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Fall Baumer: Anwalt prüft Haftbeschwerde

Noch diese Woche will die Polizei mit einem Fragenkatalog im Fall Baumer an die Öffentlichkeit gehen. Auch „Aktenzeichen XY“ greift den Fall wieder auf.
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

Der Fall Maria Baumer ist am 25. September wieder Thema bei „Aktenzeichen XY“. Foto: Archiv

Regensburg. Fast ein Jahr ist es her, dass „Aktenzeichen XY“ in einer Sondersendung nach der vermissten Maria Baumer suchte. Nun muss sich Redaktionsleiterin Ina-Maria Reize-Wildemann darauf vorbereiten, in der ZDF-Sendung am 25. September die Todesnachricht zu vermelden. „Wir wissen noch nicht genau, wie wir auf die jetzigen Entwicklungen reagieren werden“, sagt sie im Gespräch mit der MZ. Fest steht nur, dass sie wohl in ihrem Moderationstext kein Wort über den Tatverdächtigen verlieren wird. „Noch gilt ja die Unschuldsvermutung.“

Die sterblichen Überreste von Maria Baumer waren am vorvergangenen Sonntag von Pilzsammlern entdeckt worden. Am Mittwoch hatte die Polizei den Lebensgefährten der jungen Frau unter dringendem Tatverdacht festgenommen. Seit Donnerstag sitzt der 28-jährige Regensburger in Untersuchungshaft. Er schweigt weiterhin zu den Tatvorwürfen, sagt Polizeisprecher Stefan Hartl am Montag auf MZ-Nachfrage.

Von Anfang an unter Beobachtung

Die Redaktionsleiterin von „Aktenzeichen XY“ hatte den Verlobten von Maria Baumer im Zuge der Dreharbeiten kennengelernt. „Natürlich hat man bei der Vorbereitung einer solchen Sendung auch immer im Kopf, ob man nicht einem möglichen Täter gegenübersitzt.“ Gerade in diesem speziellen Fall habe sie sich so etwas aber nicht vorstellen können. „Die Familie ist so nett und geht so liebevoll miteinander um.“ Der Verlobte sei in diese Familie sehr gut integriert gewesen. Niemand aus der Familie habe wohl an seiner Unschuld gezweifelt. Auch sie selbst sei „aus allen Wolken gefallen“, als sie die Nachricht erhalten habe, sagt Reize-Wildemann. „Und ich kann mir vorstellen, wie schrecklich das alles nun für die Angehörigen von Maria Baumer sein muss.“

Wie die MZ aus Polizeikreisen erfuhr, stand der Verlobte von Anfang der Ermittlungen an auch als potenzieller Tatverdächtiger unter Beobachtung. Schließlich sind 90 Prozent aller Tötungsdelikte Beziehungstaten. Polizeisprecher Stefan Hartl will dazu nicht Stellung nehmen: „Das sind alles ermittlungstaktische Punkte, zu denen wir zum jetzigen Zeitpunkt keine Auskünfte geben.“

Derzeit arbeitet die Polizei an einem Fragenkatalog, den sie noch im Laufe dieser Woche der Öffentlichkeit präsentieren will. Unter anderem geht es darin um den Spaten, der in der Nähe der toten Maria Baumer gefunden wurde. Das Werkzeug werde derzeit von Experten des Landeskriminalamtes untersucht. „Uns interessiert auch, ob jemand diesen Spaten kennt oder Angaben dazu machen kann“, so Hartl. Ebenfalls untersucht wird eine Trinkflasche, die in dem Waldstück nahe dem Fundort lag. Unterdessen hat der Anwalt des Tatverdächtigen gegenüber dem Bayerischen Rundfunk angekündigt, dass er eine Haftbeschwerde prüfen werde. Dies wolle er an diesem Dienstag mit seinem Mandanten besprechen. Anwalt Michael Haizmann argumentiert, dass es keine neuen Indizien gebe, die eine Untersuchungshaft rechtfertigen würden.

Polizei hält sich bedeckt

Die sterblichen Überreste der 26-jährigen Oberpfälzerin befinden sich weiterhin in der Rechtsmedizin. Nach Polizeiangaben steht noch nicht fest, wann sie für die Beerdigung freigegeben werden kann.

Bei der MZ hat sich inzwischen eine ehemalige Patientin des Tatverdächtigen gemeldet. Sie beschreibt den Krankenpfleger als „sehr verständnisvoll und einfühlsam“. Für sie sei es ein Rätsel, wie er so etwas getan haben soll. Die Leserin bringt in ihren Ausführungen auch die Gedächtnislücken ins Spiel, unter denen Maria Baumer vor ihrem Verschwinden gelitten hatte und für die es noch keine abschließende ärztliche Diagnose gab. „Solche Erinnerungslücken kann ich mir unter bestimmten Medikamentengaben schon vorstellen.“ Als Krankenpfleger und Medizinstudent im vierten Semester hatte der Tatverdächtige entsprechende Kenntnisse und möglicherweise auch Zugang zu Psychopharmaka. Eine von vielen Spekulationen, die derzeit in diesem Fall kursieren.

Die Polizei hält sich zu den Hintergründen und einem möglichen Tatmotiv weiterhin bedeckt. „Die Soko macht jetzt ihre Hausaufgaben. Deshalb werden wir uns zum jetzigen Zeitpunkt dazu nicht äußern.“

Im Fall der seit Juni 2012 vermissten Anna Poddighe aus Amberg gibt es keine neuen Erkenntnisse, teilte Polizeisprecher Albert Brück auf MZ-Nachfrage mit. Die 41-Jährige verschwand während des Altstadtfestes in Amberg, seitdem gibt es kein Lebenszeichen mehr von ihr. Obwohl auch in diesem Fall der Lebensgefährte der Frau der letzte Zeuge war, der sie lebend gesehen hat, sieht die Polizei derzeit keine Parallelen zum Fall Maria Baumer. Die Polizei habe den kurzzeitig untergetauchten Mann inzwischen ausfindig gemacht und Kontakt zu ihm hergestellt. Es werde noch einmal eine Befragung geben, sagte der Polizeisprecher. Ermittelt wird gegen den Lebensgefährten nicht. Derzeit sei auch nicht geplant, in diesem Vermisstenfall Ermittlungen wegen eines möglichen Tötungsdeliktes aufzunehmen.

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