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Bildung

Digitale Kompetenz für die Schulen

Lehrer sollen neben Deutsch, Mathe und Co. auch Medienkompetenz unterrichten. Der Lehrermedientag der MZ vermittelte Wissen.
Von Antonia Küpferling

Gedächtnistrainer André Sterner zeigte, mit welchen einfachen Übungen lernen Spaß machen kann. Foto: Küpferling
Gedächtnistrainer André Sterner zeigte, mit welchen einfachen Übungen lernen Spaß machen kann. Foto: Küpferling

Regensburg.Kinder und Jugendliche sind ständig online. Ob zum Chatten, Spielen oder Videos schauen – nahezu alle jungen Menschen zwischen 14 und 24 Jahren nutzen das Internet täglich. Einer aktuellen Studie zufolge können sich 68 Prozent der Jugendlichen ein Leben ohne Internet nicht mehr vorstellen, 99 Prozent sind jeden Tag im Netz unterwegs.

Die digitale Medienwelt bringt viele Herausforderungen mit sich. Beim diesjährigen Lehrermedientag, den die Mittelbayerische Zeitung am Mittwoch in den Räumen des Pindl Gymnasiums Regensburg ausrichtete, ging es daher vor allem um die Frage, wie Lehrer ihre Klassen sicher durch den Mediendschungel führen können. Die Lehrkräfte hörten Vorträge von MZ-Redakteuren und externen Medien-Experten.

Mathias Wagner, der Social-Media-Experte der Mittelbayerischen. Foto: Krenz.
Mathias Wagner, der Social-Media-Experte der Mittelbayerischen. Foto: Krenz.

Ein wichtiges Thema beim Lehrermedientag waren Cybermobbing und Hate Speech. Dazu diskutierte Mathias Wagner, der Social-Media-Experte der Mittelbayerischen, mit dem Schulleiter des Pindl-Gymnasiums, Bernd Ackermann, und mit Dr. Hermann Scheuerer-Englisch, dem Leiter der Erziehungsberatungsstelle der Katholischen Jugendfürsorge Regensburg. Wagner erzählte, wie er bei seiner Arbeit als Journalist fast täglich mit Beleidigungen und Hass bei Facebook und anderen sozialen Netzwerken konfrontiert wird. Bei manchen Themen, wie etwa Geschichten über Tiere im Zoo, wisse er schon vorher, dass er die Kommentare bei Facebook gut im Auge behalten muss, weil mehr als nur kontrovers diskutiert werden wird.

Cybermobbing im Fokus

Bei der Podiumsdiskussion ging es auch um Mobbing. Die Beleidigungen beginnen oft in der realen Welt. „In der Grundschule merken Kinder, die gehänselt werden, dass da andere Kinder sind, vor denen sie Angst haben“, sagte Scheuerer-Englisch von der Lehrerberatungsstelle. Ein Smartphone haben in dem Alter viele noch nicht. In der weiterführenden Schule hat dann fast jeder ein Handy. „Dann wird für die Jugendlichen alles immer digitaler. Damit steigt die Gefahr des Cybermobbings“, beobachtet der Experte.

Nicht nur Schüler werden über Facebook, WhatsApp und Co. gehänselt. Auch Lehrkräfte müssen sich heutzutage einiges gefallen lassen. Ackermann vom Pindl-Gymnasium erzählte von einem Schüler, der bei Instagram einen Fake-Account mit dem Namen eines Lehrers erstellt hat. „Er hat unter dem Namen unseres Lehrers Sachen gepostet wie: ‚Heute bin ich schon wieder besoffen in den Unterricht gekommen.‘“ Diese Diffamierung ist kein Einzelfall, wie andere Lehrkräfte während des Lehrermedientags im Gespräch mit unserem Medienhaus erzählten.

Konsequenzen bewusst machen

Für Schüler sei sowas manchmal einfach ein lustiger Scherz. Scheuerer-Englisch von der Erziehungsberatungsstelle betont: „Es ist wichtig, dass die Kinder dann schnell merken, wo die Grenzen sind. Sie müssen wissen, dass Mobbing nicht lustig ist, sondern bitterer Ernst.“ Wenn es zu schlimm werde, müsse man über strafrechtliche Konsequenzen nachdenken und rechtzeitig die Polizei einschalten.

Neben Cybermobbing ging es beim Lehrermedientag auch darum, wie Journalisten im digitalen Zeitalter arbeiten. Andrea Jakob, die stellvertretende Chefredakteurin der MZ, erzählte den Lehrkräften, wie die Digitalisierung die Medienproduktion verändert. Heutzutage werden zum Beispiel die Texte erst für das Online-Portal und danach für die Tageszeitung aufbereitet. Im Netz werden die Geschichten zudem mit Extra-Elementen wie Videos oder Bildergalerien versehen.

Der Lehrermedientag

Claudia Bockholt, Leiterin des MZ-Newsrooms, sprach in einem Workshop über die Gefahr durch Fake News und wie man sie erkennen kann. Parallel erklärte Sarah Kraus von der Regensburger Polizei, wie Präventionsarbeit im Netz funktioniert. Sie erläuterte unter anderem, welche Folgen die Veröffentlichung von Bildern und Daten im Internet haben kann. Und Jakob Müller vom Pindl Gymnasium zeigte interessierten Lehrern, wie der Unterricht mit Tablets gelingen kann.

Tablets, Handys und Computer sorgen auch dafür, dass wir uns heute immer weniger selbst merken. Ganz nach dem Motto: Google weiß im Zweifel sowieso Bescheid. Wie lernen ganz ohne Internet Spaß machen kann, erklärte der Gedächtnistrainer André Sterner. Mit einer einfachen Übung zeigte er den Lehrern, wie sie sich in wenigen Minuten alle sieben modernen Weltwunder merken können. Die Übung ist so simpel aber effektiv, dass auch Schüler sie schnell lernen und damit gut arbeiten können – sogar ganz ohne WLAN.

Der Lehrermedientag

  • Veranstaltung:

    Der Lehrermedientag fand am 21. November 2018 in Bayern in Kooperation mit 15 Medienhäusern statt. Es geht bei der Fortbildungsveranstaltung darum, wie Lehrer ihre Schüler im Umgang mit digitalen Medien unterstützen können. Teilnehmen konnten Lehrer aller Schularten und aller Altersklassen. Initiator ist der Verband Bayerischer Zeitungsverleger (VBZV).

  • Medienprojekt:

    Die Mittelbayerische Zeitung bietet seit Jahren außerdem die Medienprojekte „Zeitung in der Schule“ und „Zeitung in der Grundschule“ an. Teilnehmende Klassen bekommen die MZ kostenlos geliefert. Auch Unterrichtsmaterial wird kostenlos zur Verfügung gestellt. MZ-Redakteurin Louisa Knobloch betreut das Projekt redaktionell: louisa.knobloch@mittelbayerische.de

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