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Jagd

Nachtzielgeräte zur Sauenjagd in Sicht

Trotz eines strikten Neins des Bundeskriminalamtes werden bayerische Jäger mit Technik legal auf die Pirsch gehen dürfen.
Von Fritz Winter, MZ

In den Wäldern haben sich die Wildschweine in den letzten Jahren nahezu ungezügelt vermehrt.
In den Wäldern haben sich die Wildschweine in den letzten Jahren nahezu ungezügelt vermehrt. Foto: dpa

Regensburg.Der Streit dauert schon Jahre: Seit sich die Wildschweine in unseren Wäldern nahezu ungezügelt vermehren und zum großen Ärger der Landwirte zum Teil riesige Schäden auf den Feldern anrichten, fordern viele Jäger den Einsatz moderner Nachtzielgeräte auf ihren Gewehren. Nur so sehen sie eine Chance, den nachtaktiven und höchst schlauen Sauen Einhalt gebieten zu können.

Bislang sind sie noch auf mondhelle Nächte angewiesen, um waidgerecht jagen zu können ohne dabei einen Schuss ins Dunkle riskieren zu müssen. Die Folgen solchen Leichtsinnes hat im Oktober 2014 ein Förster im Landkreis Regensburg bitter zu spüren bekommen: Ihn hatte die Kugel eines Jagdkollegen getroffen, der ihn in der Dunkelheit mit einer Wildsau verwechselt hatte.

Die aktuelle Gesetzeslage

Doch der Einsatz der Nachtsichttechnik ist derzeit nach dem Bayerischen Jagdgesetz und dem Waffengesetz streng verboten. Bereits der Besitz eines Nachtzielgerätes (nicht zu verwechseln mit einem reinen Nachtsichtgerät) wird mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren geahndet. Zusätzlich wird das Erlegen von Wild mit dem Nachtzielgerät mit einer Geldbuße bis zu 5000 Euro bestraft. Der Verlust der Waffenbesitzkarte und des Jagdscheines sind dann in der Regel die Folge.

Weil die Jagdpächter in den meisten Fällen den angerichteten Wildschaden den Landwirten aus der eigenen Tasche bezahlen müssen, setzte sich der Bezirksverband Regensburg des Bayerischen Jagdverbandes – mit über 1200 Mitgliedern die größte Kreisgruppe in Bayern – an die Spitze einer Initiative mit dem Ziel, den legalen Einsatz von Nachtzielgeräten in Problemgebieten zu ermöglichen. Ein offenes Ohr fanden die Regensburger Jäger mit dem Bezirksvorsitzenden Hubertus Mühlig bei Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU). Dieser sorgte dafür, dass in drei Landkreisen in Bayern – Regen, Cham und Regensburg – die jagdrechtlichen Voraussetzungen für den Einsatz der Nachtzielgeräte geschaffen wurden.

In der Frage des Waffengesetzes hat aber das dem Bundesinnenministerium unterstellte Bundeskriminalamt ein entscheidendes Wort mitzureden: Dieses lehnte sämtliche Anträge auf Erteilung einer Ausnahmegenehmigung für die Verwendung verbotener Nachtzieltechnik kategorisch ab.

Erfolg für Regensburger Jäger?

Die Jäger, die die Nachtzieltechnik fordern, haben nämlich ein großes Problem: Ihre eigene Verbandsspitze, das Präsidium des Bayerischen Jagdverbandes unter Führung des ehemaligen CSU-Landtagsabgeordneten Jürgen Vocke, ist vehement gegen die moderne Technik. Das Nachtzielgerät, so Vocke, widerspreche den Grundsätzen der Waidgerechtigkeit und des Tierschutzes, weil durch die Intensivierung der Nachtjagd keine Rücksicht mehr auf die Ruhebedürftigkeit der Tiere genommen werde. Gleichzeitig degradiere es die Jäger zu „reinen Schädlingsbekämpfern“.

