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Festgelegt auf den Typ starke Frau

Originale: Barbara Rudnik mimte stets die kühle Schöne. Auch ihre Krebserkrankung überspielte sie zwei Jahre lang.
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

In der Krimireihe „Solo für Schwarz“ spielte Barbara Rudnik eine Polizeipsychologin. Noch bis vier Wochen vor ihrem Tod stand die Schauspielerin vor der Kamera, um neue Folgen zu drehen.
In der Krimireihe „Solo für Schwarz“ spielte Barbara Rudnik eine Polizeipsychologin. Noch bis vier Wochen vor ihrem Tod stand die Schauspielerin vor der Kamera, um neue Folgen zu drehen. Foto: ZDF

München.Da hat sie nun diesen Mann mit dem dicken Bauch und dem abgewetzten Hut mit in ihr Münchner Nobel-Appartement genommen. Sie, die wunderschöne Frau, die „Königin der Nacht“, die zur Trophäe für „Sir Quickly“ wurde, weil der beim Hippie-Fest einen wilden Bären besänftigt hatte. Die Rolle der schönen und erfolgreichen Frau hat die Schauspielerin Barbara Rudnik unzählige Male verkörpert. Mit ihren blonden Haaren und den eisig-blauen Augen galt sie als Idealbesetzung für kühle Frauentypen. Kultregisseur Franz Xaver Bogner sah in ihr aber mehr. In der Serie „Irgendwie und Sowieso“ ließ er sie von der unnahbaren „Gräfin“ zur verständnisvollen Freundin werden, die „Sir Quickly“ die Angst vor den Frauen nahm. Ängste nehmen wollte die Schauspielerin auch nach ihrer Brustkrebsdiagnose. Da konnten ihr selbst die Ärzte schon nicht mehr helfen.

Als „Gräfin“ in der Kultserie „Irgendwie und Sowieso“
Als „Gräfin“ in der Kultserie „Irgendwie und Sowieso“ Foto: BR

Obwohl sie bis heute mit der urbayerischen Serie „Irgendwie und Sowieso“ in Verbindung gebracht wird, fühlte sich die gebürtige Hessin in Bayern nie angekommen. „Münchnerin werde ich nie“, sagte die Rudnik einmal in einem Interview. 1976, kurz nach der mittleren Reife, wurde die Bedienung in einem Münchner Eiscafé entdeckt. Ein Schüler der Filmhochschule habe einen Kiwi-Becher bestellt und ihr dabei zu lange in die Augen geschaut, lautete die Legende. Der junge Mann buchte Barbara Rudnik für seinen Abschlussfilm und bestimmte so auch ihren weiteren Lebensweg. Die 18-Jährige nahm Schauspielunterricht und wurde für erste Theaterproduktionen gebucht. Ihre erste größere Filmrolle spielte Rudnik in „Kopfschuß“, der 1982 bei den Filmfestspielen in Cannes vorgestellt wurde. Sie verkörperte darin eine Kinokartenverkäuferin, die sich nach Dienstschluss ins Getriebe der nächtlichen Großstadt stürzt und sich dort wie in der Handlung eines Films verspinnt. Kritiker feierten die junge Darstellerin und sahen in ihr schon einen neuen Weltstar. Doch trotz großer Rollen an der Seite von Kollegen wie Armin Müller-Stahl, Gudrun Landgrebe oder Götz George blieb sie hinter ihren Erwartungen zurück, wie sie selbst in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung sagte. „Über mich wurde fast nur Positives geschrieben, immer von meiner Begabung. Aber ich habe noch in keinem Film bewiesen, dass ich wirklich etwas kann.“ Dabei spielte sie in mehr als 45 Filmen die Hauptrolle.

Beziehung mit Bernd Eichinger

Doch selbst als Rudnik die Frau an der Seite von Filmproduzent Bernd Eichinger wurde, veränderte sich nichts an ihrem Besetzungsprofil. Der Typ der starken, unabhängigen Frau blieb an ihr haften. Es ähnelte auch in gewisser Weise ihrem Privatleben. Sie gehörte zur Riege der beliebtesten und erfolgreichsten deutschen Schauspielerinnen, doch privat erlitt sie immer wieder Schiffbruch. Auf Fragen der Presse nach ihrem Kinderwunsch reagierte die Schauspielerin deshalb mit zunehmendem Alter verärgert. Sie sei glücklich mit ihrer eigenen Familie und ihrem großen Freundeskreis, betonte sie oft. Ihre letzte Beziehung mit dem Münchner Restaurantbetreiber und Sterne-Koch Karl Ederer endete im April 2005. Der gebürtige Oberpfälzer aus Sattelbogen trennte sich wenige Monate vor Rudniks Krebsdiagnose. „Das war schlimm. Wir alle waren entsetzt“, sagte Rudniks Mutter der „Bild“.

Keine Chance auf Heilung

Für die Schauspielerin begann kurz darauf ein Kampf ums Überleben. Zwei Jahre hielt sie geheim, dass sie an einer äußerst aggressiven Form von Brustkrebs erkrankt war. Schon bei der Diagnose stellten die Ärzte Metastasen in der Leber und den Knochen fest, später auch im Gehirn. Dennoch drehte Barbara Rudnik weiter – unter anderem neue Folgen der Krimireihe „Solo für Schwarz“, in der sie eine Polizeipsychologin spielte. Auch das Angebot von Til Schweiger für eine Rolle in dem Kinofilm „Keinohrhasen“ nahm sie an.

Als ihr die Haare ausfielen, zeigte sich die Schauspielerin mit Hut.
Als ihr die Haare ausfielen, zeigte sich die Schauspielerin mit Hut. Foto: dpa

Als die Folgen der Krebserkrankung äußerlich nicht mehr zu übersehen waren, ging die Schauspielerin 2008 mit einem Interview im Magazin „Bunte“ an die Öffentlichkeit. „Man hört die Worte und begreift die Wahrheit erst ganz langsam“, sagte sie. Von Anfang an habe es keine Hoffnung auf Heilung gegeben, sondern nur die Option den Krebs durch Chemotherapien und Bestrahlungen in Schach zu halten. „Ich hadere nicht mit Gott. Ich bin ihm nicht böse, und ich bin nicht beleidigt“, betonte sie. Um anderen Frauen Mut zu machen, ließ sie sich mit raspelkurzen, ergrauten Haaren in einem prächtigen Abendkleid fotografieren. Am 23. Mai 2009 starb Barbara Rudnik mit 50 Jahren in einer Klinik am Starnberger See. Erst vier Wochen zuvor hatte sie trotz großer Schmerzen noch einen letzten Film abgedreht.

Alle Teile der MZ-Serie „Bayerische Originale“ finden Sier hier!

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