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Auszeichnung

„Sie gehören zum starken Herz Bayerns“

Bayerischer Verdienstorden: Magdalena Neuner, Georg Gänswein und MZ-Herausgeber Peter Esser sind unter den 38 neuen Trägern
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

  • Papstsekretär Georg Gänswein zeigte sich überrascht über die Auszeichnung. Für seine Reise nach München hatte er beim emeritierten Papst Benedikt um einen freien Tag bitten müssen. Foto: dpa
  • Die ehemalige Biathletin Magdalena Neuner mit ihren Eltern Margit und Paul. Foto: dpa

München.Der frühere Bundestagsabgeordnete und Landrat Simon Wittmann hat sich in die Journalistenecke geschmuggelt. Der Oberpfälzer will einen besonderen Moment im Familienalbum mit der Kamera festhalten. Seine Frau Elisabeth wird mit dem Bayerischen Verdienstorden geehrt – in einer Reihe mit Persönlichkeiten wie Erzbischof Georg Gänswein und Biathleton-Legende Magdalena Neuner. Für den CSU-Politiker, der es früher gewohnt war, in der ersten Reihe zu stehen, eine neue und – wie man ihm ansieht – schöne Erfahrung.

38 neue Ordensträger

In diesem Jahr werden 38 Persönlichkeiten ausgezeichnet, darunter sieben Oberpfälzer und drei Niederbayern. „Sie gehören zum starken Herz Bayerns und das Herz ist bekanntlich lebenswichtig“, sagt Ministerpräsident Horst Seehofer beim Festakt am Mittwoch in München. Alle Preisträger hätten über einen langen Zeitraum „Außerordentliches“ für den Freistaat und für das bayerische Volk geleistet. Soziales, wirtschaftliches, politisches und kulturelles Engagement wird mit der höchsten bayerischen Auszeichnung belohnt. Der Orden ist auch deshalb einmalig in Deutschland, weil er die Zahl der Träger auf 2000 lebende Persönlichkeiten beschränkt, wie der Ministerpräsident in seiner Ansprache erläutert.

MZ-Herausgeber Peter Esser mit Ministerpräsident Horst Seehofer Foto: Schönberger
MZ-Herausgeber Peter Esser mit Ministerpräsident Horst Seehofer Foto: Schönberger

Peter Esser, Herausgeber der Mittelbayerischen Zeitung und Vizepräsident der Deutschen Industrie- und Handelskammer, ist der erste neue Ordensträger, den Seehofer nach vorne bittet. „Durch sein vielseitiges und engagiertes unternehmerisches und ehrenamtliches Wirken“ habe Esser „hervorragende Verdienste um den Freistaat Bayern“ erworben, heißt es in der Laudatio. Er freue sich über die Auszeichnung, sagt Esser, lenkt aber sofort den Blick auf jene Menschen, die im sozialen Bereich für außerordentliche Leistungen geehrt werden. „Da gibt es Biografien, die haben mich stark beeindruckt.“

Zu diesen nun mit dem Verdienstorden ausgezeichneten Persönlichkeiten gehören Margareta Lutz und ihr Mann Werner aus dem unterfränkischen Aidhausen. Drei der vier Söhne der Familie sind mit einer schwersten Behinderung zur Welt gekommen. Gemeinsam kümmerten sie sich viele Jahrzehnte nicht nur um die Familie, sondern auch um die Bäckerei mit Lebensmittelladen. Nun ist auch Werner Lutz pflegebedürftig und wird von seiner Frau und dem gesunden Sohn versorgt. „Sie sind beispielgebend für gelebte Nächstenliebe“, lobt der Ministerpräsident.

Von Kameras umringt sind die bekannten Gesichter der Veranstaltung, allen voran Erzbischof Georg Gänswein. Er habe in München studiert und deshalb auch einen engen Bezug zu Bayern, antwortet er auf die Frage, was ihm der Orden bedeute. Wie es in der Laudatio heißt, habe sich Gänswein um die Beziehungen zwischen dem Vatikan und dem Freistaat Bayern in herausragender Weise verdient gemacht. Der emeritierte bayerische Papst Benedikt XVI. habe sich mit ihm über diese Anerkennung gefreut, sagt Gänswein. Gegenüber der MZ verrät der Erzbischof, dass es dem inzwischen 88-Jährigen dem Alter entsprechend gut gehe. „Geistig ist er noch immer sehr frisch, nur das Gangwerk ist etwas schlechter geworden.“ Das Geschehen in seiner Heimat verfolge er noch immer täglich. „Ihn interessiert was in Regensburg passiert, in Bayern und in Deutschland.“ Das letzte Ereignis aus Regensburg, von dem ihm Papst Benedikt beim gemeinsamen Essen ausführlich berichtet habe, sei die Installation einer Blutreliquie von Papst Johannes Paul II. in der Regensburger Stiftskirche St. Johann gewesen. „Darüber war er bestens von seinem Bruder Georg unterrichtet.“

„Hab ich das wirklich verdient?“

Vor vier Wochen hat Elisabeth Popp aus Cham von ihrer Auszeichnung erfahren. „Da war ich schon sehr überrascht und hab mir zunächst gedacht, ob ich das wirklich noch verdient habe, jetzt, wo ich mich ehrenamtlich etwas zurückgenommen habe.“ Popp hat acht Jahre lang mit großem Engagement den Diözesanverband des Katholischen Frauenbundes in der Diözese Regensburg geführt. Ein großes Anliegen war und ist ihr das Projekt „JANA“, das auf den Frauenhandel an der bayerisch-tschechischen Grenze aufmerksam macht und betroffene Frauen unterstützt.

Gerd Geismann war 24 Jahre Erster Bürgermeister der Stadt Sulzbach-Rosenberg und musste dort unter anderem die großen Herausforderungen nach der Stilllegung des Stahlwerkes Maxhütte meistern. Gewürdigt wird mit der Auszeichnung aber auch sein großes ehrenamtliches Engagement. „Seine großartigen künstlerischen Leistungen sowie sein ausgeprägtes Organisationstalent“ haben Christoph Lickleder aus Kelheim, den künstlerischen Leiter der Musikvereinigung Kelheim, den Verdienstorden eingebracht. Seit fast 50 Jahren ist er unermüdlich im Einsatz. Domvikar Monsignore Harald Scharf aus Regensburg lebt den sozialen Gedanken von Adolph Kolping, außerdem ist ihm die Integration von schwervermittelbaren Jugendlichen ins Berufsleben eine Herzensangelegenheit. Die Schwestern Andrea und Sabine Schönberger aus Schwarzenfeld haben in ihrem Stahl- und Metallunternehmen ein außerordentlich familienfreundliches Arbeitsmodell umgesetzt. „Sie sind beispielgebend für eine gleichzeitig betriebswirtschaftlich erfolgreiche und familienfreundliche Unternehmensführung“, heißt es in der Laudatio.

Elisabeth Wittmann darf als vorletzte neue Ordensträgerin die Gratulation von Ministerpräsident Seehofer entgegennehmen. Sie wird für ihr soziales Engagement, insbesondere in der Aktion „Lichtblicke“ für bedürftige Menschen geehrt. Horst Seehofer hat seinen Parteifreund sofort im Journalistentross entdeckt und winkt. Der Schnappschuss für das Familienalbum gelingt.

Der Bayerische Verdienstorden 2015

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