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Diskussion

MZ-Umfrage: Mehrheit für Tiere im Zirkus

Der Bundesrat will Wildtiere aus der Manege verbannen. 72 Prozent unserer Leser wollen auf Elefant & Co. nicht verzichten.
Von Martin Kellermeier, MZ

Tierschützern ist der Auftritt von Elefanten in der Zirkusmanege ein Dorn im Auge. Foto: Kellermeier
Tierschützern ist der Auftritt von Elefanten in der Zirkusmanege ein Dorn im Auge. Foto: Kellermeier

Regensburg.Die Diskussion um das vom Bundesrat geforderte Wildtierverbot in Zirkussen nimmt kein Ende. In Burglengenfeld hat es am Montag Debatten gegeben, weil der Circus Henry auf dem Festplatz die Zelte und Gehege für seine Pferde und Kamele aufgestellt hat, obwohl ihm das die Stadt zuvor untersagt hatte. In einem Stadtratsbeschluss vom Oktober 2015 heißt es nämlich, dass keine Verträge mit Zirkussen unterschrieben werden, die Tiere wie Elefanten, Bären oder eben auch Kamele und Pferde mit sich führen. Der Zirkus hatte daraufhin beteuert, dass er die Tiere nicht mitbringt. Jetzt sind sie doch da. Der Ausgang ist offen.

Generell ist ein Wildtierverbot in Zirkussen nicht bundesweit geregelt. Mehrere Städte und Gemeinden haben allerdings den Auftritt solcher Betriebe auf ihren Plätzen per Beschluss untersagt. Geht es nach dem Länderparlament, dann soll die Bundesregierung ein Verbot auf den Weg bringen, das den Manegen-Auftritt von Elefanten, Affen, Großbären, Giraffen, Nashörnern und Flusspferden untersagt.

Das Verbot trifft 51 Elefanten

Darüber hatte unsere Zeitung bereits vor zwei Wochen berichtet und gleichzeitig den Lesern online die Frage gestellt, ob es ein derartiges Verbot braucht. Das Ergebnis des Votings hat sowohl Zirkusbesitzer als auch Tierschützer überrascht: 72,5 Prozent der 15 000 Teilnehmer unserer Umfrage sind gegen das geplante Verbot. „So eine Aussage finde ich nicht schön. Aber ich glaube nicht, dass sich das mit der Stimmung im Land deckt“, sagt Maja Renz vom Aktionsbündnis „Tiere gehören nicht zum Circus“. Die Tierschützerin aus Niedersachsen beruhigt: Es seien ohnehin nur wenige Tiere vom geplanten Verbot betroffen: „51 Elefanten, bis zu sechs Giraffen, ein Flusspferd und ein Nashorn“, zählt Renz auf. „Das wäre ja gar keine große Anzahl“, findet sie. Die Aufregung also übertrieben?

Sehen Sie in unserer Grafik das genaue Umfrage-Ergebnis!

Der Chamer CSU-Bundestagsabgeordnete Karl Holmeier sieht das im Gespräch mit unserer Zeitung anders. „Das Verbot wäre ein Fehler“, warnt der Politiker. Und weiter: „Das Nächste wäre dann, dass wir Wildtiere auch in Zoos verbieten. Da ist dann irgendwann eine Grenze erreicht.“ Holmeier, der mit seinen Enkelkindern hin und wieder Zirkusvorstellungen besucht, will die Wildtiere zum Anfassen – wenn die Haltungsvorschriften eingehalten werden – auch für nachfolgende Generationen erhalten. „Allem Zeitgeist muss man nicht nachlaufen.“

Das Verbot spaltet die Koalition

In den nächsten Wochen werde das Wildtierverbot auch Thema in der CSU-Bundestagsfraktion sein. Wie schätzt Holmeier den Ausgang der Gespräche ein? „Meine Kollegen sind normale Menschen. Ich denke, dass sie meine Meinung teilen werden.“ Kommt es zur Abstimmung, dann will Holmeier „auf jeden Fall gegen das Wildtierverbot“ stimmen.

