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Neun Fragen zum Südost-Link

Tennet-Geschäftsführer Lex Hartman erläutert die bisherigen Planungen. Die größte Herausforderung wird die Donau.
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

Vor allem der Großraum Regensburg und die Donauquerung werden bauliche Herausforderungen, sagt Tennet-Geschäftsführer Lex Hartman über die nun vorgelegten Pläne für den Südost-Link.
Vor allem der Großraum Regensburg und die Donauquerung werden bauliche Herausforderungen, sagt Tennet-Geschäftsführer Lex Hartman über die nun vorgelegten Pläne für den Südost-Link.Foto: dpa

Wie kamen die jetzigen Vorschläge zustande?

Der Gesetzgeber hat vorgegeben, dass die Trasse für den Südost-Link auf einer möglichst geraden Linie verlaufen soll. „Es gibt aber eine ganze Reihe von Kriterien, die dafür sorgen, dass wir uns nicht genau an die Luftlinie halten können“, sagt Lex Hartman, Mitglied der Geschäftsführung des Netzbetreibers Tennet, bei einem Gespräch mit unserer Zeitung. Die Bodenbeschaffenheit, ein dichtes Waldgebiet, Naturschutzgebiete, der Abstand zu Wohnbebauung – das alles habe Einfluss auf die Planungen der Leitung, die von Wolmirstedt in Sachsen-Anhalt nach Isar bei Landshut führen wird. Die Leitung wird von Hof östlich oder westlich am Fichtelgebirge vorbei durch die nördliche Oberpfalz, den Landkreis Schwandorf und den Landkreis Regensburg führen. Es gibt zwei mögliche Hauptrouten, von denen jeweils Verbindungsstrecken zu Alternativstrecken führen. Insgesamt sind es für die Oberpfalz zum jetzigen Zeitpunkt 22 mögliche Varianten, die zur Diskussion stehen.

Wo ist die Planung in der Oberpfalz besonders schwierig?

Eine Riesenherausforderung ist die Durchquerung der Donau, sagt Lex Hartman. „Sie wird unterbohrt, was technisch sehr anspruchsvoll sein wird.“ Die Kosten für diese Maßnahme werden hoch sein, räumt der Tennet-Verantwortliche für den Netzausbau in Bayern ein. In den aktuellen Planungen würde die Donau entweder nahe Donaustauf oder Wörth an der Donau unterbohrt. Alternativ gibt es die Durchquerung der Naab bei Mariaort oder in Etterzhausen. Vollkommen umschifft werden muss das Stadtgebiet von Regensburg. Es gehört – wie übrigens jede dichte Wohnbebauung – zu den „No-go-Areas“, wie Hartman jene Gebiete nennt, die unter die sogenannte Widerstandsklasse 1 mit Stern fallen. Auch rund um die Walhalla in Donaustauf ist planerische Sperrzone. Rein rechnerisch läge das Bauwerk auf der kürzesten Linie nach Landshut.

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Weitere Infos zum Südostlink

  • Infotermine

    Ab 10. Oktober werden die Bürger vor Ort über die Planungen für den Südost-Link informiert. In der Oberpfalz beginnt die Veranstaltungsreihe am 17. Oktober in der Pressather Stadthalle. Es folgen: 18. Oktober Hirschau (Josefshaus), 19. Oktober Wernberg-Köblitz (Busgashaus Born), 20. Oktober Windischeschenbach (Mehrzweckhalle), 21. Oktober Schwandorf (Oberpfalzhalle), 24. Oktober Neutraubling (Stadthalle) und 25. Oktober Bad Abbach (Kursaal).

  • Landwirte

    Der Bayerische Bauernverband (bbv) hat den Stromnetzbetreiber Tennet aufgefordert, die Anliegen der Landwirte vorrangig zu berücksichtigen. Der bbv sieht die Erdverkabelung kritisch. „Durch die ausgehende Erwärmung des Bodens ist mit erhöhten Verdunstungs- und Austrocknungsraten zu rechnen. Daraus ergeben sich nicht nur übergangsweise, sondern dauerhaft erhebliche Beeinträchtigungen auf landwirtschaftlichen Flächen“, heißt es. Zudem seien die Flächen nicht mehr für die forstwirtschaftliche Nutzung brauchbar. Deshalb müsse es neben einer einmaligen Entschädigung eine wiederkehrende angemessene Vergütung geben, so der bbv.

  • Keine Engpässe

    Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) hat nach der Vorstellung der Planungskorridore für den Südost-Link sowie den Südlink betont, dass es in Bayern nach der Abschaltung des letzten Atomkraftwerkes 2022 in Ohu nicht zu Engpässen kommen werde. Die zunächst geplanten überirdischen Stromtrassen sollten eigentlich 2022 in Betrieb gehen. Nach massiven Bürgerprotesten wurde eine unterirdische Erdverkabelung beschlossen. Diese geht frühestens 2025 ans Netz.

