mz_logo

Oberpfalz
Donnerstag, 24. Mai 2018 26° 8

Karriere

Top-Chancen für Akademiker

Der „Klebe-Effekt“ in der Region Regensburg ist hoch: Viele Uni-Absolventen bleiben. Master-Abschlüsse machen sich bezahlt.
Von Marion Koller

  • „Frauen verkaufen sich oft unter Wert“: die Gründerin Waltraud Mühlbauer in ihrem Büro in der Regensburger Tech-Base Foto: Lex
  • Arbeitsmarktforscher Prof. Joachim Möller Foto: IAB Nürnberg

Regensburg.Die Arbeit in der Tech-Base am Regensburger Galgenberg erfüllt Waltraud Mühlbauer. In der von ihr mitgegründeten Softwarefirma Waveor organisiert die 35-Jährige alles, was nicht unter Technik fällt. „Vom Aussuchen der Steuerkanzlei bis zum Businessdevelopment, also das Knüpfen von Kontakten auf Fachmessen“, erklärt die junge Frau. Waveor stellt eine Software für Computerspiele und Werbung her, die Wasser täuschend echt abbildet. Waltraud Mühlbauer ist keine Software-Entwicklerin, sondern hat an der Universität Regensburg einen Magister in Politologie erlangt.

Was sie in den ersten Berufsjahren erlebt hat, scheint für Geisteswissenschaftlerinnen typisch zu sein. Zunächst arbeitete sie in einer anderen Firma als Assistentin der Geschäftsführung, fühlte sich unterfordert und unterbezahlt. „Im Grunde ein Sekretärinnenjob“, sagt Mühlbauer. Erst der Wechsel zum Start-up Waveor brachte Zufriedenheit – auch finanziell, obwohl sie eigenes Geld investiert hat.

Wettbewerb um schlaue Köpfe

Eine Studie der Arbeitsmarktforscher Prof. Joachim Möller und Christoph Rust zur Uni Regensburg bescheinigt, dass einem Großteil aller Absolventen der Berufseinstieg ausgesprochen gut gelingt. Eineinhalb Jahre nach dem Examen stehen 60 Prozent im Erwerbsleben. Während aber MINT-Abgänger (Mathe, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) mit der ersten Stelle am zufriedensten sind, klagen Geisteswissenschaftler.

Vor allem Frauen äußern sich unzufrieden darüber, dass sie trotz Studiums ein zu niedriges Gehalt beziehen oder der erste Job nicht den Vorstellungen entspricht. Geisteswissenschaftler müssen sich flexibler zeigen, weil häufig die klar definierten Berufsbilder fehlen. Das birgt am Anfang des Erwerbslebens ein gewisses Risiko.

Prof. Bock, Vizepräsident der OTH Regensburg Foto: kn

Die Absolventen der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH) kommen laut Vizepräsident Prof. Wolfgang Bock problemlos unter. 71 Prozent unterschreiben innerhalb von drei Monaten nach dem Abschluss einen Arbeitsvertrag, weitere 16 Prozent innerhalb von acht Monaten. Bock beruft sich auf das Bayerische Absolventenpanel. Knapp die Hälfte der OTH-Alumni verdient die Brötchen im verarbeitenden Gewerbe – Maschinen- und Fahrzeugbau, Elektrotechnik, Elektronik. Weitere 40 Prozent sind in der Dienstleistung tätig, in Ingenieurbüros, im Sozialbereich und der Software-Entwicklung.

Eine Arbeitslosenquote junger Akademiker gibt die Nürnberger Regionaldirektion der Bundesarbeitsagentur nicht heraus, aber die Zahl der 15- bis 25-jährigen Oberpfälzer ohne Job betrug 2017 geringe 2,7 Prozent (2016: 3,1). Die Arbeitslosenquote für Akademiker liegt nach Aussage von Pressesprecherin Olga Saitz für 2017 noch nicht vor. 2016 betrug sie in der Oberpfalz 1,5 Prozent, in Regensburg 1,3. „Je höher die Qualifikation, desto geringer ist die Arbeitslosigkeit“, sagt Saitz.

Alexander Engert aus Furth im Wald hat sein Studium der Elektrotechnik an der OTH Regensburg im September 2016 beendet, wenige Tage später ist er bei der Zollner Elektronik AG in Zandt, Landkreis Cham, eingestiegen. Der 27-Jährige ist auf Fachmessen unterwegs, immer auf der Suche nach neuen Messgeräten und -anwendungen für die Firma. Engert gelang ein rascher Berufsstart, weil ihn die Personalleitung von Zollner bereits kannte.

