MyMz

Sanierung

Carolinenhütte steht nicht mehr im Feuer

Nach der Insolvenz ist das Traditionsunternehmen endgültig gerettet. Die Geschäftsführung denkt bereits an Investitionen.
Von Wolfgang Ziegler, MZ

In dem Familienbetrieb aus Kallmünz mit einer rund 300 Jahre langen Tradition stehen jetzt auch Modernisierungsmaßnahmen auf der Agenda.
In dem Familienbetrieb aus Kallmünz mit einer rund 300 Jahre langen Tradition stehen jetzt auch Modernisierungsmaßnahmen auf der Agenda.

Kallmünz.Gute Nachrichten aus der Carolinenhütte: Das Unternehmen aus Kallmünz (Landkreis Regensburg), eine der ältesten noch bestehenden Eisengießereien Bayerns, ist nach erfolgreicher Sanierung endgültig gerettet. Wie am Mittwoch bekannt wurde, wird das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung in Kürze beendet. Damit kann der Betrieb mit einer rund 300 Jahre alten Tradition nun wieder eigenverantwortlich am Markt agieren, bleibt weiterhin in den Händen der Familie Höllein und wird in fünfter Generation unter der neuen Firmierung Carolinenhütte GmbH weitergeführt. Besonders erfreulich: 73 von ehemals 110 Arbeitsplätzen konnten erhalten werden.

Der Gläubigerausschuss hatte dem Sanierungsplan für die Raimund Höllein Carolinenhütte GmbH & Co. KG bereits am 13. April 2017 zugestimmt. Nach der formalen Bestätigung durch das Amtsgericht Regensburg tritt der Plan in Kraft, womit das Verfahren dann beendet ist.

Die Geschäftsführung der Carolinenhütte hatte 2015 Mut bewiesen und einen außergewöhnlichen Weg beschritten, als sie im November beim Amtsgericht Regensburg einen „Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens unter Anordnung der Eigenverwaltung“ gestellt. Bei der Eigenverwaltung handelt es sich um eine neue Verfahrensart im deutschen Insolvenzrecht. Das Prinzip ist eine durch die Geschäftsführung gesteuerte Sanierung unter dem Schutz und mit den Sanierungsinstrumenten der Insolvenzordnung. Das Ziel ist die nachhaltige Sanierung eines Unternehmens in enger Abstimmung mit den Gläubigern.

Sachwalter sieht Perspektiven

Auslöser für die Schieflage der Carolinenhütte war seinerzeit die Pleite der Schwestergesellschaft BMB Burglengenfelder Maschinenfabrik. Diese war Mitte 2014 in die Insolvenz geraten. Die Burglengenfelder Maschinenfabrik war 2008 gegründet und insbesondere durch Bankdarlehen finanziert worden, für die die Carolinenhütte teilweise mithaftete. Durch die Zahlungsunfähigkeit der Schwestergesellschaft sah sich die Carolinenhütte deshalb erheblichen finanziellen Verpflichtungen ausgesetzt, was letztlich auch zum Insolvenzantrag der Carolinenhütte führte.

Als Sachwalter des Verfahrens agierte Rechtsanwalt Dr. Stefan Debus von der auf Insolvenzverwaltung spezialisierten Kanzlei Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen. Er sieht auf der Grundlage der nachhaltigen Sanierung gute Aussichten für eine langfristige Fortführung des Geschäftsbetriebs: „In den knapp eineinhalb Jahren seit Insolvenzantragstellung ist allen Beteiligten eine beachtliche Sanierungsleistung gelungen“, sagte er unserem Medienhaus. Belegschaft, Betriebsrat und Gläubigerausschuss sowie Banken hätten sich dabei sehr kooperativ gezeigt. Nicht zuletzt deshalb hätten die tiefgreifenden Sanierungsmaßnahmen erfolgreich umgesetzt werden können, so Dr. Debus.

