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Bistum will Gewaltopfer entschädigen

In Regensburg wird ein Projekt gestartet, das massive Körperverletzung durch kirchliche Mitarbeiter aufarbeiten soll.
von Christine Straßer, MZ

Das Bistum Regensburg hat den Startschuss für ein neues Projekt zur Aufarbeitung von körperlicher Gewalt gestartet. Foto: dpa/Archiv
Das Bistum Regensburg hat den Startschuss für ein neues Projekt zur Aufarbeitung von körperlicher Gewalt gestartet. Foto: dpa/Archiv

Regensburg.Das Bistum Regensburg hat am Montag mit dem Startschuss für ein Projekt zur Aufarbeitung von Körperverletzung aufhorchen lassen. Es lässt nun alle, die als Minderjährige Opfer von massiver körperlicher Gewalt durch kirchliche Mitarbeiter wurden, auf eine finanzielle Entschädigung hoffen. In seiner Art ist das Regensburger Projekt ohne Vorbild, wie Bistumssprecher Jakob Schötz auf Anfrage unseres Medienhauses sagte.

Ähnliche Entschädigungsregelungen gab es bislang nur für Opfer sexuellen Missbrauchs. Dieses neue Projekt ist, wie das Bistum in einer Mitteilung schreibt, „aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre bei der Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch und aus den Erfahrungen mit der Vergangenheit der Domspatzen entstanden.“ Die Auseinandersetzung mit diesen Fällen habe gezeigt, dass sexueller Missbrauch oftmals einhergehe mit körperlichen Misshandlungen und dass körperliche Misshandlung und sexueller Missbrauch teilweise nur schwer zu trennen sind, wie Bistumssprecher Schötz ausführte. Ehemaliger Schüler der Regensburger Domspatzen konnten daher bereits wegen körperlicher Misshandlung eine Anerkennungszahlungen, wie es das Bistum nennt, bekommen.

Straftaten erheblichen Ausmaßes

Mit dem neuen Projekt wird der Personenkreis vergrößert. Aufgerufen, sich zu melden, sind alle Menschen, die in Schulen oder anderen Bildungseinrichtungen der Kirche, massive Körperverletzungen erlitten haben. Insbesondere geht es um Taten, die strafrechtlich nicht mehr verfolgt werden können, weil sie entweder bereits verjährt sind oder der Täter gestorben ist. Es handelt sich Schötz zufolge um Straftaten, die so erheblich sind, dass sie auch weit über das sogenannte Züchtigungsrecht hinausgehen, das bis in die 1970er Jahre als legitimes Erziehungsmittel galt.

Für die Opfer massiver körperlicher Gewalt will das Bistum Anerkennungszahlungen gewähren, die bis zu 5000 Euro betragen können. In Einzelfällen könnten, wie Schötz ausführte, aber angesichts der Schwere der Tat oder der besonders schwerwiegenden Folgen für das Opfer auch höhere Beträge zuerkannt werden.

Antragsformular im Internet

Das Projekt soll zunächst eineinhalb Jahre laufen. Nähere Informationen und das Antragsformular hat das Bistum auf seiner Internetseite veröffentlicht. Ansprechpartner ist der Nürnberger Rechtsanwalt Andreas Scheulen. Er nimmt die Anträge, in denen Angaben zu Täter, Tatort, Tatzeit, Tathergang und Beweismittel abgefragt werden, entgegen, wie Bistumssprecher Schötz erläutert. Scheulen soll die Anträge an die Stabsstelle des Bistums für Kinder- und Jugendschutz weiterleiten, wo die Vorgänge dokumentiert werden. Dann schätzt ein unabhängiger Rechtsanwalt ein, wie plausibel die geschilderten Vorgänge sind und er gibt gegebenenfalls eine Empfehlung zur Höhe einer Geldzahlung ab. Danach entscheidet das Bistum.

Lesen Sie auch unseren Artikel zum Zwischenbericht des Bistums Regensburg zu Beschuldigungen von Straftaten körperlicher Gewalt.

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