In unserer Bildergalerie sehen Sie, welche Tierarten vom geplanten Wildtierverbot betroffen wären!

Wildtiere in deutschen Zirkussen

Anders sieht das in den Lagern von SPD und Grünen aus. Dr. Thomas Gambke, Bundestagsabgeordneter der Grünen, unterstützt das Vorhaben des Bundesrats. „Man muss die Tierschützer ernst nehmen“, sagt Dr. Gambke, der das geplante Verbot erweitern will: „Die Raubkatzen fehlen mir bislang in der Auflistung.“

Die oberpfälzer SPD-Bundestagsabgeordnete Marianne Schieder stellt sich ebenfalls auf die Seite der Tierschützer: „Ich befürworte gemeinsam mit meiner Fraktion seit langem ein Wildtierverbot. Eine artgerechte Haltung ist im Zirkus nicht möglich.“ Schieder findet auch, dass ein Zirkus ohne Wildtiere „genügend Attraktivität“ biete.

Lesen Sie außerdem: Unser Autor Martin Kellermeier hat das geplante Wildtierverbot kommentiert!

Kommentar

Der gläserne Käfig

Wildtiere im Zirkus: ja – aber nur wenn sie artgerecht gehalten werden. Was für Betriebe wie Krone selbstverständlich ist, müssen alle Zirkusse konsequent...

Kommt das Verbot, dann bricht den Zirkusbetrieben eine ihrer drei Säulen des klassischen Zirkus weg. Neben Clowns und Artisten würde der Großteil der Zirkusbesucher vor allem wegen der Tiere kommen. „Die enge Beziehung zwischen Mensch und Tier sieht man eben nur in der Manege“, sagt Frank Keller, Tierschutzbeauftragter beim Münchner Circus Krone. Gegen das Argument vieler Tierschützer, dass man ja in die Wildnis fliegen könnte, hält Keller dagegen: „Nicht jeder kann sich die Reise nach Afrika leisten.“

Die Sache mit den leisen Zirkusfans

Das Umfrage-Ergebnis auf der Homepage unserer Zeitung überrascht den Tierschutzbeauftragten nicht: „Die Zirkusfans sind nicht so laut wie die Demonstranten.“ Mit ihnen hat Frank Keller oft Probleme: „Wenn die unser Publikum angehen und unsere Fahrzeuge beschmieren, dann ist das kein Tierschutz mehr.“

Die Regensburgerin Karin Schmid will keine Tiere mehr in der Manege sehen. Nach dem ersten Bericht über das geplante Wildtierverbot hat sich die 73 Jahre alte Rentnerin per Telefon bei der MZ gemeldet. Auch sie haben wir mit dem Umfrage-Ergebnis konfrontiert: „Das sind Menschen, die sich nicht damit befassen, wie es den Tieren in der Manege geht.“

Schmid, seit über 40 Jahren selbst Mitglied in einem örtlichen Tierschutzverein, glaubt, dass die Zirkustiere „nicht nur mit Streicheleinheiten abgerichtet werden“. Die Seniorin vergleicht das mit der Erziehung ihres Schäferhundes: „Den musste ich auch mit Strenge abrichten. Mit Lob und Konsequenz – aber keinen Schlägen.“

Sie fordert von den Gegnern des Wildtierverbots, einmal hinter die Kulissen zu schauen. Selbst gemacht hat das Karin Schmid noch nicht. Ihre Meinung hat sie aus dem Fernsehen. Bilder, wie die mit den angeketteten Elefanten, haben die Tierschützerin wachgerüttelt. Beim Circus Krone will man davon nichts wissen: „Eine Anbindehaltung gibt es nicht“, sagt Frank Keller. Lediglich zur Futterzeit und beim Putzen der Tiere vor den Auftritten wird ein Gurt angelegt.

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