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Das Publikum wollte sie nur lustig

Die 3 lustigen Moosacher waren Showprofis – selbst nach einem Mord im Familienkreis gönnten sie sich keine Pause.
Von Katia Meyer-Tien, MZ

  • Die Drei lustigen Moosacher waren mit allen Größen des Musikgeschäfts auf der Bühne, sie verkauften ihre Platten in 47 Länder.Fotos: Privat/Schneider

München.Ihre Berufskleidung waren die Lederhosen, man kannte sie kartendreschend und Masskrug prostend, sie sangen über Knödl, Brotzeit und Radl: Als lebendig gewordene Bilderbuchbayern eroberten die 3 lustigen Moosacher die Bühnen der Welt.

„Wir haben einfach gemacht, was uns Spaß macht. Und was den Leuten gefallen hat“, sagt Rudolf Waggi Schneider, und der muss es wissen, schließlich ist er einer der Drei Lustigen Moosacher. Der einzig echte sogar, wenn man es genau nimmt, denn er ist der einzige, der tatsächlich in Moosach geboren ist. Doch es reicht ja auch, dass die drei zusammen kamen, als Waggi 1952 mal im Moosacher Kino war und dort auf seinen Freund Georg Niedermeier traf. Der wiederum hatte mit Hans Döring einen Auftritt beim Moosacher Faschingsball – und dafür nur einen 83-jährigen Bassisten gefunden. „Ich spiele Bass“, sagte Waggi, zahlte dem Senior 20 Mark, damit der ihn an seiner statt spielen ließ, und die drei Moosacher hatten sich gefunden.

Ein typischer Münchner

Rudolf Waggi Schneider sitzt in seiner selbstgezimmerten Laube in einem kleinen Ort unweit von München. Dass er mittlerweile selbst 81 Jahre alt ist, sieht man ihm nicht an. Er treibt viel Sport, fährt Ski, im Juni erst hat er den Seniorenrekord im Viermal-Hundertmeter-Staffellauf gebrochen. Neben seiner Laube blühen die Blumen. Salatköpfe, Zucchini und Gurken wachsen in dem kleinen Gärtchen, das zu dem beschaulichen Häuschen gehört. Es ist nicht der Ort, an dem man einen Mann erwartet, der in seinem Leben fünf Millionen Platten verkauft hat, und doch ist es genau der Ort, zu dem Waggi Schneider passt. Fragt man ihn, was seine Freunde Hans und Schorsch für Menschen waren, dann überlegt er, denkt noch einmal nach und sagt dann: „Typische Münchner“. Ehrlich, gradlinig, heimatverbunden. Wie er.

Sie passten gut zusammen, machten Musik, spielten auf Hochzeiten, ergatterten ein Engagement beim Bayerischen Rundfunk. Waggi machte Abitur, wollte Sport studieren und arbeitete dann doch als Disponent. Auch Hans und Schorsch arbeiteten, der eine als Elektriker, der andere als Installateur, bis die Sache mit der Musik so groß wurde, dass die drei 1958 beschlossen, es als Profimusiker zu versuchen. Was Waggi Schneider schwerfiel. Doch bereut hat er es nie, denn es ging weiter bergauf. Es sei dann einer aus Norddeutschland gekommen, der wollte mit ihnen eine Platte machen, dafür sollten sie aber Gesang studieren, erzählt er, und so machten sie noch eine Ausbildung als Opernsänger, nebenbei. Schneider grinst, als ihm eine Anekdote einfällt: Arrangeure seien so teuer, habe der Plattenproduzent des damals noch jungen Labels Ariola ihnen gesagt: „Aber ich habe da einen in Hamburg, das ist der Billigste und der Beste.“ Schneider lacht jetzt: „Wissen Sie wer das war? Der James Last!“ So ging es weiter, in den kommenden Jahren standen sie mit allen Größen des Musikgeschäfts auf der Bühne, sie verkauften ihre Platten in 47 Länder, standen an 300 Tagen im Jahr im Scheinwerferlicht. Bald nicht nur mit Musik, auch ihre Stammtischplatten, auf denen sie Witze vortrugen, verkauften sich gut: Die Leute lachten.

Ernstere Stücke kamen nicht an

Die Moosacher waren Ideal und Klischee, sie spielten ihre Rolle und waren doch eins mit ihr. Die Texte für ihre Lieder schrieben sie selber. Die Brotzeit-Polka, Engerl samma olle net, Die Goaß ist weg. In späteren Jahren probierten sie es auch mal mit ernsteren Stücken, aber die kamen nicht an, sagt Waggi Schneider: „Die Leute wollen lachen.“

Es gab eine Zeit, da ist ihm die Rolle des ewig lustigen Moosachers schwer gefallen, erzählt Schneider dann. Als seine erste Frau ermordet worden war, 1968 war das. Und er wenige Monate später wieder auf der Bühne stand, „nur für die anderen. Wenn die nicht gewesen wären, dann wäre ich ein Jahr daheim geblieben.“ Er blickte in die Gesichter der Menschen vor sich, sah ihnen an, dass alle wussten, was passiert war. Und dass sie trotzdem lachen wollten. Mit ihm. „Das war schwer.“

Er hat weitergemacht. Und schrieb wenig später den wohl größten Hit des Trios: Ja, mir san mit’m Radl da. Die Melodie hatte der Produzent mitgebracht, knapp eine Stunde brauchte Waggi zum Texten, dann hatte er das Gefühl, „das könnte ein Hit werden“.

„Es gab so viele Höhepunkte“, sagt Waggi Schneider heute: 47 Jahre Musikgeschichte, mal auf den Fernsehbühnen, mal auf Kreuzfahrtschiffen, mal angefeindet, mal beneidet, immer erfolgreich. Bis vor 15 Jahren, als in der Silvesternacht Hans Döring plötzlich starb, auf dem Weg zum Tanzen. „Wie ein Hammerschlag“, sagt Waggi. Zu zweit weitermachen kam für die Übriggebliebenen nicht in Frage. Die Zeit der lustigen Moosacher war vorbei. Vier Jahre später musste Waggi dann auch seinen zweiten Freund begraben.

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