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Migration

Sea-Eye-Chef: Europa verfault von Innen

An der Uni gab es eine Diskussion, ob sich Seenotrettung und Grenzschutz im Mittelmeer widersprechen
Von Curd Wunderlich

Michael Buschheuer rettet mit „Sea Eye“ Flüchtlinge in Seenot. Fotos: mcw
Michael Buschheuer rettet mit „Sea Eye“ Flüchtlinge in Seenot. Fotos: mcw

Regensburg.Michael Buschheuers Handy klingelt. Gut 50 Minuten intensiver Diskussion über einen möglichen Widerspruch zwischen Seenotrettung und Grenzkontrolle auf dem Mittelmeer sind vergangen. Der Regensburger Unternehmer hat sich als Kopf der privaten NGO „Sea Eye“ einen Namen als Retter von Flüchtlingen auf dem Mittelmeer gemacht. Die Störung durchs Mobiltelefon sei kein Versehen, macht er klar. Den Wecker hat er gestellt um ein Zeichen zu setzen: „Alle 50 Minuten stirbt an der europäischen Außengrenze ein Mensch.“ Das sei seine persönliche Einschätzung. Offizielle Quellen gingen von einem Menschen alle ein bis zwei Stunden aus – allerdings schätzt Buschheuer die Dunkelziffer als sehr hoch ein.

„Wir müssen sehen, dass jedes Jahr tausende Menschen im Mittelmeer sterben. Wenn wir aktiv wegschauen, verfault Europa von Innen.“

Michael Buschheuer

„Wir müssen sehen, dass jedes Jahr tausende Menschen im Mittelmeer sterben. Wenn wir aktiv wegschauen, verfault Europa von Innen“, sagt Buschheuer. In seinen Augen wird von europäischer Seite derzeit zu viel darauf geschaut, möglichst viele Flüchtlinge vom Mittelmeer nicht nach Europa kommen zu lassen, anstatt ihnen zu helfen. Buschheuer berichtete bei der durch den Verein „Junges Europa“ organisierten Podiumsdebatte detailliert von der Arbeit seiner Organisation vor der libyschen Küste.

„Junges Europa“

  • Junges Europa

    möchte der „nach wie vor bestehenden europäischen Krisenrhetorik einen gesamteuropäischen Blickwinkel entgegen setzen“. So formulieren die Mitglieder des Vereins ihr Ziel.

  • Mit dieser Motivation

    wurde 1999 der Verein an der Universität Regensburg gegründet – als interfakultäres und politisch neutrales Forum. Unter der Schirmherrschaft des ehemaligen Bundesaußenministers Klaus Kinkel will „Junges Europa“ Regensburger Studenten und anderen Interessierten das „Projekt Europa“ näher bringen.

Beihilfe zur illegalen Einreise?

Innerhalb der EU ist es rechtlich umstritten, ob private Seenotretter auf dem Mittelmeer Beihilfe zur illegalen Einreise leisten. Das machte Joachim Menze, Leiter der Münchener Regionalvertretung der Europäischen Kommision, deutlich. Grundsätzlich aber müsste Menschen in Seenot geholfen werden. „Wer das als Kapitän – egal welches Schiffes – nicht tut, muss mit rechtlichen Konsequenzen rechnen.“

Der ehemalige CSU-Bundestagsabgeordnete Hans-Peter Uhl erklärte, es seien „oft nicht die Ärmsten der Ärmsten, sondern die Reichsten der Ärmsten, die zu uns kommen“. Nur diese könnten sich die teuren Schleusungen quer durch die Sahara und bis Europa überhaupt leisten. Insofern müsse man sich in seinen Augen hierzulande vor allem fragen, wie man Anreize zur Flucht vermeiden könne.

Wo Europa versagt hat

Dazu gehöre auch, Menschen ohne Bleibeperspektive konsequent zurückzuführen. „Damit die anderen auch sehen, der gefährliche Weg lohnt sich nicht.“ Aus seiner Sicht gehören „Verbot, herzukommen und Angebot, zu bleiben“ zusammen. „Dafür müssen Milliarden in die Hand genommen werden.“ Allerdings habe Europa bei der Hilfe in Afrika „bislang versagt und wir versagen noch immer“. Es brauche einen Masterplan. Auch wenn es illusorisch sei, die massenhafte Völkerwanderung zu beenden. „Wir können das Problem nur lindern.“ Christian Helmrich, Leiter der „Refugee Law Clinic“, formulierte als Ziel, „die Lebensbedingungen der Menschen, die zu uns kommen wollen, so zu verbessern, dass sie es nicht mehr wollen“. Bis dahin sei es aber ein weiter Weg.


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