  • Erste Reaktionen

    Netzbetreiber Tennet zeigte sich zufrieden mit den ersten Reaktionen auf die geplanten Trassenverläufe. „Bis jetzt wurde neutral bis positiv reagiert“, so Geschäftsführer Lex Hartman. Man rechne damit, dass sich die Bürger aktiv in die Planungen einbringen werden. Auch Widerstand werde nicht ausbleiben. „Aber das gehört zu einem demokratischen Prozess dazu.“

Politiker wünschen sich die Kabel in Autobahnnähe. Geht das?

Zunächst muss geplant werden, wo die Erdverkabelung am besten verlegt werden kann. Danach wird geprüft, ob die Stromtrasse mit anderer Infrastruktur kombinierbar ist, sagt Hartman. Die Autobahn sei dafür nur selten geeignet. „Häufig liegen Siedlungen direkt an der Autobahn. Da können wir nicht durch. Durch Gewerbegebiete können wir auch nicht. Auch die Brücken sind eine Riesenherausforderung. Wir können die Kabel ja nicht einfach dranhängen. Außerdem ist noch ein Schutzstreifen zur Autobahn einzuhalten, der nicht bebaut werden darf.“ Das alles mache eine Erdverkabelung in diesem Bereich schwierig. Der Wunsch des Schwandorfer Landrats Thomas Ebeling (CSU) nach autobahnnahen Trassen werde deshalb wohl nur an bestimmten Stellen erfüllt werden können, sagt der Netzverantwortliche.

Wird öffentlicher Grund verwendet?

Das lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen, denn bislang ist ja noch gar nicht klar, wo der Korridor, der im kommenden Frühjahr bei der Bundesnetzagentur zur Genehmigung eingereicht wird, verlaufen soll. Hartman sieht in der Forderung, die unter anderem vom Oberpfälzer CSU-Bezirksvorsitzenden Albert Füracker kam, ein grundsätzliches Problem. „Wir müssen auf gesetzlicher Grundlage und nach den vorgegebenen Kriterien arbeiten, das trifft dann aber nicht unbedingt mit öffentlichem Grund zusammen.“

Wo treffen sich Südost-Link und Ostbayernring?

Neben der Gleichstromtrasse Südost-Link wird auch die Wechselstromtrasse Ostbayernring nach den bisherigen Planungen durch die Landkreise Schwandorf, Neustadt an der Waldnaab und Tirschenreuth führen. Während der Südost-Link erdverkabelt wird, steht diese Technik für die Wechselstromtrasse nicht zur Verfügung. Hartman verspricht, dass dies nicht dazu führen wird, dass beide Leitungen oberirdisch verlegt werden. „Das würde sehr, sehr hohe Masten zur Folge haben. Das wäre ein absolutes No-Go und würde von der Bevölkerung niemals akzeptiert werden.“ Es sei zudem technisch heikel und stelle ein Sicherheitsrisiko dar. Geplant sei aber, in diesem Gebiet eine Schneisenlösung zu finden, auf der überirdisch der Ostbayernring und unterirdisch der Südost-Link verlaufen sollen.

Wird auf der Trasse auch Kohlestrom transportiert?

Ja, das ist der Fall, so wie bei jeder Stromautobahn. „So lange wir nicht 100 Prozent erneuerbare Energien produzieren – und da ist noch weit hin – wird die Leitung für beides genutzt“, sagt Hartman. Die Leitungen würden aber nicht wegen der Braunkohlekraftwerke gebaut, sondern wegen der Energiewende. „Da ja geplant ist, den Anteil der erneuerbaren Energien ständig weiter zu erhöhen, wird sich der Anteil an Braunkohlestrom stetig verringern.“

Welche Kosten kommen auf die Stromkunden zu?

Auf etwa vier bis bis fünf Milliarden Euro schätzt Tennet die Gesamtkosten für den Südost-Link. Sie werden auf die Stromkunden in Deutschland über einen Zeitraum von 40 Jahren umgelegt. „Das wird sich dann pro Jahr auf einen sehr niedrigen Betrag rechnen“, verspricht Hartman.

Kann der Bau durch Klagen verzögert werden?

Dass das Projekt am Widerstand der Bevölkerung scheitern könnte, glaubt Hartman nicht. „Es ist der politische Wille, dass die Leitung kommt und zwar erdverkabelt.“ Die Bürger sollen intensiv in die Diskussion eingebunden werden und sich auch mit Vorschlägen beteiligen. Es soll auch ein transparentes Verfahren werden, betont Hartman. Der Widerstand sei aber kein Kriterium, das bei der Planung der Trasse Gewicht habe. „Dann kommen wir nie von A nach B.“

Wie ist das weitere Vorgehen für den Südost-Link?

Der Zeitplan sieht vor, dass Tennet nach der Informationsphase im kommenden Jahr mit einer Vorzugstrasse sowie Alternativvorschlägen das Genehmigungsverfahren für den Südost-Link bei der Bundesnetzagentur einleitet. Mit einer Baugenehmigung wird frühestens 2021 gerechnet. „Optimistisch gesehen ist der Bau 2025 fertig.“

Lesen Sie hier weitere Berichte zum geplanten Südost-Link durch die Oberpfalz

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