Kritik. Da halfen die Klarstellungen, dass die hohen Kosten durch einen morschen Untergrund und nicht durch den Bischofsstuhl verursacht waren, nur wenig. Doch zunächst blieb es dabei, dass Kirchen keine Rechenschaft vor den Kirchensteuerzahlern ablegten. Bis der Limburger Bischof Tebartz-van Elst Schlagzeilen machte und die Zahl der Kirchenaustritte massiv anstieg. Als Konsequenz verordneten sich die Bistümer mehr Transparenz. Nach Köln, Paderborn und München-Freising hat nun auch Regensburg eine erste Zwischenbilanz seiner Vermögenswerte vorgelegt. Auf die Frage, ob Regensburg nun eine arme oder reiche Diözese sei, antwortete Generalvikar Michael Fuchs am Dienstag ausweichend. Das könne man erst 2018 sagen, wenn die Bilanzen für alle 15 Rechtsträger im Bistum vorliegen.

Mit der Kampagne „Jede Zahl hat ein Gesicht“ wird die Veröffentlichung der Bilanzen begleitet. Im Internet können die Berichte eingesehen und heruntergeladen werden. Man wolle damit mehr Transparenz „nach außen und nach innen“ erreichen, sagte Generalvikar Fuchs. Er stellte das bislang verfügbare Material unterstützt vom Bischöflichen Administrator Harald Eifler, dem stellvertretenden Finanzdirektor Wolfgang Bräutigam, dem Direktor der Schulstiftung, Johann Neumüller, und Stefan Baier, Rektor der Kirchenmusikhochschule vor. Neben der Bischöflichen Administration gaben bei der Pressekonferenz die Schulstiftung der Diözese und die Stiftung Kirchenmusikschule Regensburg die Herkunft und Verwendung ihrer Mittel sowie das Nettovermögen/Eigenkapital bekannt. Die Zahlen werden nach den Maßgaben des Handelsgesetzbuches erstellt.

Wie viel sind die Gebäude wert?

Der Politologe Carsten Frerk, der das Buch „Kirchenrepublik Deutschland“ geschrieben hat, sieht es positiv, dass das Bistum Regensburg auch seine Stiftungsvermögen offenlegt. „Das finde ich gut und das ist der Weg hin zu mehr Transparenz“, sagte er im Gespräch mit unserem Medienhaus. Allerdings sieht Frerk die Bilanzierung nach dem Handelsgesetzbuch kritisch. Auf diese Weise könne das Vermögen kleingerechnet werden, da Gebäude nach 40 bis 50 Jahren abgeschrieben seien und lediglich noch mit einem Erinnerungswert von einem Euro in den Bilanzen auftauchen.

Das Bistum in Zahlen

  • 1,2 Millionen

    katholische Gläubige

  • 769

    Pfarreien

  • 153,5 Millionen

    Euro wurden 2015 für die Seelsorge ausgegeben

  • 19 Millionen

    Euro flossen in die Kirchenrenovierungen

  • 560

    Wohnungen sind im Besitz der Kirche. Davon 491 in Regensburg.

  • 62 Millionen

    Euro. So hoch waren die Ausgaben für 14 Schulen mit ca. 6000 Schülern und 450 Lehrkräften.

  • 317 Millionen

    Euro wurden 2015 im Bistum Regensburg an Kirchensteuer eingenommen. (Quelle: Bistum Regensburg)

Einen Gebäude- und Grundstückskomplex wie das Diözesanzentrum Regensburg mit einem Wert zu beziffern sei schwierig, bestätigte der Bischöfliche Administrator Eifler. „Da haben wir bei einigen Gebäuden noch Klärungsbedarf“, räumte er ein. Genaue Zahlen, wie viele Gebäude es zu bewerten gebe, nannte er nicht. Dafür sprach er unter anderem von 7500 Gegenständen und 40 000 Kunstschätzen sowie Bildern und Verträgen, die in die Bilanzen Eingang finden sollen. Da Anschaffungsdaten hierzu selten vorliegen, werden die allermeisten Stücke mit einem Euro Erinnerungswert verbucht.

Bereits bilanziert sind die Werte der 560 Wohnungen im Besitz der Bischöflichen Administration sowie der Forstbesitz mit 1000 Hektar bewirtschaftetem Wald. Sie wurden mit 69 Millionen Euro bewertet. Weitere 28 Millionen Euro ergab die Veranlagung kirchlicher Gebäude, neun Millionen sind Finanzanlagen und 12 Millionen sonstiges Umlaufvermögen. Insgesamt liegt das Nettovermögen des Bischöflichen Stuhls bei 118,6 Millionen Euro. In dieser Summe sind auch enthalten die Bischöfliche Knabenseminarstiftung mit der Brauerei Bischofshof, die Bischof Graber Stiftung, die Besondere Klerikalseminarstiftung St. Jakob und die Bischöfliche Klerikalseminarstiftung St. Wolfgang sowie die Fides Beteiligungs- und Verwaltungsgesellschaft. Größter Einnahmeposten ist die Immobilienvermietung mit rund drei Millionen Euro, die höchsten Aufwendungen der Bischöflichen Administration verbuchen das Priesterseminar und die Bildungseinrichtungen in Johannisthal, Spindlhof, Werdenfels und Obermünster.

Die Schulstiftung der Diözese, die 2003 gegründet wurde, verfügt über ein Nettovermögen von 199,5 Millionen Euro. Derzeit werden 14 Schulen mit rund 6000 Schülern und rund 450 Lehrkräften und 150 Angestellten unterhalten. Rund 42 Millionen Euro kostet der Schulbetrieb, 80 Prozent davon werden vom Staat refinanziert. Weitere 3,3 Millionen zahlen die Eltern Schulgeld.

Restliche Zahlen liegen 2018 vor

Mit 4,4 Millionen Euro ist das Vermögen der Stiftung Kirchenmusikschule Regensburg im Verhältnis sehr klein. Rund 2,9 Millionen kostet der Betrieb für die 100 Studierenden sowie die ca. 80 bis 100 weiteren Schüler. 20 Professoren und Dozenten unterrichten an der Schule, dazu 46 Lehrbeauftragte. Außerdem sind zehn Verwaltungsangestellte beschäftigt. Finanziert wird die Schule hauptsächlich aus dem Betriebskostenzuschuss des Freistaates Bayern, der Bischöflichen Finanzkammer sowie einem überdiözesanem Fonds.

Im Jahr 2018, so kündigte Generalvikar Fuchs bei der Pressekonferenz an, werden dann alle 15 Rechtsträger auf die doppelte Buchführung nach dem HGB umgestellt sein. Dann werden auch die Haushalte für das Domkapitel, die Stiftung der Regensburger Domspatzen, die Katholische Jugendfürsorge und den Caritasverband bekanntgegeben.

Kommentar

Ein Anfang

Wie arm oder reich ist die Diözese Regensburg? Auch nach der Pressekonferenz am Dienstag kann diese Frage nicht beantwortet werden. Da sind andere Bistümer...

Transparenz bewies am Ende der Pressekonferenz Bistumssprecher Clemens Neck. Auf die Frage was der Internetauftritt zu „Jede Zahl hat ein Gesicht“ gekostet habe, sagte er: „Rund 60 000 Euro.“

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