Das Unternehmen

  • Der Familienbetrieb

    wurde im 17. Jahrhundert gegründet und ist eine der ältesten noch bestehenden Eisengießereien Bayerns.

  • Im Jahr 1885

    wurde die Carolinenhütte von der Familie Höllein übernommen und wird heute in fünfter Familiengeneration geführt.

  • Gefertigt werden

    in dem Unternehmen hochwertige Gussteile und Spezialanfertigungen unter anderem für den Turbinen-, Schiffs- und Maschinenbau, womit vorrangig die Absatzmärkte in Deutschland, Österreich und der Schweiz beliefert werden.

  • Nach der Sanierung

    beschäftigt die Carolinenhütte an ihrem Stammsitz in Kallmünz im Landkreis Regensburg noch 73 Mitarbeiter.

Diese Maßnahmen umfassten unter anderem einen Abbau des Personals, eine Ausgliederung der sogenannten Guss-Putzerei, eine Umwandlung von fixen in variable Kosten und die Schaffung einer breiteren Kundenbasis. Im Gespräch mit unserem Medienhaus freute sich Geschäftsführer Maximilian Höllein, der das Unternehmen gemeinsam mit seiner Schwester Caroline leitet, vor allem darüber, dass es gelungen sei, im vergangenen Jahr trotz des schwierigen Umfelds mehr als 20 Neukunden zu gewinnen. Dadurch sei die Carolinenhütte nicht mehr von wenigen Großkunden abhängig und besser für den schwierigen Wettbewerb in der Gießereibranche gerüstet, sagte er.

Außerdem werde sich das Unternehmen nach Hölleins Worten künftig verstärkt als Systemanbieter positionieren: Den Begriff Systemanbieter definiert er dabei als die Realisierung aller Maßnahmen von der Konstruktionsberatung und der Gusssimulation über die Modellerstellung und den Guss selbst bis hin zur Lieferung von mechanisch bearbeiteten und einbaufertigen Teilen. „Und diese sollen nicht nur gut ausschauen, sondern auch praktisch anwendbar und günstig im Preis sein“, so sein eigener Anspruch.

Ein „außergewöhnlicher Kraftakt“

Um die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens langfristig zu sichern, plant Höllein am Standort Kallmünz auch größere Investitionen in die Erneuerung und Modernisierung der Betriebsanlagen. Im Einzelnen solle die Gattierung, also die Zusammenstellung des Schmelzmaterials vor dem eigentlichen Schmelzvorgang, optimiert und schließlich automatisiert werden. Außerdem sollen nach den Worten des Geschäftsführers neue Lagerhallen entstehen und ein neuer Durchlaufmischer angeschafft werden – „alles Investitionen, die das Unternehmen produktiver machen“, so Höllein. Dafür will die neue Carolinenhütte insgesamt rund eine Viertelmillion Euro ausgeben.

Dass all dies möglich sei bzw. möglich gemacht werden könne und das Familienunternehmen letztlich habe gerettet werden können, sei nach Höllein Worten auch der Loyalität von Lieferanten und Kunden zu verdanken. „Wir haben in der Zeit der Insolvenz keinen einzigen Kunden verloren und konnten die pünktliche Belieferung durch unsere Lieferanten durchgehend aufrechterhalten. Ohne ihre Unterstützung wäre eine Sanierung in dieser Form nicht möglich gewesen.“ Besonders dankte er aber der Belegschaft und dem Betriebsrat, die den Prozess sehr kooperativ begleitet hätten und trotz schmerzhafter Eingriffe, etwa beim Personalabbau, deren Notwendigkeit erkannt und anerkannt hätten. Nur dadurch habe der „außergewöhnliche Kraftakt“ letztlich gelingen können.

Mehr Wirtschaftsnachrichten finden Sie hier.

Aktuelles aus der Region und der Welt gibt es über WhatsApp direkt auf das Smartphone: www.mittelbayerische.de/whatsapp

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht