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Fall Baumer: Ermittler auf Zielgerade

Vor vier Jahren verschwand Maria Baumer (26) aus Muschenried; ihr Tod ist ungeklärt. Wir beleuchten den Ermittlungsstand.
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

Vor vier Jahren verschwand Maria Baumer. Ihr Tod konnte auch nach Auffinden ihrer sterblichen Überreste nicht aufgeklärt werden. Foto: MZ-Archiv
Vor vier Jahren verschwand Maria Baumer. Ihr Tod konnte auch nach Auffinden ihrer sterblichen Überreste nicht aufgeklärt werden. Foto: MZ-Archiv

Regensburg.Wann werden die Ermittlungen in dem Fall zum Abschluss kommen?

Im Moment laufen die Ermittlungen noch. Es gibt „die eine oder andere Spur“, die von der Polizei noch abgearbeitet wird, heißt es von der Staatsanwaltschaft Regensburg. Allzu viel Zeit werde dies aber nicht mehr in Anspruch nehmen. Noch 2016 will die Staatsanwaltschaft den Fall – sofern es keine neuen Erkenntnisse mehr gibt – abschließend bewerten. Das Problem der Ermittler im Fall Maria Baumer ist der Umstand, dass wichtige Informationen zum Tod der jungen Frau fehlen. Bei der Obduktion konnte keine Todesursache festgestellt werden. Der Todeszeitraum konnte nicht exakt eingegrenzt werden, wobei die Ermittler davon ausgehen, dass Maria Baumer in engen zeitlichem Abstand zu ihrem Verschwinden starb. Auch einen Tatort gibt es nicht. Einen natürlichen Tod schließen die Ermittler ebenso wie Suizid aus. Die Polizei ermittelt wegen Totschlags gegen den ehemalige Verlobten. Sollte sich der Verdacht gegen den 31-Jährigen nicht erhärten, wird eine Aufklärung schwierig. Denn weitere Tatverdächtige gibt es bislang nicht, sagt die Staatsanwaltschaft.

Welche gesicherten Erkenntnisse haben die Ermittler?

Die Auffindesituation lässt nach Meinung der Ermittler auf ein Verbrechen schließen. Jemand hat sich die Mühe gemacht, eine Grube auszuheben und Maria Baumer darin zu vergraben. Zudem fehlen wichtige Gegenstände zur Identifizierung wie Kleidung und Schuhe, eine Kette mit Kreuzanhänger und der Schlüsselbund der 26-Jährigen. Die Ermittler gehen davon aus, dass es für den Täter wohl wichtig war, diese persönlichen Sachen verschwinden zu lassen. Am Leichnam hafteten Spuren eines Gemisches – nach MZ-Informationen Kalk und Fliesenkleber. Kommt angerührter Fliesenkleber mit Wasser in Verbindung, entsteht eine stark alkalische Lösung, die bei längerem Kontakt die Haut schwer schädigt. Es drängt sich der Verdacht auf, dass jemand versucht haben könnte, Maria Baumer „verschwinden“ zu lassen. Ein am Fundort der Leiche entdeckter Spaten mit sechs DNA-Spuren und einem anhaftenden Haar, steht in einem Zusammenhang mit dem Fall, bestätigt die Staatsanwaltschaft. Welche Erkenntnisse gewonnen werden konnten, verraten die Ermittler derzeit nicht.

Wird Maria Baumers Schicksal jemals geklärt? MZ-Reporterin Isolde Stöcker-Gietl sprach mit Theo Ziegler, Sprecher der Staatsanwaltschaft Regensburg. Sehen Sie das Interview im Video:

Vor vier Jahren verschwand Maria Baumer

Warum gilt der Verlobte als Hauptverdächtiger?

Zwar hat das Landgericht Regensburg bei der Bewertung der zweiten Haftbeschwerde im November 2013 einen hinreichenden Verdacht gegen den Verlobten verneint. Dennoch konzentrieren sich die Ermittler weiter auf den 31-Jährigen aufgrund einer Reihe von Indizien. Wie die Staatsanwaltschaft sagt, haben sich keine Hinweise auf andere tatverdächtige Personen ergeben. Der Verlobte war die letzte Person, die Maria Baumer lebend gesehen hat. Er war es, der die beiden – unbestätigten – Anrufe der 26-Jährigen entgegengenommen hatte. Bei der Polizei gab der 31-Jährige an, dass sich Maria Baumer an jenem Samstag gegen 14 und 17 Uhr bei ihm gemeldet habe. Diese Anrufe konnten später nicht rekonstruiert werden. Nach MZ-Informationen wurde auch die Familie Baumer vom Verlobten zunächst nicht über einen ersten Anruf Marias um 14 Uhr informiert. Erst am späteren Nachmittag soll ihnen der 31-Jährige von einem Anruf berichtet haben. Auch Vorgänge auf dem Laptop der jungen Frau – die nach ihrem Verschwinden stattfanden – sind Ermittlungsgegenstand.

Gibt es einen Zusammenhang zur jetzigen Anklage gegen den Verlobten?

Die Staatsanwaltschaft Regensburg hat vor wenigen Wochen Anklage gegen den früheren Verlobten der getöteten Maria Baumer erhoben. Es geht um mehrere mögliche Strafdelikte, die im Zuge der Ermittlungen in dem Fall ans Licht kamen. Dem 31-Jährigen werden sexueller Missbrauch von Kindern sowie sexuelle Nötigung in Tateinheit mit vorsätzlicher Körperverletzung vorgeworfen, zudem der Besitz von kinderpornografischem Material sowie der Diebstahl eines Medikaments an seinem Arbeitsplatz, dem Bezirksklinikum Regensburg. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Theo Ziegler, verneint, dass aus dieser Anklage auch Rückschlüsse auf das Ermittlungsverfahren im Fall Baumer gezogen werden könnten. „Wir gehen nicht davon aus, dass wir dadurch neue Erkenntnisse gewinnen werden.“ Die Anklage ist bei der Jugendkammer des Landgerichtes anhängig. Derzeit haben die inzwischen zwei Anwälte des 31-Jährigen das Wort. Über eine Zulassung zur Hauptverhandlung ist deshalb noch nicht entschieden, teilte Landgerichtssprecher Thomas Polnik mit.

Was war Maria Baumer für eine Persönlichkeit?

Maria Baumer hatte kurz vor ihrem Verschwinden erfolgreich ein Studium abgeschlossen und ihren ersten Job als Windanlagengutachterin angetreten. Zudem ließ sie sich zur Landesvorsitzenden der Katholischen Landjugend wählen. Im September 2012 wollte sie ihren langjährigen Lebensgefährten heiraten. Die Ermittler haben sehr intensiv im Lebensumfeld des Paares ermittelt. Der Verlobte arbeitete in Teilzeit als Krankenpfleger und absolvierte zudem ein Medizinstudium. Die Anforderungen für das Physikum stellten den Krankenpfleger vor große Herausforderungen. In diesem Zusammenhang soll es auch Streit zwischen dem Paar gegeben haben, weil Maria Baumer wollte, dass sich ihr Verlobter mehr anstrengt. Überhaupt wurde die 26-Jährige – unter anderem von ihrer Zwillingsschwester Barbara Baumer in der Sendung „Aktenzeichen xy“ – als selbstbewusste Person beschrieben, die auch mal Tacheles redete. Für die Familie der jungen Frau war es deshalb von Anfang an nicht nachvollziehbar, dass Maria einfach verschwand und kein Lebenszeichen mehr von sich gab.

Der Fundort der sterblichen Überreste von Maria Baumer (MZ-Infografik)
Der Fundort der sterblichen Überreste von Maria Baumer (MZ-Infografik)

Seit wann lag die Leiche von Maria Baumer im Kreuther Forst?

Die Polizei fragte bei den Ermittlungen nach zwei verschiedenen Zeiträumen, in denen Zeugen Beobachtungen in dem Waldstück gemacht haben könnten. Diese Zeiträume bezogen sich auf das unmittelbare Verschwinden der Frau und auf einen späteren Zeitraum ab April 2013 bis zum Auffinden der sterblichen Überreste am 8. September 2013 durch Pilzsammler. Nach Informationen der MZ konnten keine eindeutigen Hinweise dafür gefunden werden, dass Maria Baumers Leiche zunächst an einem anderen Ort versteckt war. Die Staatsanwaltschaft schließt dies dennoch nicht gänzlich aus. Das Gebiet im Kreuther Forst liegt an einer stark frequentierten Gemeindeverbindungsstraße. Die sterblichen Überreste waren nur etwa 100 Meter von der Straße entfernt in einer ausgehobenen Grube, die Wildtiere freilegten. Trotzdem blieb Maria Baumer über einen langen Zeitraum unentdeckt. Die Polizei hatte bereits Ende Juli 2013 mit Leichenspürhunden nach der vermissten Frau gesucht – nahe dem Reiterhof. Das Blut, das die Hunde damals witterten, soll Tierblut gewesen sein.

Was passiert, wenn die Ermittlungen nicht zu einer Anklage führen?

Da die Ermittlungen wegen Totschlags geführt werden, verjährt die Tat als solche nicht. Die Staatsanwaltschaft Regensburg muss aber das aktuelle Verfahren zu einem Abschluss bringen. Da es außer dem ehemaligen Verlobten keine weiteren Personen gibt, die derzeit als Tatverdächtige in Frage kommen, ist die Bewertung darauf ausgerichtet, ob der Krankenpfleger etwas mit dem Verschwinden und dem Tod der 26-Jährigen zu tun hat. Der 31-Jährige streitet dies vehement ab. Anklage kann nur erhoben werden, wenn die Staatsanwaltschaft davon ausgeht, dass es mit einer Wahrscheinlichkeit von über 50 Prozent zu einer Verurteilung kommt. Reichen die Indizien dafür nicht, werden die Akten geschlossen. Der Fall Maria Baumer wird ein sogenannter „cold case“ – das bedeutet, dass der Fall zwar zunächst ungeklärt bleibt, aber nicht in Vergessenheit gerät. Die Polizei wird die Akten in regelmäßigen Abständen studieren, manchmal gibt es auch neue kriminaltechnische Verfahren, die genutzt werden. In der Oberpfalz gibt es zwei Morde, die nicht geklärt weden konnten: an Karl Perlinger aus Furth im Wald in seinem Schuhgeschäft, sowie an Friseurin Manuela C.Sie starb unter der Regensburger Nibelungenbrücke.

Eine Chronologie des mysteriösen Falls:

Alles zum Fall Maria Baumer lesen Sie in unserem MZ-Spezial.

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