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Veranstaltungen

Das Fest der alten Bräuche

Pfingstbrauchtum wird am Wochenende in Ostbayern lebendig. Uralte Traditionen locken Tausende von Besuchern.
von Melanie Bäumel-Schachtner

Beim Englmarisuchen wird jedes Jahr der Leichnam des seligen Englmars gesucht und geborgen. Foto: Touristinfo
Beim Englmarisuchen wird jedes Jahr der Leichnam des seligen Englmars gesucht und geborgen. Foto: Touristinfo

Regensburg.Eine lange Kerze, die den Berg hinaufgetragen wird, ein bunter Zug von Rössern durch eine Kurstadt, die Suche nach einem Heiligen, der im Wald erschlagen wurde, und rasante Rennen schneller Vierbeiner: Pfingsten ist in der Region das Fest der Bräuche. Mehrere Traditionsveranstaltungen locken in Ostbayern Tausende von Besuchern an. So findet am Sonntag die Holzkirchener Kerzenwallfahrt auf den Bogenberg statt, am Montag der Pfingstritt in Bad Kötzting und das Englmarisuchen in Sankt Englmar und ebenfalls am Montag sowie am Dienstag die Pfingtsrennen auf der Pfarrkirchner Trabrennbahn, die im Rottal wie ein Volksfest gefeiert werden.

Im vergangenen Jahr wurde die Holzkirchener Kerzenwallfahrt vom damaligen Heimatminister Markus Söder (CSU) mit dem Heimatpreis ausgezeichnet. Auch heuer machen sich am Pfingstsamstag die Gläubigen aus dem Landkreis Passau auf, einen 13 Meter langen und einen Zentner schweren Fichtenstamm, mit rotem Wachs ummantelt, auf den Bogenberg im Landkreis Straubing-Bogen zu tragen. Unterwegs kann diese Kerze, auch „lange Stang“ genannt, auf vielen Schultern ruhen. Doch nach der Ankunft in der Stadt Bogen den Berg hoch, das steile Stück, muss ein einziger Bursch die Kerze senkrecht schleppen, immer nur wenige Meter. Geht der Stamm dabei zu Bruch, bedeutet dies Krieg.

Mehr als ein halbes Jahrtausend ist diese Tradition alt. Um das Jahr 1475, es gibt mehrere Aufzeichnungen, litten die Holzkirchener unter einer Borkenkäferkatastrophe, die Existenzen zu zerstören drohte. Sie legten das Gelübde ab, alljährlich eine Kerze auf den Bogenberg zu tragen, wenn die Plage ein Ende findet. Sie fand ein Ende, und die Holzkirchner hielten Wort.

Bittprozession in Sankt Englmar

Ebenfalls religiöses Brauchtum steckt hinter dem Englmarisuchen in Sankt Englmar am Pfingstmontag. Hier wird der Geschichte des seligen Englmars, des Volksheiligen des höchstgelegenen Bergdorfes des Bayerischen Waldes, nachgespürt. Ende des 11. Jahrhunderts errichtete Englmar an der höchsten Stelle des Bayerweges eine Klause, betete und arbeitete und gewann sich durch seine Frömmigkeit viele Freunde. Doch er hatte auch Neider: Ein Gefährte erschlug ihn aus Missgunst um die Weihnachtszeit des Jahres 1100 und bedeckte den Leichnam mit Schnee und Reisig. Ein Priester fand am Pfingstfest des gleichen Jahres den Toten, ließ ihn zu Tal bringen und bestatten. Dies wird jedes Jahr nachgespielt. Tausende Besucher erleben stets das Schauspiel, wenn der Zug mit Menschen in historischer Kleidung am Fuße des Kapellenberges ankommt – mit Reitern und Fußvolk, wenn ein Jäger den Leichnam des Seligen in Form einer überlebensgroßen Holzfigur im Wald unter Reisig sucht, den „Toten“ findet und birgt. Anschließend wird die Englmar-Figur auf einen Ochsenwagen gebettet und in einer Bittprozession in die Pfarrkirche gebracht.

Ein weltliches Spektakel sind die Pfingstrennen auf der Pfarrkirchener Trabrennbahn. Am Pfingstmontag und -Dienstag finden auf der ältesten Trabrennbahn Deutschlands unter dem Jubel von mehreren tausend Besuchern spannende Duelle pfeilschneller Vierbeiner statt, auf die auch gewettet werden kann. Am Montag stehen die Amateurfahrer im Mittelpunkt, am Dienstag, dem Pfarrkirchener Nationalfeiertag, wird das auch heuer wieder mit 20.000 Euro dotierte Bayerische Zuchtrennen mit internationaler Besetzung ausgetragen. Favorit ist heuer ein Pferd im Rottaler Besitz: Azimut kann heuer für einen echten Pfarrkirchener Erfolg sorgen.

Pfingstritt in Bad Kötzting

Ebenfalls am Pfingstmontag findet in Bad Kötzting der Pfingstritt statt. Er gilt als eine der größten berittenen Bittprozessionen Europas und geht auf ein Gelöbnis aus dem Jahre 1412 zurück. Damals, so besagt die Legende, lag in Steinbühl rund sieben Kilometer von Bad Kötzting entfernt, ein Mann im Sterben. Er bat um die Sterbesakramente, doch der Pfarrer wollte sich nicht ohne Schutz dorthin begeben. Also gaben ihm junge Kötztinger zu Pferde Geleit. Alle kehrten wohlbehalten zurück, und so wurde beschlossen, den Ritt Jahr für Jahr zu wiederholen. Über 900 Reiter ziehen betend auf fein herausgeputzten Pferden durchs Zellertal nach Steinbühl. Mitreiten dürfen nur Männer.

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