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Baumer-Verlobter auf der Anklagebank

Der Krankenpfleger muss sich ab Montag wegen sexuellen Missbrauchs verantworten. Sein Anwalt kämpft für eine Bewährungsstrafe
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

Ab Montag wird der 32-jährige Krankenpfleger vor dem Landgericht Regensburg auf der Anklagebank sitzen. Foto: Archiv
Ab Montag wird der 32-jährige Krankenpfleger vor dem Landgericht Regensburg auf der Anklagebank sitzen. Foto: Archiv

Regensburg.Es ist ein Prozess, der für Schlagzeilen sorgen wird. Nicht, weil die Vorwürfe besonders spektakulär wären, es sind die Umstände, unter denen die angeklagten Vergehen ans Licht kamen. Der Mann, der sich ab Montag vor dem Landgericht Regensburg wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern, wegen Besitzes kinderpornografischen Materials, wegen Nötigung sowie Diebstahls von Medikamenten verantworten muss, steht unter einem weiteren, schwerwiegenden Verdacht. Gegen ihn wird wegen des Todes seiner ehemaligen Verlobten Maria Baumer ermittelt. Der jetzige Prozess basiert auf Erkenntnissen der Polizei, die im Zusammenhang mit dem ungeklärten Tötungsdeliktes an der 26-jährigen Frau aus Muschenried (Lkr. Schwandorf) gemacht wurden.

Sieben Seiten umfasst die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Regensburg. Die darin aufgelisteten Vorwürfe liegen zum Teil mehr als zehn Jahre zurück. Auf Festplatten waren die Ermittler auf Hinweise gestoßen, dass der Angeklagte – bis zu seinem Abitur 2004 Schüler am Domspatzen-Gymnasium – sexuelle Kontakte zu deutlich jüngeren Schülern gesucht hatte. Die Übergriffe sollen, bis auf einen Fall, nach dem Ende der Schulzeit des 32-Jährigen stattgefunden haben.

Bei einem Opfer soll es im Zeitraum zwischen Februar 2006 und Juli 2011 zu mehreren Taten gekommen sein, darunter auch einen schweren sexuellen Missbrauch im Jahr 2006, bei dem sich der Angeklagte den Ermittlungen zufolge von seinem Opfer oral befriedigen ließ. Der Schüler war damals 13 Jahre alt. In der Folgezeit habe es weitere sexuelle Handlungen mit dem nun Jugendlichen gegeben, so die Ermittlungsergebnisse von Polizei und Staatsanwaltschaft.

Übergriffe in gemeinsamer Wohnung

Der Krankenpfleger und der Schüler waren befreundet und übernachteten auch gemeinsam. In vier Fällen sei es dabei auch zu sexuellen Berührungen im Schlaf gekommen, die der Angeschuldigte gefilmt und fotografiert habe. In zwei Fällen sollen die Übergriffe in der Wohnung, die der Angeklagte gemeinsam mit seiner Verlobten Maria Baumer bewohnte, stattgefunden haben.

In einem weiteren Fall soll es bei einem damals elf- oder zwölfjährigen Schüler im Sommer 2003 oder 2004 zu einem sexuellen Übergriff auf einem Campingplatz gekommen sein.

So laufen Rechtsgespräche ab

  • Der Zweck:

    Als Rechtsgespräch bezeichnet man den im Rahmen eines Gerichtsverfahrens unternommenen Versuch, eine Verständigung herbeizuführen.

  • Der Rahmen:

    In einem Strafprozess ist die Verständigung aber nur unter einigen Einschränkungen zulässig, um einen „Handel mit der Gerechtigkeit“ auszuschließen. Die Verständigung im Strafverfahren ist zulässig, wenn unter anderem ausschließlich der Strafausspruch, also das Strafmaß, zur Erörterung gestellt wird. Die Verfahrensbeteiligten können zudem weiterhin Rechtsmittel gegen das ergehende Urteil einlegen.

Im Fall einer ehemaligen Patientin am Bezirksklinikum wird dem Mann vorgeworfen, er habe der damals 20-Jährigen, die er als Krankenpfleger betreut hatte, bei einem späteren privaten Treffen im April 2014 Medikamente verabreicht und sie sexuell genötigt. Die Staatsanwaltschaft wertet dies auch als vorsätzliche Körperverletzung. Zuvor soll der Krankenpfleger die junge Frau mit Anrufen und Nachrichten regelrecht bombardiert haben. Wegen dieses möglichen Straftatbestandes saß der 32-Jährige zwei Wochen in Untersuchungshaft. Derzeit sind sämtliche Haftbefehle außer Vollzug gesetzt. Der großen Jugendkammer am Landgericht, der drei Berufsrichter und zwei Schöffen angehören, wird zudem über den Besitz von drei Videos mit kinderpornografischen Darstellungen, verhandeln.

Michael Haizmann, der Anwalt des Angeklagten, sagt, dass er dem Prozess relativ entspannt entgegen sehe. Für einen Teil der Anschuldigungen werde vor Gericht schwer ein Nachweis zu führen sein. Er wolle für seinen Mandanten auf jeden Fall eine Bewährungsstrafe erreichen. Nach der Verlesung der Anklageschrift am Montag werde er ein Rechtsgespräch mit den Beteiligten beantragen. Ob sich der Angeklagte selbst zu den Anschuldigungen äußern werde, stehe noch nicht fest. Haizmann hebt im Gespräch mit unserem Medienhaus hervor, dass die Verteidigung sehr genau darauf achten werde, „dass das jetzige Verfahren nicht zu einem Ersatzprozess im Fall Maria Baumer wird“. „Das werde ich nicht zulassen.“

Baumer-Ermittlungen laufen weiter

Im Fall der unter ungeklärten Umständen gewaltsam ums Leben gekommenen Oberpfälzerin hat die Staatsanwaltschaft Regensburg die Ermittlungen nach wie vor nicht abgeschlossen. Die 26-Jährige war seit Mai 2012 vermisst, ihre sterblichen Überreste wurden im September 2013 von Pilzsammlern in der Nähe von Bernhardswald gefunden. Eine zunächst für Ende dieses Jahres angekündigte Entscheidung wurde erneut verschoben. Von dem nun anstehenden Prozess gegen den einzigen Tatverdächtigen erhofft sich die Staatsanwaltschaft aber nach eigenen Aussagen keine neuen Erkenntnisse.

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