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Asyl

Neustart in der Erstaufnahmeeinrichtung

Bayerns Sozialministerin Müller und Innenminister Herrmann haben in Regensburg ein Vorzeige-Flüchtlingszentrum eröffnet.
von Christine Straßer, MZ

Der gesamte Besitz passt in ein paar Plastiktüten: Diese Familie ist gerade in Regensburgs neuer Erstaufnahmeeinrichtung angekommen.
Der gesamte Besitz passt in ein paar Plastiktüten: Diese Familie ist gerade in Regensburgs neuer Erstaufnahmeeinrichtung angekommen. Foto: Lex

Regensburg.„Man muss das Beste für sein Land tun“, sagt Ali Balhas und die dunklen Augen des hochgewachsenen Mannes glänzen, wenn er erzählt. Seit 15 Jahren ist sein Land nun schon Deutschland. 2002 ist er als Asylbewerber aus dem Libanon gekommen. Er ist hier zur Schule gegangen, hat geheiratet und ist stolzer Vater von zwei Söhnen. Am Donnerstag erklärte er Innenminister Joachim Herrmann und Sozialministerin Emilia Müller, wie er in der neuen Aufnahmeeinrichtung in Regensburg für Sicherheit sorgt. Die zeigten sich beeindruckt – von Ali Balhas’ Begeisterung und dem bundesweit einmaligen Flüchtlingszentrum, das auf dem ehemaligen Gelände der Regensburger Bajuwarenkaserne entstanden ist.

Ab sofort ist die Erstaufnahmeeinrichtung in Betrieb. Sie entstand in einer Bauzeit von 13 Monaten. Das sei Rekord, loben die Minister. Die Neu- und Umbaumaßnahmen kosteten rund 30 Millionen Euro. Auch hier gibt es Lob. Denn diese Summe bleibt deutlich unter den zuerst veranschlagten 40,9 Millionen Euro für die Gesamtkosten. 600 Menschen wird die Erstaufnahme Platz bieten. Insgesamt drei Wohnblöcken sollen vor allem Menschen aus Eritrea, Mali und dem Irak untergebracht werden.

Das besondere an dem neuen Zentrum: Neben der Registrierung und der Ausländerbehörde sind hier auch ein Kindergarten, Räume der Sozialbetreuung, das Sozialamt, Räume der Polizei und die ärztliche Versorgung untergebracht. Es sei eine große Erleichterung Flüchtlinge, die medizinisch behandelt werden müssen, nicht mehr durch die ganze Stadt fahren zu müssen, lobt Dr. Rainer Beck. „Viele Funktionen werden gebündelt“, freut sich Regierungspräsident Axel Bartelt.

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Ein Ort vieler Tränen

Eine Schlüsselstelle sind die Schalter der Erstaufnahme. Veda Erös nimmt dort, wo sie künftig mit Flüchtlingen die ersten Formalitäten klären wird, die Minister in Empfang. Normalerweise würde sie nun die Fingerabdrücke einscannen, schildert sie. Sie würde ein Foto von den Menschen machen und die persönlichen Daten abfragen. Alle diese Angaben würden dann zentral gespeichert. Nach dieser Registrierung bekommen die Flüchtlinge von Erös und ihren Kolleginnen einen Aufnahmenachweis, der ihnen auch als Ausweisdokument dient. Er enthält zudem eine Nummer, die für die Arbeit aller Behörden wichtig ist – und somit auch für alle weiteren Anträge der Asylbewerber.

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„Was würde passieren, wenn ein Flüchtling bereits bei einer anderen Einrichtung registriert ist?“, will der Innenminister wissen. Erös erklärt, dass das sie beim Abgleichen der Fingerabdrücke sofort erkennt. Häufig käme es aber nicht mehr vor, dass ein Flüchtling versuche, sich doppelt zu registrieren. „Das erleben wir vielleicht einmal im Monat“, sagt Erös an ihrem „Oberpfälzer Arbeitsplatz, der auch sehr international ist“. Meist komme man mit Englisch oder Arabisch ganz gut durch, fügt sie hinzu. Deutsch sprächen die Ankommenden nur selten. Eine Herausforderung sei es immer wieder den Flüchtlingen beispielsweise zu erklären, dass sie sich nun bei einer Krankenkasse anmelden können. „Die meisten Afrikaner wissen gar nicht, was eine Krankenversicherung ist“, sagt Erös. Und eines will sie den beiden CSU-Ministern auch mitgeben: „Dies ist ein Ort der Freudentränen, aber auch für andere Tränen.“ Denn nicht immer erfüllen sich die Hoffnungen der Flüchtlinge.

Sehen Sie hier das Video zur Eröffnung der Erstaufnahmeeinrichtung:

Neue Erstaufnahme in Regensburg

Flüchtlingshelfer übergeben Brief

Flüchtlingshelfer machen sich für minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge aus Afghanistan stark. Foto: Lex
Flüchtlingshelfer machen sich für minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge aus Afghanistan stark. Foto: Lex

So schildern zwei Flüchtlingshelferinnen dem Innenminister bei seinem Besuch in Regensburg mit tränenerstickten Stimmen, wie angsterfüllt die afghanischen Jugendlichen sind, um die sie sich kümmern. Sammelabschiebungen nach Afghanistan, wie die jüngste Anfang dieser Woche, ließen die Jungen am ganzen Körper zittern. Ein 15-jähriger Schützling der Frauen hat dem Minister einen Brief geschrieben. Darin schreibt er – seinen Namen sollen wir nicht nennen, er ist der Redaktion aber bekannt – von seiner 33-tägigen Flucht, dem Hunger, dem Trinken aus Pfützen und dem Tod zweier Freunde. Sein Vater habe für die Bundeswehr gearbeitet, schreibt der junge Afghane. Aber wer deutsche Soldaten unterstützt habe, der sei nun in Gefahr. Innenminister Herrmann verspricht den Frauen, den Brief zu lesen. Später betont er aber, dass er Abschiebungen auch nach Afghanistan für richtig hält, wenn ein Asylantrag abgelehnt wurde.

Ali Balhas (r.) kam als Asylbewerber nach Deutschland. Nun sorgt er in der Erstaufnahmeeinrichtung für Sicherheit und lernt Innenminister Joachim Herrmann (l.) und Sozialministerin Emilia Müller kennen. Foto: Lex
Ali Balhas (r.) kam als Asylbewerber nach Deutschland. Nun sorgt er in der Erstaufnahmeeinrichtung für Sicherheit und lernt Innenminister Joachim Herrmann (l.) und Sozialministerin Emilia Müller kennen. Foto: Lex

Bei Wachmann Ali Balhas weckt das alles viele Erinnerungen. Wenn er sich die neue Erstaufnahme ansehe, sehe er aber viele Verbesserungen, sagt er. Während er sich bei seiner Ankunft sehr verloren fühlte, weil niemand Arabisch sprach, ist heute gerade die Sprachbarriere niedriger. „Wenn es um Arabisch geht, übersetze ich einfach selbst“, meint Balhas.

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