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Musical

Ruft der Watzmann das letzte Mal?

Das nicht ganz ernst gemeinte „Drama“ über die schreckliche Macht des Berges begeisterte das Publikum in der Donau-Arena.
Von Angelika Lukesch, MZ

Wolfgang Ambros erzählte die Geschichte zum Musical und wirkte dabei gesundheitlich sichtbar angeschlagen.
Wolfgang Ambros erzählte die Geschichte zum Musical und wirkte dabei gesundheitlich sichtbar angeschlagen.Foto: Niering

Regensburg. „Der Watzmann ruft“ nun schon seit mehr als 40 Jahren und ebenso oft ist „der Bua“ diesem Ruf erlegen, nachdem er von der Gailtalerin verführt worden war. „Aufi … Aufi auf´n Berg“. Was im Jahr 1972 in einer bierseligen Stunde mit Wolfgang Ambros, Manfred Tauchen und Joesi Prokopetz begann, wird wohl nach dieser Tournee nie wieder in der (fast) Originalbesetzung auf die Bühne gelangen, denn diese Tour wird als endgültig letzte Abschiedstournee bezeichnet.

Ob dies stimmt, wird sich erst noch zeigen müssen, denn Watzmann-Abschiedstourneen gab es bereits mehrere. Die Stimmung in der Regensburger Donau-Arena, als sich die Bühne erhellte und das klischeehaft-opulente Bühnenbild mit einem pinkfarbenen Watzmann zu leuchten begann, schien sich jedoch am „letzten Mal“ zu orientieren. Jeder Fan war vom ersten Moment an mitten in der Geschichte, mitten im Alpen-Feeling und voller Vorfreude auf österreichisch-deftigen Witz und begierig auf den mittlerweile als „Kult“ bezeichneten Klamauk, der mit bekannten Alpen-Stereotypen aufwartet.

Eberhartinger als Gailtalerin

Das Publikum wurde nicht enttäuscht, dafür sorgten die altgedienten Watzmann-Profis: Joesi Prokopetz als Knecht 1 und Vater, Christoph Fälbl als Knecht 2 und Bua, Klaus Eberhartinger (Frontmann der EAV – Ersten Allgemeinen Verunsicherung) als vollbusige Gailtalerin. Als Primus inter Pares fungierte Wolfgang Ambros, der als Erzähler, Sänger und mittlerweile als seine eigene Legende auf der Bühne stand.

Die schönen Sennerinnen wecken Begehrlichkeiten. Das Musical spart nicht mit schrillen und zotigen Witzen. Foto: Niering
Die schönen Sennerinnen wecken Begehrlichkeiten. Das Musical spart nicht mit schrillen und zotigen Witzen. Foto: Niering

Mitten in all den derben Blödeleien des Musicals beschlich den Zuschauer beim Anblick seines Idols ein bisschen Beklommenheit. Der österreichische Künstler wirkt nach seiner schweren Wirbelsäulenoperation angeschlagen, kann sich schlecht bewegen und scheint abgemagert. Seine unverwechselbare, sonore Stimme klang jedoch stark und tragend wie eh und je, manchmal vielleicht ein bisschen zu zögerlich.

Die Geschichte um den schauerlichen Berg Watzmann, der seine Opfer zu sich ruft, um sie in die Tiefe stürzen zu lassen, entrollte sich erneut zur Begeisterung des Publikums, das jede einzelne Kleinigkeit vom ersten „Hollaröhdulliöh“ bis zum mehrfach ertönenden „Aufi, aufi!“ genau kannte und sich immer wieder aufs Neue von den schrillen, teils zotigen Witzen mitreißen ließ. Die „Nummer 1 vom Wienerwald“, Wolfgang Ambros’ Band, steuerte perfekten Sound bei, die Protagonisten füllten ihre derb-schillernden Figuren sehr treffend aus.

Bus voller Fans aus Oberösterreich

Die Zuschauer, im Alter zwischen sehr jung und aus der Generation der Autoren stammend, verschlangen voller Genuss das Spektakel, das Wolfgang Ambros und seine ganze Watzmann-Crew voll Leidenschaft auf der Bühne entfaltete. „Das ist halt einfach immer eine Riesengaudi. Ich hab den Watzmann schon öfter gesehen und finde es ganz schlimm, dass das nun das letzte Mal gewesen sein soll“, sagt Arthur Ebenhofer, der mit einem Bus vollbesetzt mit Watzmann-Fans aus Oberösterreich nach Regensburg angereist war.

Auf der Bühne standen die altgedienten Watzmann-Profis. Foto: Niering
Auf der Bühne standen die altgedienten Watzmann-Profis. Foto: Niering

Seine Meinung teilten die meisten Zuschauer in der Donau-Arena. „Super“, „geil“, „der Wahnsinn“ lauteten die Antworten auf die Frage, wie denn das „Rustical“ gefallen habe. Dennoch: Trotz all der guten Kritiken für diese sinnfreie Alpenklischee-Komposition, brannte sich dem Zuschauer unweigerlich ein anderer Eindruck ins Gedächtnis. Die Verletzlichkeit des angeschlagenen Wolfgang Ambros wurde gerade durch diesen Kontrast zum grobgeschnitzten Humor des „Rusticals“ besonders hervorgehoben. Unweigerlich stellte sich deshalb am Ende der Show die Frage, ob dies nicht tatsächlich die endgültige Abschiedstournee von „Der Watzmann ruft“ gewesen ist.

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