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Soziales

Eine Chance für chancenlose Frauen

Ab sofort gibt es in Regensburg eine Beratungsstelle für Frauen in besonderen Zwangslagen – dank der Katholikentagskollekte.
von Christine Straßer, MZ

Bischof Rudolf Voderholzer gab der Beratungsstelle den Segen und brachte der Beratungsstellenleiterin, Simone Seebauer (Mitte) und der KDFB-Diözesanvorsitzenden Karin Schlecht ein Kreuz mit.
Bischof Rudolf Voderholzer gab der Beratungsstelle den Segen und brachte der Beratungsstellenleiterin, Simone Seebauer (Mitte) und der KDFB-Diözesanvorsitzenden Karin Schlecht ein Kreuz mit. Foto: Tino Lex

Regensburg.Der Katholikentag wirkt in Regensburg ganz konkret weiter. Am Freitag wurde die neue Solwodi-Beratungsstelle unweit des Bahnhofs eingeweiht. Bischof Rudolf Voderholzer segnete die Räumlichkeiten. Eingerichtet werden konnte dieser Zufluchtsort für Frauen in Not dank der Katholikentagskollekte über mehr als 50 000 Euro, die vom Bistum um 40 000 Euro aufgestockt wurde – und dem tatkräftigen Einsatz vieler Frauen um Karin Schlecht, der Diözesanvorsitzenden des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB).

Mit Franziskus an den Rand gehen

Simone Seebauer leitet die neue Solwodi-Beratungsstelle in Regensburg.
Simone Seebauer leitet die neue Solwodi-Beratungsstelle in Regensburg. Foto: Tino Lex

Nach dem offiziellen Start geht es nun auch richtig los mit der Arbeit für Simone Seebauer, die Leiterin der neuen Beratungsstelle. Seit Mai hat sie bereits in anderen Solwodi-Beratungsstellen – in Bayern gibt es noch vier weitere – hospitiert und ihre Kolleginnen dort kennengelernt. Bischof Voderholzer räumte augenzwinkernd ein, dass sein Segen nicht die Haushaltsversicherung ersetzen könne, aber er werde zum guten Gelingen der Arbeit beitragen. Die Nähe zur Grenze nach Tschechien rücke das Thema Menschenhandel und Zwangsprostitution in unmittelbare Nähe. „Wir sind der Meinung, dass das ein Ort ist, wo Kirche gefragt ist“, sagte Voderholzer. „Das ist der Rand, an den uns Papst Franziskus schickt.“

Ein Geschäft, das Familien zerstört

Schwester Lea Ackermann hat Solwodi gegründet.
Schwester Lea Ackermann hat Solwodi gegründet. Foto: Tino Lex

Mit Schwester Lea Ackermann zeigt sich der Bischof einig, dass sich keine Frau gerne oder gar völlig freiwillig in so eine Situation bringe. Die Ordensfrau rief das Hilfsprojekt Solwodi (Solidarity with Women in Distress – Solidarität mit Frauen in Not) ins Leben. Sie kritisierte, dass Regierende „dieses Geschäft legalisieren und zu einem Beruf machen“ wollen, denn dieses Geschäft machen Frauen und Kinder kaputt. Das Bestreben von Solwodi sei es chancenlosen Frauen zumindest diese eine Chance zu geben. Sie selbst könne oft gar nicht fassen, wie sich Solwodi seit der Gründung vor 30 Jahren entwickelt habe. „Aber wenn Gott sieht, dass wir für seine chancenlosen Töchter anpacken, dann hilft er uns“, sagte Ackermann.

Das ist Solwodi

  • Der Gründungsgedanke:

    Die Ordensschwester Dr. Lea Ackermann hat die Organisation Solwodi 1985 in Kenia gegründet, weil sie mit dem Leid der Prostituierten direkt konfrontiert war. Frauen, die vor der Perspektivlosigkeit in der Provinz in die Großstadt geflohen waren, gerieten dort oftmals in große Bedrängnis. Um sich und ihre Kinder durchzubringen, waren sie gezwungen, ihre Körper für wenig Geld an Einheimische, Seeleute und Touristen aus den reichen Industrienationen zu verkaufen. Ackermann wollte sich für diese Frauen einsetzen. Die Abkürzung Solwodi steht für „Solidarity with Women in Distress“ (Solidarität mit Frauen in Not).

  • Engagement in Kenia:

    In der Sextourismus-Hochburg Mombasa gründete Ackermann ein Frauenzentrum. Ein Lagerhaus wurde zu einer Bildungs- und Arbeitsstätte für den Ausstieg aus der Prostitution umfunktioniert. Mittlerweile ist Soldwodi in Kenia eine Nichtregierungsorganisation. Außer der psychosozialen Betreuung, gesundheitlichen Aufklärung und juristischen Beratung gehört es zu den Aufgaben von Solwodi Kenia, Prostituierten Berufsausbildungen zu ermöglichen und Mikrokredite für Existenzgründungen zu finanzieren. Zudem entstand 2002 in Mombasa Solgidi (Solidarity with Girls in Distress – Solidarität mit Mädchen in Not) für Töchter von Prostituierten.

  • Engagement in Deutschland:

    In Deutschland wurde 1987 ein Verein Solwodi gegründet, der sich für Migrantinnen in Notsituationen engagiert. Vor allem Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution, aber auch Opfer von Beziehungsgewalt sowie von Zwangsheirat bedrohte oder aus Zwangsehen geflohene Frauen und Mädchen finden eine Anlaufstelle.

  • Engagement in Bayern:

    In Bayern ist Regensburg nach Augsburg, München, Bad Kissingen und Passau nun die fünfte Stadt, in der sich eine Beratungsstelle von Solwodi befindet. In Bad Kissingen und Passau hat Solwodi auch eigene Schutzwohnungen.

Die Regensburger Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer freute sich, dass mit der Solwodi-Beratungsstelle eine Lücke im Angebot in der Oberpfalz geschlossen werden könnte. In dem anonymen, aber zentral gelegenen Bürogebäude in der Maierhofstraße finden Opfer von Zwangsprostitution, aber auch Frauen, die von einer Zwangsheirat bedroht sind, Hilfe. Von Montag bis Freitag soll die Beratungsstelle von 10 bis 15 Uhr künftig besetzt sein. Keine Frau soll ausgeschlossen werden. Ein Schwerpunkt wird aber auf der Beratung von Migrantinnen liegen. Bischof Voderholzer merkte an, dass in diesen Räumen viel „gesprochen, geplant, vielleicht auch geweint“ werden wird. Zusammen mit der Hoffnung, dass auch viele Lichtblicke von hier ausgehen, hatte der Regensburger Oberhirte auch noch zwei Geschenke dabei: ein von der katholischen Jugendhilfe entworfenes und gefertigtes Kreuz und einen Scheck über 5000 Euro als Zuschuss für die Miete.

Meldungen vom Katholikentag 2014 in Regensburg können Sie hier nachlesen.

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