Trotz der Opposition aus den eigenen Reihen scheinen die Regensburger Jäger und ihre Unterstützer in ganz Bayern nun doch Erfolg zu haben. Der Mittelbayerischen Zeitung liegt ein noch nicht veröffentlichtes Schreiben von Forstminister Helmut Brunner an Barbara Stamm, Präsidentin des Bayerischen Landtages, vor. Darin wird ein „rechtssicherer Weg“ aufgezeigt, wie Nachtzielgeräte in Problemgebieten von Jägern legal eingesetzt werden können, ohne dass das Bundeskriminalamt ein Wörtchen mitzureden hat.

Zunächst, so heißt es in dem Papier, können die Unteren Jagdbehörden bei den Bayerischen Kreisverwaltungsbehörden das Verbot der Verwendung von Nachtzielgeräten im Bundesjagdgesetz durch „Einzelanordnung einschränken“. Voraussetzung sei ein Antrag des Revierinhabers, der die besondere Problemsituation wie Wildschäden, Seuchengefahr, Verkehrsunfälle, Konflikte umfassend darlegen müsse. Nach einer genauen Prüfung könne dann das Nachtziel-Vorsatzgerät zur ausschließlichen Jagd auf Wildschweine zugelassen werden.

Um das waffenrechtlich zuständige Bundeskriminalamt zu umgehen, haben die Juristen im Bundesinnenministerium dem Bayerischen Forstministerium einen Wink gegeben – so zumindest ist es aus dem Schreiben Brunners herauszulesen: „Waffenrechtlich hat Bayern bereits auf Grundlage des aktuellen Waffenrechts Möglichkeiten, den Einsatz von Nachtzielgeräten zu eröffnen“, heiß es da. „Gemäß § 40 Abs. 2 WaffG finden waffenrechtliche Verbote bei behördlichem Auftrag keine Anwendung“.

Im Klartext: Auf begründeten Antrag hin kann die Untere Jagdbehörde beim Landratsamt Regensburg einen sauengeplagten Jäger „beauftragen“, mit dem Nachtzielgerät auf die Pirsch zu gehen und für eine Reduzierung des Schwarzwildbestandes zu sorgen. Schließlich seien „behördliche Aufträge qualitativ anders zu bewerten, als bloße Ausnahmezulassungen.“ Nach allem, was im Vorfeld zu hören war, ist davon auszugehen, dass das Landratsamt Regensburg von dieser Möglichkeit Gebrauch macht und den Einsatz der Nachtzieltechnik ermöglicht. Die Voraussetzung bleibt allerdings, dass „auf Grund einer Einzelfallbewertung der Unteren Jagdbehörde eine regional besonders ernste Wildschadenssituation vorliegt“.

Nach MZ-Informationen war dieses Schreiben auch das Thema eines Gespräches zwischen Minister Brunner und Präsident Vocke auf dem Bayerischen Landesjägertag am Wochenende in Kulmbach. „Wir haben da einen massiven Dissens“, bestätigte Vocke gestern unserem Medienhaus. Er und die Führungsspitze des Jagdverbandes hielten das nunmehr vorgeschlagene Verfahren einer Beauftragung für klar rechtswidrig. „Zuständig ist der Bund und damit das Bundeskriminalamt, so etwas kann nach unserer Auffassung das Bayerische Forstministerium nicht anordnen“, sagte der BJV-Präsident. Er gehe davon aus, dass es jetzt zu Klagen kommen werde. „Ich muss die Jäger warnen – das ist ein Straftatbestand“, betonte Vocke.

Dankesschreiben ist abgeschickt

Beim Bezirksverband Regensburg des Bayerischen Jagdverbandes ist man hingegen mit dieser Entscheidung höchst einverstanden. Kreisjägermeister Hubertus Mühlig sagte, seine Jäger begrüßten im Gegensatz zum Präsidium des Bayerischen Jagdverbandes den Einsatz der Nachtzielgeräte. „Wir sind uns bewusst, dass damit die Schwarzwildproblematik nicht gelöst ist. Aber es hilft uns, bei schwierigen Verhältnissen die Sauen zu bejagen“, erklärte er auf MZ-Anfrage. Ein Dankesschreiben an Minister Brunner hat er bereits abgeschickt. „Die Jagd mit Nachtzielgeräten verringert den Wildschaden, erhöht die Streckenbilanz, schafft mehr Sicherheit und ist aus Tierschutzgründen waidgerechter“, heißt es darin.

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