MyMz

Glück

Luftretter wurden neben A3 zur Hebamme

Ein Mädchen kam direkt neben der Ausfahrt Rosenhof zur Welt. Die Rettungsflieger sahen beim Eintreffen schon das Köpfchen.
Von Louisa Knobloch und Martin Kellermeier

Notfallsanitäter Robert Weißflog hielt das kleine Mädchen stolz nach der Geburt im Arm. Foto: Franz Ahollinger/DRF
Notfallsanitäter Robert Weißflog hielt das kleine Mädchen stolz nach der Geburt im Arm. Foto: Franz Ahollinger/DRF

Regensburg.Friedlich schläft Pauline Sophie im Arm ihrer Mutter Ramona Rödl. Dabei war die Geburt des kleinen Mädchens am Sonntagnachmittag sehr aufregend. Das Baby hatte es nämlich plötzlich ziemlich eilig, auf die Welt zu kommen. Kurz vor der Autobahnauffahrt Rosenhof war es soweit, die Besatzung des alarmierten Rettungshubschraubers „Christoph Regensburg“ fungierte als Geburtshelfer.

Für Ramona Rödl und ihren Mann Simon ist Pauline das zweite Kind. Seinen zweijährigen Sohn legt das Ehepaar am Sonntag noch zum Mittagsschlaf ins Bett; die Großeltern passen auf ihn auf, während die Eltern aus Mötzing im Landkreis Regensburg ins Krankenhaus fahren. „Ich hatte am Vormittag schon leichte Wehen, aber noch unregelmäßig“, erzählt Ramona Rödl. „Es war nicht so, dass man meint, es geht gleich los.“ Doch auf der Fahrt setzen plötzlich starke Wehen ein, die Abstände werden immer kürzer. „Ich sagte: Jetzt kommt das Kind und mein Mann meinte, ich solle nicht pressen.“

Als dann die Fruchtblase platzt, ist klar, dass sie es nicht mehr ins Krankenhaus schaffen werden. Kurz vor der Autobahnauffahrt Rosenhof hält Simon Rödl an der Abbiegung zur ADAC Fahrsicherheitsanlage. „Ich war panisch und habe die ganze Zeit geschrien: Das Kind kommt! Ruf den Notarzt!“, berichtet Ramona Rödl. Dass gleich ein Rettungshubschrauber bei ihnen landen wird, hätte das Ehepaar aber nicht erwartet.

Vater winkt der Crew entgegen

Um 14.02 Uhr alarmiert die Rettungsleitstelle die Besatzung des Rettungshubschraubers „Christoph Regensburg“. „Drohende Geburt“ ist das Stichwort. Sofort unterbrechen Pilot Franz Ahollinger, Notfallsanitäter Robert Weißflog und Notarzt Christoph Unterbuchner mit ihrem 1660 PS starken Helikopter den Landeanflug auf die Station in Regensburg. Zuvor hatten sie einen Einsatz in Deggendorf.

Lesen Sie außerdem: Die Mittelbayerische hat die Crew von „Christoph Regensburg“ für einen Tag begleitet

Mit Höchstgeschwindigkeit fliegt das eingespielte Team entlang der A3 in Richtung Straubing. Direkt neben der Autobahnauffahrt Rosenhof winkt ein Mann wild der Crew entgegen. „Ich hatte den Hubschrauber schon im Anflug auf Regensburg gesehen. Dann drehte er wieder um. Da war mir klar, dass der zu uns will“, erzählt Simon Rödl. Da in der Nähe noch weitere Autos parken, winkt der 31-Jährige, um den Piloten auf sich aufmerksam zu machen. „Der Kopf des Babys war schon zu sehen. Ich habe dann meinen Pullover ausgezogen, um es darin einhüllen zu können“, sagt der Vater.

Noch im Auto wird abgenabelt

Der Hubschrauber landet direkt neben dem Auto und die Rettungskräfte eilen zur werdenden Mutter auf dem Beifahrersitz. „Ich war schön öfters bei Geburten dabei, aber dass es so schnell geht, habe ich auch noch nicht erlebt“, berichtet Notfallsanitäter Robert Weißflog. Keine drei Minuten später ist Pauline Sophie auf der Welt. Noch im Auto wird das Baby abgenabelt und sofort in den Pullover und eine Rettungsdecke gehüllt. Die Einsatzkräfte bringen Mutter und Kind dann in den inzwischen ebenfalls eingetroffenen Krankenwagen. „Dort kam dann auch die Erleichterung, dass alles gut gegangen war“, sagt Ramona Rödl. Im Auto sei es schließlich kalt gewesen, die Tür stand ja offen, und das Neugeborene war nackt und ungeschützt.

Simon und Ramona Rödl mit ihrer kleinen Tochter Pauline Sophie: Das Mädchen kam am Sonntag kurz vor der Autobahnauffahrt Rosenhof zur Welt. Foto: Knobloch
Simon und Ramona Rödl mit ihrer kleinen Tochter Pauline Sophie: Das Mädchen kam am Sonntag kurz vor der Autobahnauffahrt Rosenhof zur Welt. Foto: Knobloch

Mit dem Krankenwagen geht es in die Hedwigsklinik, wo das Baby untersucht wird. Noch bis Mittwoch werden Mutter und Kind im Krankenhaus bleiben und sich dort von den Strapazen der Geburt erholen. „Bei unserem ersten Kind war ich lange im Kreißsaal, die Geburt hat insgesamt 15 Stunden gedauert“, erinnert sich die 28-Jährige. „Da rechnet man nicht damit, dass es beim zweiten Kind so schnell geht.“ Eine Besonderheit gab es aber auch bei der Geburt ihres Sohnes – der ist nämlich am 29. Februar in einem Schaltjahr zur Welt gekommen.

Notfallsanitäter Robert Weißflog ist am Montag schon wieder mit dem Rettungshubschrauber im Einsatz. An die Geburt an der Autobahnauffahrt wird er sich aber noch lange erinnern: „Das war wirklich kein alltäglicher Einsatz.“ Vielleicht gibt es ja auch bald ein Wiedersehen: „Wir würden uns freuen, wenn uns die komplette Familie mal an der Station besuchen würde.“

Weitere Artikel aus der Oberpfalz lesen Sie hier!

Aktuelles aus der Region und der Welt gibt es über WhatsApp direkt auf das Smartphone: www.mittelbayerische.de/whatsapp

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht