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Wissenschaft

Flüchtlingskinder für Physik begeistern

Rund 5500 Physiker tagen noch bis Freitag in Regensburg. Bei der Konferenz wurde auch ein besonderes Projekt vorgestellt.
Von Louisa Knobloch, MZ

Beim Projekt „Physik für Flüchtlinge“ bringen Ehrenamtliche Flüchtlingskindern physikalische Phänomene näher.
Beim Projekt „Physik für Flüchtlinge“ bringen Ehrenamtliche Flüchtlingskindern physikalische Phänomene näher. Foto: DPG

Regensburg.Wie entsteht ein Regenbogen? Warum ist der Himmel blau? Im vergangenen Dezember haben Ehrenamtliche in bundesweit 20 Erstausnahmeeinrichtungen und Notunterkünften Flüchtlingskindern physikalische Phänomene nähergebracht. „Wir haben damit über 7000 Kinder und Jugendliche erreicht“, berichtet Prof. Dr. Arnulf Quadt von der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG). Bereits zum 15. Mal findet derzeit an der Universität Regensburg die Jahrestagung der DPG statt, bis Freitag werden rund 5500 Teilnehmer aus 29 Ländern erwartet. „Bei unseren Frühjahrstagungen ist vom Doktoranden bis zum Nobelpreisträger das gesamte Spektrum der Forschung vertreten“, sagte DPG-Präsident Prof. Dr. Edward G. Krubasik. In Regensburg tagt die Sektion Kondensierte Materie der DPG. Neben typisch physikalischen Forschungsfragen etwa zu Nanooptik und Plasmonik, dem Spin-Hall-Effekt oder Graphen beschäftigen sich die Wissenschaftler auch mit den Themen Abrüstung oder Energiewende.

Flüchtlingsprojekt soll fortgesetzt werden

Bei der Konferenz wurde zudem das Projekt „Physik für Flüchtlinge“ vorgestellt, das die DPG zusammen mit der Universität Göttingen organisiert hat. Auf der Basis des Schülerprojekts „Physik im Advent“ führten die Helfer mit den Kindern und Jugendlichen in den Flüchtlingsunterkünften 24 Experimente zu den Themen Licht, Optik und Farben durch. „Naturphänomene sind universell – sie lassen sich auch ohne Sprache verstehen“, sagt Quadt. Mit den spielerischen Experimenten habe man den Flüchtlingskindern eine Ablenkung vom Alltag bieten und etwas Bildung vermitteln wollen, so Quadt. „Die Helfer haben aber auch ihre positiven Erfahrungen mit den Flüchtlingen in die Gesellschaft zurückgetragen.“ Das Projekt soll daher fortgesetzt werden – nicht mehr wie im Dezember täglich, sondern auf wöchentlicher Basis. Mit dem Bundesbildungsministerium, das die Materialien für die Experimente bereitgestellt hatte, liefen bereits Gespräche über eine weitere Förderung, sagt Quadt. „Derzeit suchen wir zusätzliche freiwillige Helfer.“ Auch Flüchtlingseinrichtungen, die Interesse an dem Projekt haben, können sich melden.

Ein Video zum Projekt „Physik für Flüchtlinge“ sehen Sie hier:

Die Ergebnisse einer Studie zu „Physik in der Schule“ präsentierte auf der Tagung Dr. Michael Sinzinger, Physiklehrer am Regensburger Goethe-Gymnasium und Vorsitzender der Arbeitsgruppe Schule der DPG. Das Stundenkontingent im Fach Physik dürfe keinesfalls weiter abgesenkt werden, heißt es darin. Zudem lasse sich die Physik in der Schule nicht in ihrer gesamten Breite darstellen. Die Experten empfehlen daher, sich auf die vier Bereiche Materie, Kräfte und Wechselwirkungen, Energie sowie Schwingungen und Wellen zu konzentrieren. Am Freitag und Samstag findet im Rahmen der Konferenz eine Fortbildung für Physiklehrer statt. Für sechs Bundesländer, vor allem im Osten Deutschlands, sagt die DPG für die kommenden Jahre einen „Physiklehrer-Notstand“ voraus, da viele ältere Kollegen in Pension gehen, aber zu wenig junge Lehrer nachkommen. „Wir brauchen aber ausreichend viele, gut ausgebildete Physiklehrer, um begeisterte Physiktalente aus dem Nachwuchs zu bekommen“, so Krubasik. Eine frühere Studie der DPG hatte gezeigt, welchen Einfluss die geografische Herkunft hat: Stadtkinder studieren demnach deutlich häufiger Physik als junge Leute, die auf dem Land zur Schule gegangen sind. „Landkinder haben offenbar weniger Anregung durch Veranstaltungen mit Physik-Bezug, ihnen fehlen die Vorbilder“, sagte Quadt dazu.

Folgende Veranstaltungen im Rahmen der DPG-Tagung sind für Interessierte frei zugänglich:

Öffentliche Veranstaltungen

  • Öffentliche Vorträge:

    Im Rahmen der DPG-Jahrestagung finden auch mehrere öffentliche Vorträge im Audimax der Universität Regensburg statt. Am Mittwoch von 18 bis 19 Uhr spricht Prof. Dr. Allison Macfarlane über „Nuclear Energy: Practical Realities and Significant Challenges“. Im Anschluss (20 bis 21 Uhr) hält Prof. Dr. Jochem Marotzke einen Vortrag zum Thema „Vorhersagen sind schwierig... Möglichkeiten und Grenzen von Klimamodellen“. Am Donnerstag von 17.30 bis 18.30 Uhr beschäftigt sich Prof. Dr. Petra Schwille mit der Frage „Ist Leben konstruierbar?“

  • Film und Ausstellung:

    Am Donnerstag um 19 Uhr wird im Hörsaal H 36 die Romanverfilmung „Agnes“ nach Peter Stamm gezeigt. Der Film wurde zum Teil an der Universität Regensburg gedreht. Die Ausstellung „Physik hautnah“ im Donaueinkaufszentrum Regensburg (Ausstellungsfläche im 2. Flur) bietet von Mittwoch bis Samstag, jeweils 10 bis 19 Uhr, Mitmach-Experimente und eine physikalische Bühnenshow.

Die Preisträger (v.l.n.r.): DPG-Präsident Prof. Dr. Edward G. Krubasik, Prof. Dr. Herbert Wagner von der LMU München (Max-Planck-Medaille für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der theoretischen Physik) und Prof. Dr. Werner Hofmann vom Heidelberger Max-Planck-Institut für Kernphysik (Stern-Gerlach-Medaille für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der experimentellen Physik )
Die Preisträger (v.l.n.r.): DPG-Präsident Prof. Dr. Edward G. Krubasik, Prof. Dr. Herbert Wagner von der LMU München (Max-Planck-Medaille für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der theoretischen Physik) und Prof. Dr. Werner Hofmann vom Heidelberger Max-Planck-Institut für Kernphysik (Stern-Gerlach-Medaille für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der experimentellen Physik ) Foto: DPG

Bei einem Festakt am Dienstagnachmittag verlieh die DPG zahlreiche Preise. Mit der Max-Planck-Medaille für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der theoretischen Physik wurde Prof. Dr. Herbert Wagner von der LMU München ausgezeichnet. Die Stern-Gerlach-Medaille für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der experimentellen Physik erhielt Prof. Dr. Werner Hofmann (Max-Planck-Institut für Kernphysik, Heidelberg). Erstmals vergeben wurde die Gustav-Magnus-Medaille: Die DPG würdigte damit den früheren Präsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Alexander-von-Humboldt-Stiftung, Prof. Dr. Wolfgang Frühwald.

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