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Ermittlungen

Jagdunfall: Polizei hat den Schützen

Ein Jäger aus dem Raum Schwandorf soll den tödlichen Schuss auf der B16 abgegeben haben. Ihm droht eine Haftstrafe.
Von Martin Kellermeier

Nach dem Jagdunglück suchten Polizisten mehrmals ein Maisfeld bei Nittenau ab. Foto: Martin Kellermeier
Nach dem Jagdunglück suchten Polizisten mehrmals ein Maisfeld bei Nittenau ab. Foto: Martin Kellermeier

Nittenau.Ermittlungserfolg für die Kriminalpolizei Amberg im Fall des tragischen Jagdunfalls auf der Bundesstraße 16 bei Nittenau (Landkreis Schwandorf). Nach Informationen der Mittelbayerischen konnte nach mehrwöchigen Untersuchungen das Projektil, das einen 47-jährigen Beifahrer aus Regensburg Mitte August tödlich verletzt hatte, einer der sichergestellten Jagdwaffen zugeordnet werden.

Bei dem Schützen soll es sich um einen Jäger aus dem Großraum Schwandorf handeln. Aus Schutz der Persönlichkeitsrechte wurde sein Alter nicht mitgeteilt. Dem Mann wird von der Staatsanwaltschaft fahrlässige Tötung vorgeworfen. Das sagte Joachim Diesch, leitender Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Amberg auf Nachfrage der Mittelbayerischen. Fahrlässige Tötung ist mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren strafbar. Eine vorsätzliche Tat stand laut Diesch nie im Raum.

Polizei hielt Tatverdächtige fest

Bei einer Drückjagd in diesem Maisfeld bei Nittenau fiel der tödliche Schuss. Foto: Martin Kellermeier
Bei einer Drückjagd in diesem Maisfeld bei Nittenau fiel der tödliche Schuss. Foto: Martin Kellermeier

Unmittelbar nach dem Unglück am 12. August war eine Jagdgesellschaft in den Fokus der Ermittler gerückt. Die elf Jäger hatten eine Drückjagd auf Wildschweine in einem Maisfeld neben der Bundesstraße in der Nähe des Weilers Goppeltshof unternommen.

Kurz nach dem Unglück wurden mehrere Jäger als mögliche Tatverdächtige von der Polizei festgehalten. Das bestätigte Polizeisprecher Albert Brück der Mittelbayerischen. Beamte der Kriminalpolizei Amberg stellten auch die Waffen der Jäger sicher. Ein Experte des Bayerischen Landeskriminalamts (LKA) begann in Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt aufwendige Untersuchungen.

Jäger kooperierten mit Polizei

Sechs Wochen nach dem Unglück lag den Ermittlern gestern das Ergebnis des Gutachtens vor. Mit „sehr hoher Wahrscheinlichkeit“ konnte laut Oberstaatsanwalt Diesch das Projektil, das bei der Obduktion sichergestellt wurde, der Waffe des Beschuldigten zugeordnet werden. Ob der Jäger geständig ist, konnte Polizeisprecher Brück nicht sagen. Die Mitglieder der Jagdgesellschaft hätten sich aber seit Beginn der Ermittlungen als kooperativ erwiesen. Nach Abschluss der Untersuchungen haben laut Brück die Jäger wieder ihre Waffen ausgehändigt bekommen. Nur die mutmaßliche Tatwaffe bleibt weiter sichergestellt.

Hier wurde der 47-jährige Beifahrer von dem Projektil getroffen:

Auch zum Hergang des Unglücks brachte das abgeschlossene Gutachten Aufschluss. „Es war wohl kein Querschläger“, sagte Diesch gestern Vormittag im Gespräch mit unserem Medienhaus. Der zuständige Oberstaatsanwalt verwies aber gleichzeitig auf laufende Ermittlungen. Diese könnten bei jener Frage neue Erkenntnisse bringen. Ebenfalls untersuchen die Beamten noch, ob bei der Wildschweinjagd gegen jagdrechtliche Bestimmungen verstoßen wurde.

Laut Polizeisprecher Brück kann es sich dabei zum Beispiel um die Einhaltung von Sicherheitsvorschriften handeln. Nach Angaben von Franz Pfeffer, Pressesprecher des Landratsamtes Schwandorf, das auch die zuständige Jagdbehörde ist. kann der beschuldigte Jäger bis zu einer möglichen Verurteilung seiner Jagd weiter nachgehen.

Schuss aus erhöhter Position

Gunther Stangl, stellvertretender Vorsitzender der Jägervereinigung Nittenau, verteidigte gegenüber der Mittelbayerischen den beschuldigten Jäger. „Er genießt in unseren Kreisen einen guten Ruf. Die Mehrheit der Nittenauer Jäger steht hinter ihm“, sagte Stangl. Das Unglück ist nach Ansicht des Nittenauers, der selbst seit 25 Jahren Jäger ist, nur durch eine Verkettung mehrerer unglücklicher Umstände erklärbar. Stangl: „Der beschuldigte Jäger hat von einer erhöhten Position geschossen und damit die Sicherheitsbestimmungen eingehalten.“

„Es ist immer positiv, wenn man weiß, wie etwas passiert ist“

Max Schneider, Vorstand des AMC Deuerling

Der tödliche Unfall hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Der 47-jährige Regensburger, der mit seinem 61-jährigen Fahrer auf dem Weg zum Automobilslalom des AC Nittenau war, sackte plötzlich auf dem Beifahrersitz zusammen – und starb wenig später. Max Schneider, Vorstand des AMC Deuerling, zeigte sich über den Fortschritt der Ermittlungen erleichtert: „Es ist immer positiv, wenn man weiß, wie etwas passiert ist.“

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