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Tiere

Luchs lag auf dem Dach des Schafstalls

Die im Landkreis Tirschenreuth entdeckte Raubkatze zeigte keine Scheu vor Menschen. Experten brachten sie in einen Wildpark.
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

Das Bild zeigt den Luchs auf dem Dach eines Schafstalles im Landkreis Tirschenreuth. Foto: Landesamt für Umwelt
Das Bild zeigt den Luchs auf dem Dach eines Schafstalles im Landkreis Tirschenreuth. Foto: Landesamt für Umwelt

Tirschenreuth.Ein Luchs, der keine Scheu vor Menschen zeigt, ist im Landkreis Tirschenreuth eingefangen worden. Die alarmierten Experten des Bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU) haben bereits am vergangenen Donnerstag das Tier im südlichen Fichtelgebirge auf dem Dach eines Schafstalles entdeckt, betäubt und zu weiteren Untersuchungen in eine nahe gelegene artgerechte Einrichtung gebracht, teilte das LfU in einer Presseauskunft mit.

Der Leiter des Wildparks Mehlmeißl und des Greifvogelparks Wunsiedel, Eckard Mickisch, hat den Luchs für seinen Abtransport betäubt, konnte ihn aber aus Platzgründen nicht in seinem Wildpark aufnehmen. Er habe sich bis auf eine Nähe von rund fünf bis sechs Metern dem Tier nähern können, erzählt er im Gespräch mit unserem Medienhaus. „Dann hat er mich angeknurrt, um seine Beute, ein gerissenes Schaf, zu verteidigen.“ Warum der Luchs gegenüber Menschen keine Scheu zeigt, müssen nun weitere Untersuchungen zeigen. Mögliche Ursache könnte eine frühere Aufzucht oder Haltung, durch die das Tier an den Mensch gewöhnt wurde, sein, sagte ein LfU-Sprecher auf Anfrage unseres Medienhauses. „Vor diesem Hintergrund liegt die Vermutung nahe, dass das Tier ausgesetzt wurde“. Mickisch sagt, dass man derzeit nur Mutmaßungen anstellen könne. Es könnte sich um ein traumatisiertes Tier handeln oder um einen Luchs, der von Menschen aufgezogen wurde. Auch sei es möglich, dass das Tier sich aufgrund von Futtermittelknappheit so nahe an Menschen herangewagt hatte.

In etwa zwei Wochen will das LfU seine Ergebnisse präsentieren. Das Tier ist nach ersten Erkenntnissen ein ausgewachsenes Männchen vom sogenannten skandinavischen Typus. Diese Luchse haben im Vergleich zu ihren ostbayerischen Artgenossen keine ausgeprägte Fleckung, sondern ein meliertes Fell. Somit könne ausgeschlossen werden, dass es sich bei dem Tier um den weiblichen Luchs handelte, der im August 2016 im Steinwald offiziell wieder freigelassen wurde, teilte das LfU mit.

Zur Frage, ob das Luchsmännchen wieder in die Freiheit entlassen werden könne, kann Tierparkbesitzer Mickisch nur mutmaßen. „Solange das Tier nur auf Menschen trifft, die ihrer Wege gehen, wäre es kein Problem. Ein Problem haben wir aber in einer Beutesituation.“ Denn ohne Scheu vor den Menschen, könnte es passieren, dass ein hungriger Luchs auch einen Hund an der Leine reißt.

In Bayerns Wäldern sind derzeit 29 Luchse sowie elf Jungluchse erfasst. Von den 29 Luchsen sind 12 Luchse grenzüberschreitend, also auch in Tschechien und Oberösterreich, unterwegs. Außerhalb des Bayerischen Waldes und der südlichen Oberpfalz hat sich der Luchs nicht wieder angesiedelt, so das LfU. Die letzten Nachweise aus dem Fichtelgebirge stammten von 2008 – das dortige Vorkommen galt deshalb bislang als erloschen. Das LfU warnt davor, Luchse, die sich Wohnsiedlungen nähern, zu füttern. Die Tiere lernen schnell und könnten dann aktiv die Nähe des Menschen suchen. weil sie dort Beute vermuten. Am Tag frisst ein Luchs ca. 1,5 Kilogramm Fleisch.

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