„Ich würde alles wieder genauso machen.“Alexander Engert, Elektrotechnik-Ingenieur bei der Zollner AG, Zandt Foto: Engert

Er ließ sich dort zum Elektroniker ausbilden und hat das Masterstudium angehängt. „Ich würde alles wieder genauso machen“, sagt Engert. „Der Zollner ist eine sehr gute Firma.“ Engert zählt zu den 30 bis 40 Prozent der OTH-Abgänger, die einen Master draufsatteln. Der Großteil verlässt die Hochschule mit Bachelorzeugnis.

Wenn Absolventen von Uni und OTH in der Region bleiben, sprechen die Arbeitsmarktforscher vom „Klebeeffekt“. Der ist wegen des Fachkräfte-Engpasses sehr erwünscht. In ihrer Studie schreiben die Wissenschaftler Prof. Möller und Rust, dass sich viele Studierende von außerhalb auch nach dem Examen für Regensburg und das Umland entscheiden. Im Wettbewerb um die „schlauesten Köpfe“ schaffe sich die Region damit eine gute Ausgangsposition.

Waltraud Mühlbauer, die aus Dorfen im Kreis Erding stammt, gehört zu dem Viertel der von auswärts kommenden Universitätsabsolventen, die nach dem Abschluss bleiben. Von den Einheimischen entscheiden sich sogar drei Viertel für die Domstadt oder die Region. Besonders MINT-Absolventen und Mediziner werden auffallend oft an der Donau heimisch. Sie finden rasch eine Stelle, etwa in der Industrie und den Kliniken. Fast die Hälfte der OTH-Alumni lässt sich ebenfalls dauerhaft in der Oberpfalz nieder, die meisten in Regensburg. Alexander Engert strebte den Job bei Zollner auch an, weil er in Furth im Wald lebt und nicht stundenlang pendeln möchte.

„Mut haben! Es lohnt sich“

Die Erhebungen zeichnen ein weitgehend positives Bild von Zufriedenheit und Chancen der Regensburger Jungakademiker. Master-Absolventen können mit 13 Prozent mehr Gehalt rechnen als ihre Bachelor-Kollegen. Unabhängig vom Abschluss verdienen aber die jungen Frauen sechs Prozent weniger als die Männer. Insgesamt urteilen die Forscher, dass sich ein Studium auch ökonomisch auszahlt.

Waltraud Mühlbauer von Waveor hat das „Gefühl, dass die Firmen oft nicht sehen wollen, was die Mitarbeiterinnen können“. Andererseits verkauften sich Frauen „unter Wert“. Sie beobachtet bei weiblichen Bekannten, dass sie in Jobs verharren, obwohl sie unzufrieden sind. „Man muss Mut haben, es lohnt sich“, sagt die 35-Jährige.

„Ich habe 2014 die Personalleitung übernommen.“Sabrina Scharf, Personalchefin bei MeillerGHP, Schwandorf Foto: Scharf

Sabrina Scharf, Personalchefin bei MeillerGHP in Schwandorf, ist mutig. Die 31-jährige Betriebswirtin mit Bachelor hängt noch ein Studium der Wirtschaftspsychologie an. Abends paukt sie an einer Nürnberger Privatuni. „Wirtschaftspsychologie begeistert mich. Ich bereue es keine Minute“, sagt sie trotz der Strapazen.

Über 3000 Befragte

  • Die Antworten von 2502

    Regensburger Universitätsstudenten sind eingeflossen in die Absolventenstudie der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Joachim Möller, Uni Regensburg, und Christoph Rust. Diese ist Ende 2017 erschienen. Sie stützt sich auf Ergebnisse des Bayerischen Absolventenpanels, einer regelmäßigen Befragung von Uni- und Hochschul-Alumni. Der untersuchte Zeitraum umfasst die vergangenen zehn Jahre.

  • Ziel des langfristig

    angelegten Projekts ist, Informationen zur Ausbildungsqualität der Hochschulen, zum Übergang der Studierenden in den Arbeitsmarkt und zur beruflichen Laufbahn zu gewinnen.

  • Auch OTH-Vizepräsident

    Prof. Wolfgang Bock beruft sich in seinen Antworten auf die MZ-Fragen auf das Bayerische Absolventenpanel. 1707 Alumni der OTH Regensburg wurden angeschrieben, 889 (52 Prozent) davon nahmen an der Befragung teil. Bock betont, deshalb seien die Ergebnisse repräsentativ.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht