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Schule

Oberpfälzer räumen bei Jugend forscht ab

Bei „Jugend Forscht“ präsentierten bayerische Schüler ihre Projekte. Drei der zehn Sieger kommen aus der Oberpfalz.
Von Katia Meyer-Tien, MZ

  • Sandra Krogner und Michael Eibl präsentieren ihr Projekt „Gewinnung eines Blütenöls von Impatiens glandulifera und Identifikation der Inhaltsstoffe“, mit dem sie bei dem Wettbewerb auf Platz eins gelandet sind. Foto: dpa
  • Christian Knutzen aus Schwandorf hat ein Computerprogramm entwickelt.
  • Johannes Konrad von der Universität Regensburg und Luca Ponzio haben einen Fusionsreaktor entwickelt – zu Hause im Keller. Fotos: Meyer-Tien (4)
  • Johannes Meier zeigt sein Messsystem für die Forstwirtschaft. Foto: dpa

München.Manchmal kommt der Erfolg ganz unverhofft. Sandra Krogner (18) und Michael Eibl (18) vom Johann-Michael-Fischer-Gymnasium in Burglengenfeld hatten eigentlich nur überlegt, wofür man das überall als Unkraut wuchernde Springkraut nutzen könnte. Vielleicht könnte man das Öl aus den Blüten extrahieren und für die Parfümindustrie verwenden, dachten sich die zwei. Mit Hilfe des Labors Kneißler in Burglengenfeld destillierten sie erst das Öl und untersuchten es dann, um herauszufinden, woraus es genau bestand. Dabei erlebten sie eine Überraschung: Sie fanden Lidocain, einen Stoff, der in der Pharmaindustrie schon länger als Betäubungsmittel eingesetzt wird.

Hier sehen sie mehr zum Projekt von Sandra Kogner und Michael Eibl:

Landeswettbewerb Jugend forscht – Krogner und Eib

Es könnte sogar sein, dass die zwei damit die ersten sind, die diesen Stoff in der Natur überhaupt nachgewiesen haben. In München wurden sie gestern für ihre Entdeckung mit dem ersten Platz im Landeswettbewerb Jugend forscht ausgezeichnet. Und sie sind dabei in guter Gesellschaft: Drei der zehn Siegerprojekte kommen in diesem Jahr aus der Oberpfalz.

Mit viel Ehrgeiz bei der Sache

Drei Tage lang haben sich die Sieger der bayerischen Regionalwettbewerbe im Verkehrszentrum des Deutschen Museums in München getroffen und ihre Projekte der Jury präsentiert. Jetzt fand die Siegerehrung statt, bei der auch Bildungsminister Ludwig Spaenle den Jugendlichen gratulierte, die mit viel Neugier und Ehrgeiz monate- oder sogar jahrelang an ihren Erfindungen getüftelt haben.

Jugend forscht

  • Wettbewerb:

    Der Wettbewerb Jugend forscht findet zum 51. Mal statt. Teilnehmen können Jugendliche zwischen 15 und 21 Jahren. Mit 2100 eingereichten Beiträgen von 2100 Schülern und Auszubildenden ist Bayern das Bundesland mit den meisten Teilnehmern.

  • Teilnehmer:

    Den Landeswettbewerb erreichten 81 Teilnehmer mit 57 Projekten, die zehn Siegerprojekte nehmen vom 26. bis 29. Mai beim Bundeswettbewerb in Paderborn teil.

  • Preise:

    Der erste Preis beim Landeswettbewerb ist mit 250 Euro dotiert. Für die Plätze 2 und 3 gibt es 200 bzw. 150 Euro.

So wie Johannes Meier (18), Auszubildender bei der Pfleiderer Neumarkt GmbH. Er hat eine Säge entwickelt, deren Kette als Maßband dient: Wer einen Baumstamm in exakt einem Meter Länge absägen möchte, muss dank dieser Erfindung nicht mehr extra den Meterstab herausholen, sondern bloß mit der Sägekette über den Stamm fahren und auf einem Display die Länge ablesen. Meier belegte damit den ersten Platz in der Kategorie Arbeitswelt.

Johannes Meier stellt sein Projekt vor:

Landeswettbewerb Jugend forscht – Johannes Meier

Johannes Konrad (18), der an der Universität Regensburg Pharmazie studiert, hat mit seinen Freunden Luca Ponzio (17) und Daniel Itkis (19), die er auf dem Straubinger Johannes-Turmair-Gymnasium kennengelernt hat, einen Fusionsreaktor entwickelt. Nur so, um mal auszuprobieren, ob man auch mit wenig Geld und einfachen Materialien einen Fusionsreaktor bauen kann. Die Lehrer in der Schule winkten ab: Fusion? Strahlen? Lieber nicht. Also bauten die drei ihren Farnsworth-Hirsch-Fusor daheim im Keller, mit Teilen aus dem Baumarkt, die Fusionskammer ist eigentlich ein Abflussrohr. Und weil sie ungefähr zum Einreichungstermin von Jugend forscht fertig wurden, erzählt Konrad, nahmen sie einfach mal teil. Dafür, dass sie „eine Palette trickreicher, schülerangemessener Lösungen gefunden“ haben, bekamen sie den Sonderpreis des Bayerischen Staatsministeriums für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst und dürfen ebenfalls zum Bundeswettbewerb fahren.

In dem Video sehen Sie, wie der Farnsworth-Hirsch-Fusor funktioniert:

Landeswettbewerb Jugend forscht – Hirsch-Fusor

Den Kunststoffgeruch beseitigen

Den zweiten Platz in der Kategorie Chemie erreichte Andrea Lehner (18) aus Sünching, die herausgefunden hat, wie sich der unangenehme Geruch des Kunststoffs Lignin beseitigen lässt, so dass das Material in Zukunft vielleicht in der Innenverkleidung von Autos eingesetzt werden könnte.

Andrea Lehner präsentiert ihr Projekt:

Landeswettbewerb Jugend forscht – Andrea Lehner

Auch Louis Bauer (18) vom Kepler-Gymnasium in Weiden konnte als Zweitplatzierter von der Bühne gehen: Für seine Idee, einen Flugkörper zu entwickeln, der den statischen Auftrieb eines Heliumballons mit der präzisen Steuerbarkeit eines Multikopters verbindet.

Wer am Donnerstag vor der Preisverleihung den Schwandorfer Christian Knutzen (18) suchte, der musste sich etwas Mühe geben: Christian war unterwegs, um den Preisträgern zu gratulieren. Der Stuhl an seinem Stand, an dem er das von ihm selbst entwickelte Computerprogramm Caelestia vorstellt, das die Laufbahn von Planeten und Kometen im Sonnensystem berechnen kann, war leer. Allzu enttäuscht, dass er keinen Preis bekommen hat, war Knutzen aber nicht: Er hat die Tage in München genossen. Und sein Programm will er Schulen und Universitäten in Zukunft kostenlos zur Verfügung stellen. Wenn er die Abiturprüfungen hinter sich hat.

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